© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 18. November 2000


Über 100 Jahre "Steputat"
Wiederentdeckter ostpreußischer Schriftsteller schuf Standardwerk

Schon Kurt Tucholsky würdigte einmal ein vielfach benutztes, erstaunliches Werk, welches auf dem Rittergut Bokellen im Kreis Gerdauen entstanden ist. Er schrieb: "Wir wissen alle, daß es so etwas gibt. Wir wissen auch alle, daß es bei Reclam erschienen ist ... Ein ganzes Buch mit Reimen! Und richtig geordnet, so wie sich das gehört: die auf -afer stehen zusammen und die auf -obeln und die auf -under. Nun, Dichter, auf den Plan!"

Seit bei Reclam das Reimlexikon von Willy Steputat 1891 erstmals herauskam, hat es zahlreiche Auflagen erlebt, ist der "Steputat" zu einem Standardwerk geworden. Jetzt liegt er in einer völlig neuen Bearbeitung mit einer Erweiterung des deutschen Wortschatzes und Abkürzungen wieder vor (398 Seiten, Leinen, 26,80 DM).

Willy Steputat wurde 1868 in Bokellen geboren, er verstarb 1941 auf seinem ostpreußischen Gut. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Insterburg studierte er in Königsberg, Genf und Greifswald Jurisprudenz und Cameralia (Betriebswirtschaftslehre). Er pro- movierte in Greifswald zum Dr. jur. Steputat, war Regierungsrat in Gumbinnen und nahm am Ersten Weltkrieg als Rittmeister d. R. teil. Seine schriftstellerische Tätigkeit hatte er fortgesetzt. Es entstanden Gedichte, Aphorismen, Erzählungen. Der größte Teil seiner Arbeiten aber ging 1914 bei Kriegsbeginn oder später durch Brand verloren.

Erhalten geblieben sind nur die poetische Erzählung "Die Trappisten", 1904, Verlag Kurt Wigand, Leipzig, und der Gedichtband "Eine Kostprobe", 1927, Literatur-Verlag Gerdauen, sowie seine zahlreichen Beiträge im Gerdauener Kreiskalender. Noch unveröffentlichte Manuskripte gelangten 1945 durch seine Frau in den Westen. 1915 übrigens erschien sein "Litauischer Sprachführer".

Am 6. August 1921 wurde Willy Steputat zum Landespräsidenten des Memelländischen Landesdirektoriums ernannt. Nach einem Handstreich der Litauer im Januar 1923 mußte er der Insurgentenregierung im Memelgebiet weichen. Seither lebte er auf seinem Gut.

Eine ganz persönliche Würdigung erfährt der wiederentdeckte ostpreußische Schriftsteller jetzt durch seine Tochter Birute Ludwig. Ihr im Eigenverlag erschienener Roman "Bokellen, ein Rittergut in Ostpreußen" beschreibt Leben und Werk ihres Vaters vor dem Hintergrund lebendiger familiärer und politischer Ereignisse (426 Seiten, 39,90 DM). Angeregt durch diesen ostpreußischen Familienroman hat der Enkel Volker Ludwig nun auch unveröffentlichte Gedichte Willy Steputats überarbeitet und in einem Band "Ein Menschenleben" zusammengefaßt. Auch gab er Gedanken und Sprüche unter dem Titel "Allerleirauh" (102 Seiten, 26,90 DM) und ausgewählte Gedichte "Eine Kostprobe" (96 Seiten, 25,90 DM) heraus. Alle Bücher zu beziehen über Volker Ludwig, Am Alten Bach 14 a, 41470 Neuss, zuzügl. 3,50 DM Versandkosten.

Anita Motzkus