© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. September 2001


Eindrucksvolle Porträts geschaffen
Vor 125 Jahren wurde die Malerin Elisabeth Wolff-Zimmermann geboren

Es geschieht nicht allzu oft, daß zwei Menschen, die einen künstlerischen Beruf ausüben, zueinanderfinden und ein Leben lang eine harmonische Ehe führen. Der Graphiker und Lehrer an der Königsberger Kunstakademie, Professor Heinrich Wolff (1875-1940), und seine Frau Elisabeth Wolff-Zimmermann waren ein solches Beispiel. Am 14. September 1876 in Posen geboren, wurde Elisabeth an den Kunstakademien in Breslau und München ausgebildet. An der Isar war neben Walter Thor der Schlesier Heinrich Wolff ihr Lehrer. 1902 folgte sie ihm, der einer Berufung an die Kunstakademie nach Königsberg gefolgt war, und heiratete ihn. Obwohl ein lebendiger Haushalt versorgt werden mußte, war Elisabeth Wolff-Zimmermann immer doch in erster Linie Künstlerin. Ihr Sohn Christoph erinnerte sich, daß aus der Tasche ihres weißen Kittels, der sowohl Atelier- als auch Küchendreß zu sein schien, häufig Pinsel und Kochlöffel in traulicher Nachbarschaft herausragten.

Elisabeth Wolff-Zimmermann schuf neben zahllosen Porträts auch Landschaften und Blumenstücke, dabei wandte sie sowohl Öl- als auch Pastellmalerei an, ebenso Aquarell- oder auch Mischtechnik. Sohn Christoph fiel auf, „wie völlig verschiedenartig die Entstehung eines Porträts vor sich ging, wenn meine Eltern gemeinsam vor demselben Modell arbeiteten. Während bei meinem Vater sich aus zunächst allgemeinen Umrissen meist erst allmählich die charakteristischen Züge des betreffenden Menschen, die besonderen Eigenheiten gerade dieses Kopfes heraushoben, entstand bei meiner Mutter in wenigen markanten, ja fast männlichen Pinsel- oder Kohlestrichen ein Konterfei des Modells, das in seiner Prägnanz und Übertreibung fast an eine Karikatur erinnerte. Erst allmählich wurde es dann durch liebevolles Eingehen auf die Einzelheiten und durch Übersetzung der natürlichen Formen in graphische Konturen zu einer dann allerdings meist frappanten Ähnlichkeit und Charakteristik ‚gemildert‘.“

In Artikeln und Vorträgen hat sich Elisabeth Wolff-Zimmermann auch immer wieder mit der Rolle der Frau in der Kunst beschäftigt. Nicht umsonst, so vermutete Sohn Christoph, seien damals auch so viele Porträts von bedeutenden Frauen wie etwa Agnes Miegel, Käthe Kollwitz, Ina Seidel oder Ricarda Huch entstanden.

1937 verließen die Wolffs Königsberg und gingen nach München, wo Heinrich 1940 starb. Elisabeth zog 1950 mit ihrer Tochter Susanne nach Wiesbaden. Dort verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre; sie starb am 20. Dezember 1952. SiS