© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 11. März 2000


Erinnerung nach außen tragen
Granitblock aus Schlesien wird zum Symbol der Völkerverständigung

Herne – Die Stadt Herne hat die Patenschaft über drei ostdeutsche Heimatgemeinschaften – und zwar die Heimatgruppe Jauer/Schlesien seit 1952, die Heimatgruppe Strehlen/Schlesien seit 1951 und die Kreisgemeinschaft Ortelsburg/Ostpreußen seit 1962 – übernommen. Aufgabe dieser Patenschaft war und ist es, Hilfestellung bei der Eingliederung der Vertriebenen in ihre neue Umgebung zu geben, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit den Heimatvertriebenen zu vertiefen, Stätten der Begegnung für die über das ganze Bundesgebiet und darüber hinaus verstreuten Menschen zu schaffen, die Pflege der geschichtlichen Traditionen und das kulturelle Erbe des Raumes, aus dem sie stammen, zu bewahren und als Teil einer gesamtdeutschen Kultur verstehen zu helfen.

Die Stadt hat dieser Aufgabe Rechnung getragen, indem sie in der Musikschule Räume für die Heimatstuben zur Verfügung stellt, Straßen benannte, die Martin-Opitz-Bibliothek (früher Bibliothek des Deutschen Ostens) unterhält, finanzielle Hilfen gibt und die Heimatvereine in das gesellschaftliche Leben einbindet. Was jedoch bisher fehlte, war ein Gedenkstein, der dieser Patenschaft und dem Heimatgedenken auch nach außen hin Ausdruck verleiht.

Nachdem ein erster Versuch der Heimatgruppe Strehlen vor einigen Jahren erfolglos war, hatten sich die Rahmenbedingungen dafür seitdem zum Positiven gewendet. Heute verstehen sich die Heimatvertriebenen u. a. als Brückenbauer zu den in ihren Heimatgebieten lebenden Deutschen und Polen und unterhalten gute nachbarschaftliche Beziehungen zu den dortigen Verwaltungen und Behörden, so wie auch die Stadt Herne eine Partnerschaft zur polnischen Stadt Konin unterhält. Im Zuge eines erneuten Antrages der drei Heimatvereine Anfang 1999 an die Stadt zur Aufstellung eines Gedenksteines kam es im Kulturausschuß und im Rat der Stadt zu lebhaften Diskussionen. Schließlich faßte der Rat der Stadt am 15. Juni 1999 den Beschluß, einen von den Patenstädten und Patenkreisen Strehlen, Jauer und Ortelsburg aus einem Steinbruch in Strehlen zur Verfügung gestellten Gedenkstein vor dem Gebäude der Städtischen Musikschule Herne, Gräffstraße 43, aufzustellen. Die Inschrift des Gedenksteins wird lauten:

"Gegen Krieg und Vertreibung

alte Heimat in Ostpreußen und Schlesien

Jauer-Strehlen-Ortelsburg

Neue Heimat Patenstadt Herne".

Im September 1999 besuchte der polnische Bürgermeister von Strehlen, Horzaniecki, die Stadt Herne und versprach dabei die Lieferung eines Granit-Rohlings aus den Steinbrüchen als Geschenk an die Heimatvertriebenen. Nach Einschaltung mehrerer Steinmetzbetriebe wurde schließlich die Steinbildhauerei Zacharzewski in Gelsenkirchen mit der Bearbeitung des Steines beauftragt.

Der 4,2 Tonnen schwere Granitblock traf in Gelsenkirchen ein. Die Kosten der Bearbeitung tragen die drei Heimatgemeinschaften, während die Stadt den Transport nach Herne und die Herrichtung des Fundaments übernommen hat. So demonstriert dieses gemeinsame bilaterale Vorhaben das wachsende Klima der Annäherung, der Völkerverständigung und den Versöhnungswillen der Betroffenen.

Am Freitag, 7. April, um 15 Uhr wird nun der Gedenkstein in einer Feierstunde, zu der auch die betroffenen polnischen Bürgermeister und Landräte eingeladen wurden, vor der Musikschule enthüllt. Dabei spricht Oberbürgermeister Becker für die Patenstadt und der Vorsitzende der Kreisgemeinschaft Ortelsburg, Edelfried, Baginski, für die Heimatvertriebenen. Ein Grußwort wird auch der Bürgermeister von Strehlen an die Versammelten richten. Musikalisch umrahmt wird die Feierstunde durch einen Bläserchor der Musikschule. Im Anschluß daran geben die Heimatvereine in ihren Heimatstuben einen Empfang mit Kaffee und Kuchen. Interessierte Bürger sind herzlich willkom-men. E. B.