© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 03. Juni 2000


Wien/Münster: Freitod gewählt

Werner Pfeifenberger, Professor für Politologie an der Universität Münster, hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Er habe laut der Nachrichtenagentur APA Selbstmord verübt, nachdem er erfahren habe, daß am 26. Juni in Wien ein Prozeß gegen ihn wegen Verstoßes gegen das österreichische "NS-Verbotsgesetz" geplant gewesen sei. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem ein Artikel im "Jahrbuch für politische Erneuerung" der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) mit dem Titel "Internationalismus und Nationalismus – eine unendliche Todfeindschaft". Als er daraufhin von einem Wiener Journalisten bezichtigt wurde, er schlage "Nazi-Töne" an, strengte Pfeifenberger eine Unterlassungsklage an, die abgewiesen wurde. Dies nutzte wiederum das NRW-Bildungsministerium dazu, ihn aus dem Universitätsdienst zu entfernen. Erst im Sommer 1999 kam es zu einem Vergleich: Der Professor wurde nach Bielefeld versetzt und durfte zwar noch forschen, aber nicht mehr lehren.

Als erneut eine Kampagne gegen Pfeifenberger – unter anderem durch die Grünen-Abgeordnete Annelie Buntenbach – einsetzte, sah Pfeifenberger keinen würdigen Ausweg mehr. Gegen den Dozenten sollte in Wien Anklage wegen NS-Wiederbetätigung erhoben werden. Pfeifenberger habe dies als Vernichtung seiner bürgerlichen und wissenschaftlichen Existenz empfunden. Er sei nicht deprimiert gewesen, sondern entschlossen, es nicht zu einer Verhandlung vor dem Wiener Geschworenengericht kommen zu lassen. Er habe bereits vor der Hauptverhandlung die Hoffung aufgegeben, es könne einen fairen Prozeß gegen ihn geben. BN