© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 23. März 2002


SPD-Spendenskandal:Der "Schattenmann"
Karl Wienand - Strippenzieher, Geldbote, IM und Berater

Fast hatte man schon vergessen, daß es ihn je gegeben hatte, jahrelang war er "in der Versenkung verschwunden". Und nun taucht sein Name wieder auf, in keineswegs überraschendem Zusammenhang: Karl Wienand, einstiger Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, zugleich einstiger Mitarbeiter des DDR- Ministeriums für Staatssicherheit (IM Streit) - und nun "Berater" jenes Müll-Multis, der im dringenden Verdacht steht, mit großzügigen "Parteispenden" (so das neudeutsche Tarnwort für Bestechungsgelder) dafür gesorgt zu haben, daß in seinem Sinne "alles wie geschmiert läuft". Wer hier von "schmutzigen Geschäften" spricht, meint nicht unbedingt die Tatsache, daß es um Müllentsorgungsanlagen geht.

"Berater" Karl Wienand, heute 76 Jahre alt, hatte bislang zwar mit der Abfallbranche nichts zu schaffen, wohl aber immer wieder mit Vorgängen, die dem Normalbürger als mehr oder weniger anrüchig erscheinen. Erstmals ins Gerede kam er 1971, als "Berater" des maroden Flugunternehmens "Paninternational": Eine Maschine war statt auf Hamburgs Flughafen Fuhlsbüttel auf der Autobahn niedergegangen, acht Passagiere starben. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Wienand wurde beschuldigt, beim Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig durchgedrückt zu haben, daß die Paninter-Maschinen trotz erwiesener Fluguntauglichkeit nicht aus dem Verkehr gezogen wurden. Es war von Korruption die Rede; die sozialliberale Bundesregierung aber ließ den Genossen nicht im Regen stehen.

Warum wohl, das erfuhr man zwei Jahre später. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Julius Steiner gestand, er habe sich beim mißlungenen Mißtrauensvotum gegen Willy Brandt seine Stimme für 50.000 Mark abkaufen lassen - Geldbote: Karl Wienand. In zwei Untersuchungsausschüssen erhärtete sich der Verdacht, das Schmiergeld sei über das Büro des SPD-Fraktionschefs Wehner gelaufen, habe aber ursprünglich aus einer Stasi-Kasse gestammt. Die SPD/FDP-Mehrheit aber setzte einen "Freispruch" durch. Vor Gericht hatte Wienand weniger Glück: 1975 wurde er wegen Steuerhinterziehung zu 102.000 Mark Geldstrafe verurteilt.

Erst Jahre später - die DDR war auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet - erhärteten Stasi-Akten den Verdacht, den Wienand-Kritiker wie der CDU-Abgeordnete Gerhard Reddemann schon 1973 hatten: Das Steiner-Schmiergeld stammte aus Mielkes (Kalter-)Kriegs-Kasse. Wienand war als Stasi-IM entlarvt, mußte Agentenlohn (10.000 Mark im Monat!) in Millionenhöhe an die Staatskasse zurückzahlen und wurde vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu 30 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil 1997.

Wieder wurde es still um den "Schattenmann". Was aber wohl nicht bedeutet, daß Wienand nun aufgehört hätte, im Hintergrund die Fäden zu ziehen und beratend an Geschäften mitzuwirken, die üblicherweise nicht bei vollem Tageslicht abgewickelt werden. H. J. M.