© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51-10 vom 25. Dezember 2010

Heimatforscher aus Leidenschaft
Wladimir Golowanow betreibt in der Nähe von Schloss Balga ein Privatmuseum: Gäste willkommen

Auf dem Weg nach Balga liegt das Haus von Wladimir Golowanow. Von außen eher unscheinbar, verbirgt sich im Innern eine Sammlung verschiedenartigster Gegenstände, die der Heimatforscher der Erde entrissen hat.

Über holprige Pisten führt der Weg nach Schloss Balga. Viele Bus- und Autofahrer weigern sich, die abenteuerliche Fahrt auf sich zu nehmen - aus Angst um Reifen und Achsen ihrer Fahrzeuge. Doch die Strapazen lohnen sich.

Mitten im Wald am Steilufer des Frischen Haffs liegen die Ruinen des Schlosses und der Kirche. Steil ist der Abstieg über provisorisch angelegte Holzstufen hinunter zum steinigen Ufer. Sonntagsangler sitzen am Lagerfeuer und warten darauf, dass ein Fisch anbeißt, während die Kinder im Wald herumtollen. Junge Paare genießen die romantische Aussicht. Bei gutem Wetter reicht der Blick bis nach Pillau. Mole und Hafenbecken sind gut zu erkennen.

Wenige Minuten von der Schlossruine entfernt liegt das kleine Privatmuseum von Wladimir Golowanow. Vor dem Tor des Hauses steht ein großer Findling, der "Guten Tag-Stein". In Richtung Schloss steht der Gruß auf Deutsch, auf der Rückseite ist auf Russisch "Dobryj djen" zu lesen. Wladimir ist ein kerniger Mittfünfziger. Er gräbt im Auftrag des Gebietsmuseums für Kunst und Geschichte in der Umgebung von Balga nach Gegenständen deutscher Vergangenheit. Die Funde legt er zunächst den Archäologen des Museums vor. Gegenstände, die das Museum für die eigene Ausstellung nicht verwenden kann, erhält er zurück. Wladimir freut sich, wenn Besucher den Weg zu ihm finden, und zeigt mit Stolz und Enthusiasmus seine Schätze.

Als im Rahmen des diesjährigen deutsch-russischen Forums in Gumbinnen Kreisvertreterin Elke Ruhnke mit Begleitern dem Museum einen Besuch abstattete, erzählte Wladimir von seinen interessantesten Funden. Darunter waren Stempel mit der deutschen Aufschrift "Balga" und Abbildungen von Städtewappen mit Aufschrift in Sütterlin-Schrift.

Zu den spektakulärsten Funden der letzten Zeit zählt ein vor zwei Jahren im Frischen Haff entdecktes Flugzeugwrack. Die Bergung erwies sich als äußerst schwierig, da schweres Gerät vonnöten war, um die Überreste aus dem Sand zu befreien. Erst vor wenigen Monaten wurden bei der Nachuntersuchung des Wracks auch die Überreste eines Menschen entdeckt. Während der Rest ziemlich verwittert war, ist ein Schuh mit dem großen Zeh erhalten geblieben. Vermutlich handelt es sich um den Piloten des abgestürzten Flugzeugs. Die Identität konnte noch nicht geklärt werden. Aus dem Wrack konnte ein Metallschild mit der Aufschrift "Junkers Flugzeug und Motorenwerke AG Dessau, Motormuster JUMO 201 B, Zcecc-Nr. 888706-38, Werk-Nr. W151, Theocop-Karte: Bremen-Huchting" sichergestellt werden. Bislang konnten weder Archive noch Nachfragen bei deutschen Pilotenverbänden Aufschluss über das Flugzeug und seine Verwendung bringen. Wer von unseren Lesern helfen kann, wende sich bitte an die PAZ.        M. Rosenthal-Kappi


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