© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 27. Mai 2000


Völkerrecht gilt für alle
Kulturtagung der Landesgruppe Thüringen fand viel Beifall

Dörnfeld – Die fünfte Kulturtagung, diesmal mit dem bevorstehenden Höhepunkt des Deutschlandtreffens der Ostpreußen in Leipzig, fand in Dörnfelde statt.
Nach der offiziellen Begrüßung der Teilnehmer und Referenten durch den Landesgruppenvorsitzenden Gerd Luschnat erhielt Dr. Paul Latussek, Vorsitzender des BdV-Landesverbandes Thürigen, das Wort. Er erläuterte die Aufgaben des BdV und seiner Mitglieder im neuen Jahrhundert. Als Schwerpunkt mahnte er an, das Bewußtsein der Jugend für das Verständnis der völkerrechtswidrigen Vertreibung zu entwickeln und wachzuhalten. Latussek verurteilte die "linke Politik", die sich auch in Erfurt gegenüber dem Vertriebenenverband zeigt, und rief zu mehr Rechtsbewußtsein auf, insbesondere bei der Aufarbeitung der Geschichte. "Völkerrecht gilt für alle Menschen, auch für die deutschen Opfer", so seine Folgerung. Zudem mahnte er, daß die Verbandsarbeit eine Bewußtseinsänderung erreichen müsse und wies auf die Menschen in der Heimat hin, die Unterstützung bräuchten, um ihre Identität zu finden. Seine Worte wußten alle Teilnehmer zu schätzen. Danach referierten Dr. Günter Rubach und Peter Kötschau, beide aus Jena, über die Geschichte Ostpreußens. Bekanntes und Neues vereinten sich, verhalfen zu einem besseren Verständnis der Geschehnisse und machten deutlich, daß über bedeutende historische Persönlichkeiten nicht hinweg gesehen und über herausragende historische Ereignisse nicht hinweg geschwiegen werden darf. Eine Bereicherung hierzu war der Vortrag von Viktor Kittel, Kreisvertreter von Memel-Stadt. Er arbeitete besonders in seinem Referat über das Memelland die deutsch-litauischen Nachbarschaftsverhältnisse heraus. Manfred Baaske ergänzte die Ausführungen mit einem Beitrag zur kaschubischen Geschichte, "Konflikte und Begegnungen zu Polen und Deutschen", so daß die Erkenntnis reifte, daß – wenn es um Europa geht – man mit der gemeinsamen Geschichte und Kultur beginnen müsse. Die Geschichte lehrt, daß es im Zusammenleben der Völker viel mehr Gemeinsames als Trennendes gibt.

Mit Dieter Podszuss’ und Ursula Beyers Referaten begaben sich die Anwesenden auf Spuren, die von Thüringen nach Ostpreußen führten. Sie waren ein Appell, mehr als bisher sich auf kulturelle und geschichtliche Gemeinsamkeiten zu besinnen und sie zu pflegen, um sie weitergeben zu können. Die lebhafte Diskussion und der anschließende Beifall bewiesen, daß die Kulturtagung wieder einmal ein voller Erfolg war. Margarete Ritter