© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 03. Juni 2000


LESERBRIEFE UND MEINUNGEN

Unglaubliche Erniedrigungen ertragen
Betr.: Folge 20/00 – "Vom Pregel nach Wetzlar" und "50 Jahre Schweigen sind zuviel"

Im Ostpreußenblatt vom 20. Mai 2000 fand ich zwei Artikel, zu denen ich gern Stellung nehmen möchte: "Vom Pregel nach Wetzlar" und "50 Jahre Schweigen sind zuviel".

In dem Artikel von G. Büngert ging es um das 150jährige Bestehen des Königsberger Diakonissen-Mutterhauses, in dem anderen von S.D./U.L./os um das Schicksal von Frauen, die Internierung, Verschleppung und Zwangsarbeit überlebten und zurückkehrten.

In beiden Artikeln gehen die Verfasser auf das Geschehen nach dem Zweiten Weltkrieg ein, das vor allen Dingen Frauen widerfuhr. Hier der Hinweis auf die Entstehung des Königsberger Mutterhauses, die Geschichte der Diakonissen in Ostpreußen, deren Schicksale, der Aufbau des Mutterhauses auf dem Altenberg, dort das große Schweigen, weil niemand die Spätheimkehrer verstand, als sie nach jahrelangem Leiden in Gefangenschaft oder Zwangsarbeit in sowjetischen Arbeitslagern in die Heimat zurückkehrten.

Mit keinem Wort hat der Verfasser des Berichtes über das 150jährige Bestehen des Königsberger Mutterhauses der Barmherzigkeit das Schicksal der Schwestern erwähnt, die in die Sowjetunion deportiert und zu Zwangsarbeit in sowjetischen Straflagern verurteilt wurden. Ich bin einer von ihnen, Schwester Berta Zimmer, Diakonisse im Mutterhaus der Barmherzigkeit, in ihrem 86. Lebensjahr begegnet. Sie lebte seit ihrer Rückkehr aus der Sowjetunion im Jahre 1954 mit Unterbrechung (sie war 20 Jahre als Gemeindeschwester in Weilburg tätig) bis zu ihrem Tod im Jahre 1998 in Wetzlar und auf dem Altenberg. Ich fand in ihr bestätigt, was in dem Artikel über das Schicksal verschleppter Frauen zum Ausdruck kommt.

40 Jahre hat Schwester Berta Zimmer ihre Aufzeichnungen, in denen sie über ihre Erlebnisse in den sowjetischen Straflagern im Ost-Ural berichtet, im Mutterhaus der Barmherzigkeit in Wetzlar mit sich herumgetragen, bevor sie mir diese 1994 zur Veröffentlichung übergab.

Rein äußerlich, physisch hatte sie das Leid überstanden. Aber so ungeheuerlich waren ihre Erlebnisse, daß es ihr ein Bedürfnis war, im hohen Alter wieder darüber zu sprechen. Nach ihren Aussagen war es ihr nur möglich, die unglaubliche, persönliche Entwürdigung, Erniedrigung und all das Leid zu ertragen, weil sie am Glauben festhielt.

Ich bedauere, daß der Verfasser des Artikels über das Königsberger Diakonissen-Mutterhaus Schwester Bertas Dokument und die damit verbundene vorbildliche, missionarische Leistung wohl übersehen hat bzw. darüber nichts wußte – er hätte sonst sicher anläßlich des 150jährigen Bestehens des Mutterhauses der Barmherzigkeit darauf hingewiesen und sie speziell gewürdigt.

Um so wichtiger ist es – und damit bestätige ich, was in dem Artikel "50 Jahre Schweigen sind zuviel" ausgedrückt ist – daß diese Thematik noch viel intensiver in die Öffentlichkeit getragen wird, um damit auch der nachfolgenden Generation bewußt zu machen, was die Frauen damals geleistet, gelitten und erduldet haben.

Frigga von Bünau, Korbach

 

Grausames Inferno
Betr.: Königsberg am 9. Mai

Makabre Dinge taten sich in Königsberg im Hinblick auf den 9. Mai, den sogenannten "Tag des Sieges". Der Bürgermeister der Pregelstadt ließ den Platz vor dem Roßgärter Tor herrichten. Dort wurde ein Rasen angelegt und ein Denkmal für den Sowjet-Marschall Wassilewski errichtet. Also für jenen Anführer, der in der Königsberger Kapitulationsurkunde vom 9. April 1945 folgendes versprach: Leben, ausreichende Verpflegung und eines Soldaten würdige Behandlung in der Kriegsgefangenschaft, Sorge für die Verwundeten und für die Zivilbevölkerung! Keines dieser Versprechen hielt er ein – statt dessen brach ein grausames Inferno über Königsberg herein. Zwei Tage lang wurde die Stadt zum Plündern, Morden und Vergewaltigen freigegeben. Tausende Menschen kamen uns Leben; das Schicksal der Kriegsgefangenen ist ebenfalls bekannt. Und diesem Marschall wird nun ein Denkmal gesetzt? Unerträglich! Auch der Gebietsgouverneur Gorbenko wollte zur "Siegesfeier" etwas beisteuern. Er errichtete einen "Park des Sieges" in Fortsetzung des bereits bestehenden sowjetischen "Ehrenmals der 1200 Gardisten" am Deutschordensring (beim Ausfalltor). Der alte Park wurde gereinigt und mit Kriegstechnik aus dem 2. Weltkrieg bestückt. Man muß sich immer wieder fragen, wieso Tausende von Rubeln für solch überflüssige und gerade in Königsberg groteske Dinge ausgegeben werden, während die Mehrzahl der Bevölkerung des Gebiets täglich ums nackte Überleben kämpft. Ach ja: Jeder Kriegsveteran sollte zum 9. Mai fünf Dollar geschenkt bekommen.

