© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 27. Mai 2000


"Gebt uns die Mark wieder!"
Der Euro ist Globalisierer-Spielball und Instrument zur Umverteilung

"Gebt uns unsere D-Mark wieder!" – Dieser Ruf ertönt nicht in der Bundesrepublik, wo man sich offenbar längst schon an den Morgenthau-Plan gewöhnt hat. Jawohl, an den Morgenthau-Plan, denn gemeint ist natürlich nicht jenes vergleichsweise primitive Abmontieren der Industrie und Rückverwandeln in ein Agrarland, wie das einst ausgeheckt war. Sondern es geht um das weitaus raffiniertere Konzept der ewigen Schuldknechtschaft in ihren vielfältigen und gut getarnten Ausprägungen! Eine davon ist etwa das "Kyoto-Protokoll", bei dem der deutschen (und österreichischen) Wirtschaft unverhältnismäßig hohe CO2-Reduktionen – sprich: Wettbewerbsnachteile – aufgebrummt wurden. Eine andere ist eben der Opfertod der D-Mark.

"Gebt uns unsere D-Mark wieder!" – Dieser Ruf ertönt nicht einmal in Österreich, wo man jahrzehntelang einen festen Wechselkurs zwischen D-Mark und Schilling pflegte, indem man die Entscheidungen der Deutschen Bundesbank "autonom nachvollzog", – statt lieber gleich die D-Mark einzuführen und sich auf diese Weise unzählige Milliarden für den Betrieb der "Österreichischen Nationalbank" zu ersparen. (Erstaunlich übrigens, daß die Sozialisten, denen doch sonst immer alles viel zu "national" ist, ausgerechnet am Namen der österreichischen Notenbank keinen Anstoß nehmen!)

"Gebt uns unsere D-Mark wieder!" – Dieser Ruf ertönt vielmehr in jenen postkommunistischen Ländern Südosteuropas, wo die D-Mark mittlerweile zur gängigen Währung geworden ist und die gleichen Funktionen erfüllt wie der Dollar in anderen Weltgegenden. Der Ruf ertönt, weil der dramatische Kursverfall des Euro in gleichem Ausmaß die D-Mark entwertet und somit alle schädigt, die an die D-Mark geglaubt hatten.

Und man muß sich vor Augen halten, was das sonst noch bedeutet: Wer am Balkan seine Ersparnisse in D-Mark unverzinst unter der Matratze liegen hat, zieht damit unbeabsichtigt an den gleichen Strängen wie die hiesigen Währungshüter mit ihren Maßnahmen zur "Kaufkraftabschöpfung"! Und wenn dann – dank freundlicher Nachbarn oder hilfsbereiter Bomberpiloten – das Haus abbrennt und mit dem Haus die Matratze und mit der Matratze die Ersparnisse, dann wird zugleich der Notenumlauf der Bundesbank verringert, es wird also eine Verbindlichkeit getilgt, ohne daß man das als "außerordentlichen Ertrag" auszuweisen und womöglich noch zu versteuern hätte! Gewiß, es macht in Summe nicht viel aus, ist aber wieder eines von zahlreichen Beispielen dafür, wie heute unter dem Deckmäntelchen "Globalisierung" die Umverteilung funktioniert, eine Umverteilung von unten nach oben – von denen, die arbeiten und sparen, hin zu den Finanzhaien und den von ihnen abhängigen Politikern.

Als der Euro in seinen ersten Daseinstagen (bescheidene) Kursgewinne gegenüber dem Dollar verzeichnen konnte, ließ man das Volk mit Triumph-Gemurmel beschallen: "Seht Ihr, wir haben’s ja immer schon gewußt!" Und heute? Da lassen die Beschwichtigungshofräte verlauten, daß der Kursverfall ohnehin nur scheinbar" sei und eigentlich gar keine Rolle spiele, weil ja im Euro-Land der größte Teil der Wirtschaft bloße Binnenwirtschaft sei.

Nun, da ist etwas Wahres dran, doch muß man sich das im Detail ansehen: Denn Importe von Rohstoffen, insbesondere von Erdöl, werden weiterhin in Dollars fakturiert, heizen also die Inflation an, und von der Inflation am stärksten betroffen sind bekanntlich stets die Schwächsten – hierzulande wie auch am Balkan. Daß andererseits die Exportwirtschaft durch Abwertung angeblich profitiert, ist eine weitere Halbwahrheit: Denn eine mengenmäßige Ausweitung (wenn überhaupt!) bedeutet noch lange keine entsprechende ertragsmäßige Ausweitung, um die Volkswirtschaft für die teureren Importe zu entschädigen! Auch betriebswirtschaftlich ist der (unverdiente) Konkurrenzvorteil durch Abwertung eher gefährlich, verleitet er doch dazu, Unwirtschaftlichkeit unter den Teppich zu kehren, was dann bei einer Kursentwicklung in die andere Richtung katastrophale Folgen haben kann. (Siehe Pfund-Kurs und Rover!)

Besonders hervorzuheben ist natürlich, daß der Sinkflug des Euro sich nicht auf alle Euro-Länder gleichermaßen auswirkt! Wer zahlt denn vor allem für das teurere Erdöl? Aha! Und wer profitiert von dieser Teuerung? Ebenfalls aha! Es ist kein Zufall, daß England und Norwegen dank Nordsee-Öl auf den Euro verzichten dürfen. Und es ist ebenso kein Zufall, daß Morgenthaus grüne Erfüllungsgehilfen so heftig für die Schließung deutscher Kernkraftwerke und gegen die Errichtung österreichischer Wasserkraftwerke kämpfen!

Da ist aber noch ein weiterer, ganz entscheidender Aspekt: Für Dollars kann man heute um ein Viertel billiger einkaufen – Liegenschaften, Betriebe, Finanzbeteiligungen etc. Und da geht es eben nicht um die vielgerühmten "Investitionen", mit denen die Wirtschaftskraft erhöht und Arbeitsplätze geschaffen werden. Es sind vielmehr reine Finanztransaktionen, deren Gewinne wieder verflüssigt werden, sobald sich das lohnt, also wenn das Pendel wieder in die andere Richtung geht. Und weil man eben mächtig genug ist, das Pendel einmal hierhin und einmal dorthin ausschlagen zu lassen, ist man auch beim Billig-Einkaufen und Teuer-Verkaufen jeweils um die sprichwörtliche Nasenlänge voraus!

Die Abwehr solcher Plünder-Aktionen ist nur einer autonomen Volkswirtschaft möglich, die Europäer aber haben ihre eigenen Volkswirtschaften dem Moloch Globalisierung zum Fraße vorgeworfen, und eine gemeinsame europäische Volkswirtschaft gibt es nicht. Wird es auch nicht geben, solange die Hegemonial-Interessen einzelner Mächte das Geschehen in Brüssel diktieren! Der Euro muß also – selbst wenn er aus den angeführten Gründen durchaus wieder einmal steigen wird – ein Spielball der Globalisierer bleiben, ein Instrument zur Umverteilung. R. G. Kerschhofer