© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Dezember 2001


Fünf junge Schloßberger erkunden Sachsen
Die Kreisgruppe Limbach-Oberfrohna hatte Jugendliche aus Ostpreußen zu sich nach Deutschland eingeladen

Im November hatte die Kreisgruppe Limbach-Oberfrohna Besuch aus der Heimat. Fünf russische Kinder aus dem nördlichen Ostpreußen waren die Gäste. Ausgelöst hatte diesen Besuch der Vorsitzende der Kreisgruppe, Kurt Weihe, der in Karpfenwinkel/Kreis Schloßberg zu Hause war. Bei seinen zahlreichen Fahrten in die Heimat, die er selbst organisiert hatte und die großen Zuspruch fanden, kam ihm die Idee, russische Kinder in die Bundesrepublik einzuladen.

Der Grundgedanke war, den Kindern die Gelegenheit zu geben, Deutschland kennenzulernen und Brücken der Freundschaft zwischen russischen und deutschen Kindern zu bauen. Nur der jungen Generation wird es gelingen, den Prozeß der Versöhnung zu vollenden und die Wunden, die Krieg und Vertreibung geschlagen haben, zu heilen. Freundschaft und gegenseitiges Verstehen sind der Garant, daß den folgenden Generationen Krieg erspart bleibt.

Die Kinder im Alter von elf und 13 Jahren, zwei Mädchen und drei Jungen aus Karpfenwinkel und Tapiau, wurden von einer Schuldirektorin und einer Deutschlehrerin begleitet. Das Gebiet um Königsberg, das zu Zeiten des kalten Krieges vollkommen abgeschottet war, gehörte einst zu der Kornkammer Deutschlands. Heute liegt die Landwirtschaft dort völlig am Boden. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist unzureichend. Es herrscht eine große Armut. Die bauliche Substanz ist verbraucht. Historische Gebäude und Kirchen verfallen und werden zweckentfremdet. Die Kinder sollten erkennen, daß fleißige Arbeit sich auszahlt und es möglich ist, eine bessere Zukunft im vereinten Europa aufzubauen. Es sollte auch eine gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte Ostpreußens erfolgen, denn die Informationen sind immer einseitig und gerade unter den jungen Menschen ist die Unwissenheit erschreckend.

Die Vorbereitungen für den Besuch nahmen etwa ein Jahr in Anspruch und wurden von Kurt Weihe getätigt. Es mußte organisatorisch und juristisch vieles mit deutschen Behörden abgesprochen werden, so etwa die Aufenthaltsgenehmigung, Einreisevisum, Unterbringung, Finanzie- rung und Betreuung sowie das Programm für den Aufenthalt. Da die finanziellen Mittel nicht ausreichten, wurden Spenden von Mitgliedern und Privatpersonen dankend entgegengenommen.

Den Kindern wurde bei ihrem Aufenthalt täglich ein interessantes Programm geboten. Bei Ausflügen lernten sie einen Teil der Gegend rund um Chemnitz kennen. Die Augustusburg, das Bergbaumuseum in Ölsnitz, aber auch das Einkaufszentrum „Chemnitz Center“ wurden besucht. Ein schönes Erlebnis hatten die Kinder in Großwaltersdorf. Bei einer Rast in der Gaststätte „Trakehnerhof“, wo auch ein Zuchtbetrieb von Trakehnern angeschlossen ist, lud der Besitzer die Kinder zu einer Besichtigung des Gestüts ein. Er hatte erfahren, daß die Kinder aus dem Land kommen, wo einst die Trakehner zu Hause waren. Auch Limbach-Oberfrohna wurde erkundet. Der Höhepunkt dabei war der Besuch des Hallenbades Limbomar, wo die Gelegenheit zum Baden genutzt wurde. Ein gemeinsames Mittagessen mit den Vertretern der Stadt Limbach-Oberfrohna schloß sich an. Der Tag endete mit dem Besuch des Tierparks.

Das wichtigste Anliegen des Besuches war, freundschaftliche Beziehungen zu deutschen Kindern und Jugendlichen in die Wege zu leiten und Beziehungen zu einer deutschen Mittelschule herzustellen. Die Gerhart-Hauptmann-Schule in Limbach-Oberfrohna hatte Interesse gezeigt und für den Besuch alles bestens vorbereitet. Die Kinder besuchten mehrere Klassen während des Unterrichts und konnten Fragen stellen. Erfreulich war das große Interesse der deutschen Kinder. Es war erstaunlich, wie schnell die Kinder Kontakt zueinander fanden.

Man kann jetzt nur hoffen, daß die hergestellten Kontakte ausreichen, Beziehungen zwischen deutschen und russischen Kindern und Schulen aufzunehmen. Der Kreisgruppe Limbach-Oberfrohna geht es darum, daß zwischen dem Großraum Limbach-Oberfrohna und dem Königsberger Gebiet Beziehungen entstehen, die im beiderseitigen Interesse sind.

Zum Abschluß besuchten die russischen Kinder die Geschäftsstelle des BdV in Limbach-Oberfrohna im Industriemuseum. Dort hatten sich alle Vorstände der Landsmannschaften versammelt. An einer langen Kaffeetafel wurden freundschaftliche Gespräche mit den Kindern und ihren Betreuerinnen geführt, Geschenke wurden ausgetauscht und die Kinder mit den besten Wünschen für die Zukunft verabschiedet. Kurt Springwald

Junger Besuch aus Ostpreußen: Die fünf Kinder aus dem Kreis Schloßberg besichtigten Limbach-Oberfrohna und Umgebung.Sie besuchten eine deutsche Schule, wo sie schnell Kontakt zu deutschen Schülern fanden. Foto: privat