© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 27. Mai 2000


Nicht mehr der schöne Schein
Kinder des 20. Jahrhunderts – Zu einer Ausstellung in Aschaffenburg

Große Strohhüte schmücken ihre Köpfe wie die feiner Damen; die Haare sind mit feinen Schleifen gebunden; die eine hält einen zarten Blumenstrauß in Händen, die andere einen bunten Ball. Ernst blicken sie dem Betrachter aus dem Bild entgegen, Nina, die Tochter des Malers Max Slevogt, und Wilhelmine, die Tochter von Lovis Corinth. Wohlerzogen und behütet sind diese beiden Mädchen. Wie anders wirkt da der von Conrad Felixmüller gemalte kleine Mensch, der, obwohl in einen warmen Mantel gehüllt, durch den Schnee stapft und mißtrauisch den Betrachter anblickt? Oder gar die zu Grimassen verzerrten Gesichter der "Kinder, die unter Steinen aufwachsen", von Karl Hubbuch in Szene gesetzt? Von Herzen Fröhliches oder gar Verträumtes finden sich auch in den Kinderfotografien unserer Tage kaum. Kinder des 20. Jahrhunderts sind in einer Ausstellung zu sehen, die noch bis zum 12. Juni in der Galerie Aschaffenburg in der ehemaligen Jesuitenkirche, Pfaffengasse 26, gezeigt wird. (Dienstag 14 bis 19 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr; vom 18. Juni bis 27. August im Mittelrhein-Museum Koblenz, Florinsmarkt 15-17; Dienstag bis Sonnabend 10.30 Uhr bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr.) Zu sehen sind Werke von Baselitz bis Zille, darunter auch Arbeiten von Corinth und Kollwitz, von Pechstein, Nolde, Liebermann oder Kokoschka.

Kindheit im Spiegel der Kunst, gesehen von den unterschiedlichsten Künstlern, festgehalten mit den unterschiedlichsten technischen Mitteln, macht deutlich, wie sehr die Situation der Kinder auch geprägt ist von ihrer Umwelt. Gerade in den eindringlichen Bildern wird die Verletzbarkeit der kindlichen Seele überaus deutlich. "Die Kraft dieser Kinderdarstellungen des 20. Jahrhunderts", so ist im Katalog (38 DM im Museum, 78 DM im Buchhandel) zu lesen, "resultiert aus der Betroffenheit, die sie verursachen, und nicht mehr aus dem schönen Schein. Gerade in ihrer Versehrtheit sind die ,Kinder des 20. Jahrhunderts‘ zu Ausdrucksträgern eines allgemein tragische, humane Werte entbehrenden Lebensgefühls geworden. Denn wo man Kindern nicht mehr alle erdenkliche Aufmerksamkeit entgegenbringt, da hat man sich vom Wesentlichen des Menschseins abgewendet." – Wenn diese Ausstellung auch nur ein wenig Umdenken bewirkt, dann ist das viel. man