Iwan Petrow, Königsberg

 

Hunderttausende starben an Gift
Betr.: Folge 19/00 – "Die gedemütigte Weltmacht"

Herr Gellner erinnert die Leser des Ostpreußenblattes an das Erlöschen der Aura der "Unbesiegbarkeit" der USA in Vietnam vor 25 Jahren. Um das Bild abzurunden, bin ich der Meinung, daß auch daran erinnert werden sollte, welche Figur der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker dabei machte. Als persönlich haftender Gesellschafter der Chemiefirma Boehringer-Ingelheim scheint er – was er dem deutschen Volk anlastet – weggeschaut zu haben, als seine Firma dem 1964 in Lieferschwierigkeiten geratenen amerikanischen Chemiewaffenhersteller "DOW Chemical" ein modernes Verfahren zur Herstellung von Zutaten für den Kampfstoff "Agent Orange" lieferte, von dem die USA zwischen 1962 und 1970 57 000 Tonnen über Vietnam und Laos versprühten. "Agent Orange" ist ein Chemieprodukt, welches offiziell als "harmloses Entlaubungsmittel" eingesetzt wurde, in Wahrheit jedoch als Verunreinigung den hochgiftigen Stoff Dioxin TCDD enthält, der bei Hautkontakt zu Krebs, ungeheuren Mißbildungen und qualvollem Tod führt. Allein in Vietnam starben und sterben Hunderttausende Menschen an diesem Gift, und auch in den USA selbst leiden Tausende ehemaliger Soldaten an den Spätfolgen ihrer Kontakte mit "Agent Orange". Es ist unabsehbar, wie lange noch durch den Einfluß von "Agent Orange" Kinder mit Zyklopenaugen, ohne Beine und Arme, mit Riesenköpfen, ohne Nasen, ohne Augen, ohne Hälse geboren werden und in Glasbehältern vegetieren.

Die entscheidenden Vereinbarungen mit "DOW Chemical" wurden im Dezember 1964 abgeschlossen, zu einer Zeit also, in der Weizsäcker als persönlich haftender Gesellschafter und Mitglied der Geschäftsführung bei Boehringer arbeitete. Einem Mann, der sich später als Bundespräsident erdreistete, ein ganzes Volk in die Verantwortung zu nehmen, mit der Begründung, daß es weggeschaut anstatt hingeschaut habe, entgeht in einem örtlich begrenzten Kreis einer Firma ein Vorgang, der Hunderttausende Vietnamesen und Laoten nicht nur das Leben gekostet, sondern viele auch zu Krüppeln gemacht hat.

Friedrich Kurreck, Offenbach

 

Die Deutschen sind erfolgreich umerzogen
Betr.: Folge 18/00 – "Reinigungsversuche des Gedächtnisses"

Der hervorragende Artikel von Walter Bodenstein ist als Wegweiser für eine wirkliche "tabula rasa" ohne Wenn und Aber ein wirkungsvoller Appell an die Vernunft – allerdings nur noch selten zu finden. Er wird deshalb verhallen wie jeder Aufruf zur Wahrheit, zur Menschlichkeit und zur Entlarvung der millionenfachen Lügen. Andernfalls könnte man nicht mehr bei den Deutschen absahnen, und die oft trüben Quellen der fließenden Milliarden würden versiegen.

Es gibt wohl kaum jemanden, der glaubt, angesichts der sich stets mehrenden Politiker, die – sich selbst in widerwärtiger Weise reinigend – schamlos weiter Schuld auf das Volk abwälzen, daß aus diesem Kreis von Frauen und Männern jemand hervorgehen könnte, der ein außen- und innenpolitisches Gleichgewicht herstellen könnte und einen Schlußstrich unter die von Verlogenheit und Verleumdung geprägte Vergangenheit zu ziehen vermag. Man braucht nur einmal unsere Bundespräsidenten nach Carstens unter die Lupe zu nehmen. Alle bemühten sich in Serie, eine neue fragwürdige Tradition zu gebären, in der die immer wiederkehrende Betonung der Schuld der Deutschen Priorität vor jeder doch eigentlich erforderlichen Obhutspflicht hat.

Hat nicht jüngst unser Bundespräsident bei einer Kranzniederlegung an den Gräbern der erschossenen Geiseln in Kalavryta ganz "folgerichtig" wieder einmal mehr "Verbrechen" der Deutschen, die auf internationales Kriegsrecht gestützt sind, angeprangert, ohne auch nur ein Wort des Gedenkens an die wider geltendes Kriegsrecht ermordeten deutschen Soldaten zu richten.

