© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. September 2000


Die Saat geht auf
Altmärker Polizei beschlagnahmte Ostpreußenfahne

"Sachen gibt‘s, die gibt‘s gar nicht", meldete die Salzwedeler "Altmarkzeitung". "Unbekannte" hätten eine Ostpreußenfahne vom Betriebsgelände der Firma Banse in Diesdorf-Haselhorst gestohlen.

Was für "Sachen" es gibt, konnte zu diesem Zeitpunkt nicht einmal der Lokalredakteur ahnen. Kurz darauf sollte sich herausstellen, die "Unbekannten" waren Kripobeamte aus Salzwedel.

Die Banses ziehen seit sechs Jahren abwechselnd die deutsche und die Ostpreußenfahne auf. An seinem Geburtstag, dem 19. April, wollte Heinrich Banse nun das ostpreußische Banner hissen. Auf Zweidrittelhöhe verklemmte sich indes das Zugseil und die Fahne blieb den Sommer über so ein Stück unterhalb der Mastspitze hängen.

Bis zum Morgen des 18. August. Da stellte Heinrich Banse fest: die Fahne ist verschwunden. Seine Frau Lilli rief bei der Polizei an, meldete den Fall. Eine Stunde später meldete sich ein Kripobeamter und teilte Lilli Banse mit, die Polizei habe die "Reichskriegsflagge" entfernt.

Folgendes hatte sich zugetragen: Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes Diesdorf hatte die Polizei alarmiert, vor dem Haus Banse hänge eine "Reichskriegsflagge auf Halbmast" – der 17. August ist der Todestag von Rudolf Heß. Daraufhin rückte die Staatsmacht abends an. Da es sich um ein Betriebsgelände handelt, trafä

Lilli Banse erläuterte dem Polizisten am Telefon, daß es sich nicht um eine Reichskriegsflagge, sondern um die Ostpreußenfahne handele, die Fahne ihrer Heimat. Antwort des Beamten: Sie könne das ja als Ostpreußenfahne ansehen, aber wenn er ihr sage, das sei eine Reichskriegsflagge, dann sei es eine. Versuche, dem unkundigen Beamten das unterschiedliche Aussehen der beiden Fahnen zu beschreiben, bleiben erfolglos.

Am 21. August erstattete Heinrich Banse persönlich Anzeige bei der Polizei in Diesdorf. Auch die Staatsanwaltschaft haben die Banses eingeschaltet. Die Fahne abzuholen lehnen sie ab. Wer sie widerrechtlich entfernt habe, der solle sie auch wieder anbringen.

Eine Provinzposse, sicher. Aber eine, die auch erschrecken läßt. Das Land ist erfaßt von einer machtvollen "Anti-Rechts"-Kampagne, und schon eilen findige Ortsbedienstete los, um "Verdächtiges" aufzuspüren und zu "melden". Von Bildung unbeleckte Beamte machen sich unbesehen zum Handlanger des Denunzianten. In der beklemmenden Dynamik eines Überwachungsstaates wird die Sache dann abgewickelt. Ist es das, was Politiker und Medien sich vorstellen, wenn sie unablässig "Zivilcourage" anmahnen? H. H.

(Siehe auch Leserbrief Seite 18)