© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 12. Januar 2002


Fernstraßen ab Königsberg (II)
Eine historische Bestandsaufnahme von Gerhard Mannke

So ungemein fortschrittlich die Autobahn von Königsberg nach Elbing an sich auch war, wußte man doch um die Anforderungen und Möglichkeiten und baute nur zwei Spuren aus. Lediglich die Querbrücken und die Anschlußstellen waren für vier hergestellt. Allerdings wurde durch die in den Süden der Stadt einmündende Straße nicht die Fahrt durch die teilweise recht engen Straßen der Stadt, die für den Fernverkehr sicher kein besonderes Vergnügen war, vermieden. Zwar gab es in der Stadt insgesamt vier straßenmäßig völlig getrennte Pregelübergänge, doch bereitete der Durchgangsverkehr in dieser Hinsicht bereits - wenn auch im Vergleich mit heute geringe - Verkehrsprobleme für den Ortsverkehr, die man schließlich durch die rund sechs Kilometer von der Stadt recht weit ostwärts liegende Palmburger Autobahnbrücke behob.

Dieser einzige Pregelübergang bis Tapiau entstand ab etwa 1936 zwischen Lauth und Adlig Neuendorf, wodurch der Schiffsverkehr während jeweils eines Jahres auf einem der beiden Pregelarme verhindert wurde. Nur wir Ruderer kamen mit Riemenbooten mittels eines Tricks drunter durch, um ins geliebte Arnau zu gelangen. Bald nachdem der südliche Straßendamm in das nicht tragfähige Schwemmland eingesprengt war, konnte die 633 Meter lange Brücke, mit vier Autobahnspuren und Gehwegen bei einer Durchfahrtshöhe für Schiffe von etwa zwölf Metern im Herbst 1938 oder Frühjahr 1939 in Betrieb genommen werden. Zwar fehlte noch das Verbindungsstück zwischen dem Anfang der Autobahn nördlich von Ludwigswalde und der Brücke in Neuendorf. Trotzdem kam dem großartigen Werk, das heute im Zeichen der Umgehungsstraßen nicht besonders zu erwähnen wäre, im wahrsten Sinne wegweisende Bedeutung zu, die man nur recht würdigen kann, wenn man bedenkt, daß etwa Hamburg erst um 1960 eine entsprechende Brücke über die Elbe erhielt. Die Innenstadt wurde so vom Fernverkehr von Süd nach Ost beziehungsweise umgekehrt befreit. Dieser konnte südlich des Pregels auf geräumig ausgebauten Stadtstraßen von der Berliner Straße (Reichsstraße 1) vorbei an Hauptbahnhof und Friedländer Tor - sich dort mit dem durch die Aweider Allee zufließenden Verkehr von der Autobahn verbinden - durch die Schönfließer Allee nach Neuendorf fließen.

In südliche Richtung führte über die Aweider Allee aus der Stadt hinaus die Reichsstraße 126 über Aweiden, Altenberg, Mansfeld nach Mehlsack, Wormditt und Mohrungen sowie die Reichsstraße 128 von der Schönfließer Allee über Schönfließ, Ludwigswalde, Wickboldt und Wittenberg weiter nach Preußisch Eylau, Landsberg, Heilsberg, Bischofsburg, Ortelsburg und Willenberg bis zur Grenze in Richtung Warschau. Die Bauarbeiten dauerten von 1822 bis 1853.

Ebenfalls über die Schönfließer Allee, dann aber durch die Neuendorfer Straße erreichte man die Reichsstraße 131, die 1843 bis zu dem im Jahre 1914 von den Russesn weitgehend zerstörten Uderwangen fertiggestellt wurde und ab 1844 über Friedland bis Gerdauen gereicht hat. Weiter führte sie nach Angerburg, Lötzen, Arys.

Die Reichsstraße 131 lernte ich 1995 als gute, kaum befahrene Kies-Chaussee kennen, auf der ab und an Kühe spazierengingen, denen eine Autohupe bestens bekannt war.

„Autobahnauffahrt“: Blick von der Überführung des Weges Lichtenhagen-Mahnsfeld in Richtung Elbing