© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 29. September 2001


Lebendige Landschaften
Vor 95 Jahren wurde Ruth Faltin geboren

Noch heute erinnere ich mich an unsere Begegnung, als sei es gestern gewesen - zu interessant, zu anschaulich wußte Ruth Faltin von ihren Studienjahren an der Kunst- und Gewerkschule und der Kunstakademie in Königsberg zu erzählen. Unerschütterliche Heimatliebe und unverwechselbarer Humor würzten ihre Erzählungen. Ostpreußen und seine Menschen wurden wieder lebendig, aber auch die Landschaften, die sie auf ihren unzähligen Reisen besuchte; bis ins hohe Alter war die agile Ostpreußin unterwegs und gelangte sogar bis hoch hinauf zum Nordkap. In diesen Tagen nun wäre Ruth Faltin 95 Jahre alt geworden - Grund genug, ihr Leben noch einmal Revue passieren zu lassen.

Geboren am 29. September 1906 in Königsberg, besuchte sie das Lyzeum, um anschließend auf der Kunst- und Gewerkschule bei den Professoren Otto Ewel und Ernst Grün zu studieren. Schließlich wechselte sie auf die Königsberger Kunstakademie über, da sie sich entschlossen hatte, ihr Leben ganz der künstlerischen Arbeit zu widmen. Bis 1931 studierte Ruth Faltin dort bei Professor Franz Xaver Wimmer.

Als die Königsberger Kunstakademie vorübergehend geschlossen wurde, ging die angehende Künstlerin nach Berlin, wo sie bei den Professoren Klewer und Sandkuhl an der Akademie für freie und angewandte Kunst ihre Ausbildung fortsetzte. Als dann die Kunstakademie unter einem neuen Namen - „Staatliche Meisterateliers für freie und angewandte Kunst“ - ihre Tore wieder öffnete, zog es auch Ruth Faltin wieder an den Pregel. Ihr Lehrer und Förderer wurde nun Alfred Partikel.

Studienfahrten führten die junge Künstlerin durch ganz Ostpreußen. Bei dieser Gelegenheit entdeckte sie ihre Liebe zur Landschaftsmalerei. 1939 beendete sie schließlich als Meisterschülerin mit einer eigenen großen Ausstellung in den Räumen der Staatlichen Meisterateliers ihre Ausbildung und wirkte fortan als freischaffende Malerin.

Doch der Krieg überschattete auch das Leben der Ostpreußin: ihre Brüder waren zum Wehrdienst eingezogen, und so mußte sie im väterlichen Geschäft mit aushelfen. Bei den Bombenangriffen auf Königsberg verlor auch Ruth Faltin einen großen Teil ihres künstlerischen Werks. Nur wenige Skizzen und Aquarelle konnte sie im Januar 1945 mit auf die Flucht nehmen. Über Dresden, wo sie die verheerenden Luftangriffe überlebte, gelangte sie nach Oranienburg. Dort arbeitete sie eine Zeit lang als Zeichenlehrerin an einer Hauptschule. 1950 dann flüchtete sie mit ihrer Mutter nach Hannover. Nach deren Tod zog Ruth Faltin zunächst nach Hamburg, um dann endgültig in Wolfsburg Fuß zu fassen. Dort starb sie am 12. Juni 1995. os