© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 21. Juli 2001


Botschaft der Schöpfung
Erinnerung an den Maler Heinrich Bromm

Als der Maler Heinrich Bromm am 19. Juli 1941 bei Obidowitschi am Dnjepr fiel, wurde ihm zu Ehren eine große Gedächtnisausstellung im Krönungsgang des Königsberger Schlosses veranstaltet. "Welch ein umfangreiches, herrliches Werk hattest Du in Deinem kurzen Leben schon gefördert, und was hättest Du der Welt und besonders uns geschenkt, wärst Du heimgekehrt!", rief Eduard Bischoff, Freund und Lehrer, im Nachruf auf den Frühvollendeten aus. Und Eberhard Sarter schrieb in der "Königsberger Allgemeinen Zeitung" von "einem Menschen, der für die leisen Stimmen in der Welt das Ohr hatte, der etwas vom Wesentlichen wußte". Heute ist der Name Heinrich Bromm nur noch wenigen eingeweihten Kunstkennern ein Begriff.

Geboren wurde Heinrich Bromm am 7. Oktober 1910 in Mühlhausen, Kreis Pr. Holland. Er besuchte das Stadtgymnasium in Königsberg und studierte bis 1934 an der dortigen Kunstakademie bei den Professoren Burmann, Bischoff, Marten und Pfeiffer, gleichzeitig hatte er naturwissenschaftliche Fächer an der Albertina belegt. Nach seinen Examen 1933 und 1934 arbeitete er in Berlin mit Prof. Willy Jaeckel zusammen. Nach Königsberg kehrte Bromm 1936 zurück, wurde dort Meisterschüler von Prof. Eduard Bischoff. Immer wieder waren seine Bilder auf Ausstellungen zu sehen; auch öffentliche Aufträge, wie die Ausmalung des Ratskellers in Insterburg oder die Gestaltung der Glasfenster im Regierungsgebäude in Allenstein, machten ihn bekannt. Viele seiner Arbeiten sind durch Kriegseinwirkungen zerstört worden, allein Mappen mit Aquarellen und Werkfotos konnten von seiner Mutter und seiner Schwester auf der Flucht gerettet werden. Sie waren in einer gelungenen Auswahl vor einigen Jahren im Ostpreußischen Landesmuseum zu sehen.

Neben Aquarellen wurden in Lüneburg einst auch Lithographien, Radierungen und Zeichnungen gezeigt. Landschaften ebenso wie Figurendarstellungen ziehen den Betrachter gleichermaßen in ihren Bann. Ausgefeilt die Tafelbilder, die oftmals Menschen vor einer fiktiven Landschaft zeigen; manches Mal halten sie Musikinstrumente in den Händen, wenden sich vom Betrachter ab, scheinen in sich versunken. Heinrich Bromm liebte die Musik, spielte selbst Orgel, Bratsche und Geige; beim Malen im Atelier begleitete ihn oft Musik vom Plattenteller.

In "ernsten, ruhigen Farben", so Ingeborg Kelch-Nolde, die früher im Feuilleton der "Königsberger Allgemeinen" arbeitete und den Künstler gut kannte, hat Heinrich Bromm die Landschaft seiner Heimat, aber auch die Norwegens, das er 1933 auf einer Studienreise mit dem Fahrrad durchfuhr, und die Polens und Rußlands festgehalten, farbenfroher hingegen seine Bilder aus Südfrankreich. "Wird in den zwanziger Jahren noch andeutungsweise ‚erzählt‘, so scheinen die letzten Landschaften aus den Weiten des Ostens Gedanken und Empfindungen ‚hinzuschreiben‘ ... Landschaft war die Formwelt, mit der sich ihm die Wirklichkeit unmittelbar erschloß. Sie war ihm Botschaft der Schöpfung, religiöses Erleben" (Kelch-Nolde). Mit nur wenigen, wie hingeworfen wirkenden Strichen zeichnete er das Wesentliche, die "Seele der Landschaft" SiS