© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 27. Mai 2000


Ein fester Platz im Freistaat
8. Ostdeutsche Kulturtage des BdV-Landesverbands Thüringen eröffnet

Altenburg – Zur feierlichen Eröffnung seiner 8. Ostdeutschen Kulturtage lud der BdV-Landesverband Thüringen nach Altenburg in den Festsaal des Schlosses ein. Zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen die Schirmherrin der diesjährigen Kulturtage, Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht, Landrat Christian Gumprecht, der Oberbürgermeister der Stadt Altenburg, Johannes Ungvari, die CDU-Landtagsabgeordneten Fritz Schröter und Andreas Sonntag, die Bürgermeister zahlreicher Städte und Gemeinden des Landkreises sowie 40 Veteranen aus der Heimat, konnte der BdV-Landesvorsitzende Dr. Paul Latussek begrüßen.

Ein ganz herzliches Willkommen galt der Landesvorsitzenden des BdV in Sachsen-Anhalt, Elfriede Hoffmann, und dem stellvertretenden Landesvorsitzenden des BdV in Nordrhein-Westfalen, Hans-Joachim Muschiol. Die Ostdeutschen Kulturtage, die in diesem Jahr mit über 60 Veranstaltungen bis zum 24. Juni in ganz Thüringen stattfinden, setzen ihren Schwerpunkt in der Pflege des Brauchtums, das sich durch die Jahrhunderte der Besiedlung in Ostdeutschland, im Sudetenland und den südosteuropäischen Siedlungsgebieten vielfältig entwickelt hat.

Das Programm im Festsaal eröffnete das Kammerorchester Altenburg unter der Leitung von Thomas Wicklein. In seiner Festrede betonte Latussek die stetig steigende Bedeutung und den festen Platz der Ostdeutschen Kulturtage im Kulturleben des Freistaates Thüringen. Zur Bewahrung der ostdeutschen Kultur sagte er: "Was die Vertriebenen in Thüringen kulturell leisten, leisten sie aus Verantwortung gegenüber ihrer Heimat, aber auch in dem Bewußtsein, damit einen Beitrag zur Sicherung des kulturellen Erbes Europas zu leisten, das auf Dauer nur als ein Europa der Vaterländer und entsprechend seiner Tradition als ein Europa der kulturellen Vielfalt eine Chance hat. Die Vertreibung der Deutschen war nicht nur ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sondern auch ein Verbrechen gegen die europäische Kultur, die sich gerade durch ihre Vielfalt auszeichnet und als Bindeglied zwischen den Brücken der Verständigung geschlagen hat.

Ostdeutsche Kultur hat für das Verständnis der Menschen in Europa etwas Besonderes geleistet, weil sie durch westliche und östliche Einflüsse geprägt eine Brückenfunktion inne hatte. Wer die Pflege ostdeutschen Kulturgutes in Deutschland durch die Streichung der dafür notwendigen Mittel in Frage stellt, handelt nicht nur gegen das Gebot der Solidarität, auf die die Vertriebenen wegen ihres schweren Schicksals ein Leben lang Anspruch haben, sondern vernachlässigt auch den Auftrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes unseres Volkes."

Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht würdigte in ihrem Grußwort das Engagement der Vertriebenen bei den Bemühungen zur Wahrung und Pflege ihrer Heimatkultur und Verbreitung in Thüringen.

Im Anschluß folgte die Vergabe des Kunstpreises 2000 des BdV-Landesverbandes Thüringen, der in diesem Jahr bereits zum vierten Mal mit dem Ziel ausgeschrieben wurde, in Thüringen lebende Vertriebene für hervorragende künstlerische Werke bei der Wahrung des kulturellen Erbes ihrer Heimatgebiete, aber auch bei der Aufarbeitung deutscher Geschichte zu ehren. In diesem Jahr wurde der Kunstpreis dreifach vergeben. Zwei Exponate erhielten zusätzlich eine besondere Auszeichnung. Mit der Vergabe des Kunstpreises für kombiniertes künstlerisches Schaffen wurde erstmalig eine Künstlerin geehrt, die den Kunstpreis schon einmal für eine andere ihrer Arbeiten erhalten hat: Christa Blachnik, geboren 1939 in Kochdorf/Schlesien. Sie erhielt ihn für das Bild "Leb wohl, meine Heimat" und für ihr Gedicht "... und die schlesische Heimat sollt’s nimmer geben". Den Kunstpreis 2000 für Malerei erhielt Walter Zimmanyi, geboren 1928 in Most/Sudetenland, für sein Bild "Blick in das Elbtal bei Aussig – Sudetenland". Den Kunstpreis 2000 für Literatur erhielt Gottfried Kunkel, geboren 1934 im Weichsel-Warthe-Land in Mazowiecki, für seine Romanbiographie "Kreuz des Ostens". Mit einer besonderen Anerkennung bedacht wurden Hans Grolik, geboren 1927 in Abtsdorf/Mähren, für seine Holzschnitzereien und der als Sohn von Vertriebenen in Königssee/Thüringen 1957 geborene Roberto Burian für sein Gedicht "Heimatlied", das, von seinem Freund Axel Janca vertont, als CD erschienen ist.

Am Nachmittag fand dann auf dem Schloßhof ein buntes, unterhaltsames Brauchtumsfest statt. Froh eingestimmt wurden die Gäste von der Jugendblasformation des BdV-Thüringen mit frohen Weisen aus der ostdeutschen Heimat. Moderiert von Frau Kundt-Petters präsentierten sich die Folkloregruppe Wandesleben und die Gäste aus Bütow/Pommern, die Kindertanzgruppe sowie der Chor des Deutschen Freundeskreises. Monika Heim