Ist es ein Zeichen von "reinen Tisch machen", wenn der Papst der jüdischen Opfer gedenkt, während für die aus ihrer Heimat vertriebenen Palästinenser und Syrer keine Bitte um Vergebung von jüdischer Seite zu hören war? Ein "Zu-Kreuz-Kriechen" einer Seite kann die andere – ganz gleich wer das ist – in ihrem Hochmut bestärken. Die Forderungen werden nur noch höher geschraubt werden.

Bei den Vertreibern der Deutschen aus ihrer Heimat werden die Geschichtsklitterungen immer frecher und die Lügen immer dicker. Nicht einmal die verbrecherischen Benesch-Dekrete wollen die Tschechen annullieren. Leider sind deutsche Politiker wohl zu feige oder Geschichtsanalphabeten, um diesen Heuchlern ihre Verbrechen vorzuhalten. Verbrechen der Polen und Tschechen, die nichts, aber auch gar nichts mit Hitler zu tun hatten.

Jeder Deutsche, der deutsch denkt und das auch noch ausspricht, läuft Gefahr, ein Nazi oder Neonazi genannt zu werden, dagegen ist jeder Mitverantwortliche an den Untaten der DDR heute ein Ehrenmann. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Verbrechen sogenannter Neonazis von Neobolschewisten inszeniert wurden und eventuell noch werden. Mit welchen teuflischen Methoden von linksaußen gearbeitet wird, zeigen die hysterischen Reaktionen im Europarat und bei den europäischen Regierungen – Fall Österreich/Haider! Die Deutschen sind bereits erfolgreich umerzogen durch Gehirnwäsche.

Den meisten Bürgern scheint die Politik völlig egal zu sein. Sie wachen etwas auf, wenn etwas gegen ihren persönlichen Strich geht, aber die Politiker wissen, daß das bis zur nächsten Wahl vergessen ist. Ist es Gleichgültigkeit, Dummheit oder Feigheit?

Statt "tabula rasa" für alle lieber ein "mea culpa" für verdummte Deutsche.

Ekkehard Goewe, Bayreuth

 

In Eile!
Betr.: Folge 20/00 – Leserbrief "Verdrehte Hälse"

So fürchterlich finden wir den Scherenschnitt der Klatschtanten von Uhse nicht. Denn Tuta und Malchen treffen sich zufällig in Eile. Jedesmal zum Ostpreußentreffen informieren sie über den Ablauf dieser Veranstaltungen. In ihrem Gespräch lassen sie Wörter und Redewendungen wieder aufleben, die bald in Vergessenheit geraten werden. Ihre humorvolle Art regt zum Schmunzeln an und wird von den meisten Lesern gern gelesen.

Elli und Kurt Springwald, Niederfrohna

 

Ungewöhnlich schön
Betr.: Das Ostpreußenblatt

Ich danke Ihnen für die Übersendung des Probeabos. Ich konnte mich dabei überzeugen, daß Sie eine ganz hervorragende Zeitung herausgeben, die mir sehr gut gefällt. In der Tat eine besondere Zeitung für Deutschland: heimatverbunden, dem Zeitgeist standhaltend, informativ, konservativ und doch aufgeschlossen. Können Sie mir das erklären: Ich bin Jahrgang 65, ein waschechter Schwabe und habe keinerlei verwandtschaftliche Bindungen nach Ostpreußen. Und dennoch bin ich seit Jugendjahren von diesem traumhaften Land fasziniert und konnte mich 1991 bei einer Studienreise von der ungewöhnlichen Schönheit dieser deutschen Provinz überzeugen. Woher mag diese Liebe zu Ostpreußen bei mir kommen? Für Ihre Arbeit wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg, viel Mut und Standfestigkeit.

Richard Baumann, Ellwangen

 

Sinneswandel?
Betr.: Folge 13/00 – "Zum Geleit"

Mit großem Interesse lese ich als gebürtiger Niedersachse seit zehn Jahren das Ostpreußenblatt. Das Blatt gibt mir für meine politischen Gespräche und Diskussionen wertvolle Tips.

Was ich jedoch jetzt in der o. a. Ausgabe "Zum Geleit" von W. v. Gottberg lesen mußte, hat mich doch stark irritiert. Es geht hierbei um folgenden Satz: "Sein Nachfolger ab 1933 in verblendetem Größenwahn ..."

Bis jetzt hatte ich alle Artikel im Ostpreußenblatt so verstanden, daß das Deutsche Reich einen Präventivschlag gegen die kommunistische UdSSR geführt hat, um das westliche Europa den Kommunisten nicht preiszugeben. Jetzt lese ich, daß mein Vater – und mit ihm Millionen andere – von Hitler aufgehetzt wurden, um die Grenzen in den osteuropäischen Raum zu verschieben.

Woher der Sinneswandel des Verfassers? Oder gibt es neue Informationen, von denen der Normalbürger nichts weiß?

Heinrich Banse, Haselhorst