© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Juli 2000


Mime mit echtem Ensemblegeist
Erinnerungen an den Schauspieler Erich Dunskus aus Pillkallen

Mit dem Namen Erich Duns kus verbindet sich ein schönes Stück Theatergeschichte Berlins. In weit über hundert Filmen hat er gespielt. Im Jahre 1936 in vierzehn, 1937 in einundzwanzig, 1938 in neunzehn – da kommt schon eine beachtliche Zahl zusammen. Zum Film holte man ihn schon sehr früh. 1919 stand er mitten in der Komparserie von "Madame Dubarry", und so mancher stumme und der mit allen Kinderkrankheiten behaftete Tonfilm gab Dunskus die Chance, sich im Filmland einzuleben und von der Pike auf zu dienen.

Erich Dunskus wurde am 27. Juli 1890 in Pillkallen geboren. In Tilsit hat er das Realgymnasium besucht. Sein Vater, ein tüchtiger Hotelbesitzer, hätte gern etwas "Rechtes" aus dem Jungen gemacht, einen Kaufmann etwa. Aber dem Herrn Sohn behagte die Schule nicht, und der Vater schickte ihn schließlich nach Amerika, damit er dort lerne, auf zwei Beinen zu stehen. Da kam der Erste Weltkrieg, und der junge Dunskus wurde von einem holländischen Dampfer heruntergeholt und in ein französisches Gefangenenlager gesteckt, doch er fand den Weg nach Deutschland zurück. Alsbald sah er sich in Rußland und machte die polnischen Feldzüge mit. Im Juni 1918 wurde er verwundert.

Den Soldatenrock hatte Dunskus noch nicht ausgezogen, als er bereits seinen alten Neigungen folgen und Theater spielen durfte. In Wünsdorf bei Zossen ist er zuerst aufgetreten. Dann ging’s mit einer Wanderbühne zum Grenzschutz im Osten. Die nächste Etappe seines Schauspielerlebens begann in Eisenach. Wie es sich für einen jungen Darsteller geziemt, spielte er dort den alten Moor in Schillers "Räubern". Über Stettin kam er nach Bonn, wo er alles spielte, "was gut und teuer war". Nach einem kurzen Berliner Aufenthalt führte ihn der Weg nach Zürich und durch die ganze deutschsprachige Schweiz. Mitten in der Saison wurde er nach Breslau verpflichtet, und von dort gelang der Sprung an das Berliner Staatstheater. Erich Dunskus, der Schauspieler mit dem echten Ensemblegeist, kannte keinen anderen Ehrgeiz, als möglichst jeden Tag auf der Bühne zu stehen, ganz gleich, ob in größeren oder in kleineren Rollen.

So stand er dreitausendfünfhundertmal (!) auf den Bühnen des Berliner Staatstheaters. Er war einer von denen, auf die es ankommt, auf der Bühne und im Film, und die im einzelnen ganze Episoden tragen und in ihrer Gesamtheit mindesten so wichtig sind wie der Hauptdarsteller in seinen größten Momenten. Der Begriff "Ensemble" ist durch Schauspieler wie Dunskus überhaupt erst möglich.

Nach elf vollen Jahren drehte er wieder in Ostpreußen. In "Steputat & Co" hatte er die Hauptrolle zu spielen, den Herrn Steputat persönlich, einen echten Ostpreußen. Und so echt sah er auch aus, daß seine Landsleute, die bei den Außenaufnahmen zusehen konnten, es einfach nicht glauben wollten, einen Filmdarsteller vor sich zu haben.

In den 30er Jahren spielte er in so bekannten Filmen wie "Pygmalion", "Allotria", "Der zerbrochene Krug", "Tanz auf dem Vulkan", "Bel ami" und "Johannisfeuer". Auch nach 1945 hatte er als Chargenspieler sofort wieder Anschluß und war u. a. in "Das kleine Hofkonzert", "Unser täglich Brot", "Mädchen hinter Gittern", "Wenn abends die Heide träumt", "Regina Amstetten", "Die Ratten" und "Nacht fiel über Gotenhafen" zu sehen. Die Zahl der von ihm synchronisierten Filme beträgt schätzungsweise 500 bis 700.

Der ostpreußische Schauspieler Erich Dunskus aus Pillkallen starb am 26. November 1967 in Hagen-Helfe. kai-press