© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 23. März 2002


Michels Stammtisch: Wie geschmiert

Mit Sarkasmus ging der Stammtisch im Deutschen Haus das Thema der SPD-Spendenskandale an. "In unserem Staat läuft doch alles wie geschmiert", hieß es. Nur bissig-spöttisch könne man die Politiker-Verdrossenheit ertragen, die sich überall breitmache.

Die durch Fünfprozentklausel und staatliche Parteienfinanzierung geschützte und gestützte Parteienlandschaft sei zu einem vielfältigen Biotop mit jeweils spezifischen Pflegesystemen entwickelt worden, stellte der Stammtisch fest. Die Landschaftspflege werde von Funktionären gehandhabt, die sich nicht so sehr am Gemeinwohl, sondern an den parteiegoistischen und persönlichen Interessen orientierten.

Solche Entwicklungen zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken, sei Aufgabe demokratischer Staatsmänner (und -frauen). Der Stammtisch meinte, diese dürften nicht entrückt über dem sie tragenden Interessengeflecht thronen, ohne es zu bemerken. Das größte Bundesland Nordrhein-Westfalen war schließlich zwei Jahrzehnte lang Rau-Land.

Der Stammtisch staunte auch nicht schlecht, daß die CDU ihren Bimbes-Kanzler Kohl hochleben läßt wie eh und je. Unter Beifall erklärt Kohl treuherzig, das "C" müsse bleiben, die Menschen benötigten schließlich ethische Maßstäbe. Ob dazu auch das strikte Einhalten selbstgeschaffener Gesetze gehöre, beantwortete er ebenso wenig wie die Frage, warum er gegen ein selbstgeschaffenes Gesetz (in Sachen Stasi-Akten), von dem bisher kein Mißbrauch bekannt geworden war, erst klagte, als er davon höchst persönlich betroffen war.

Die kleineren Parteien sollten sich allerdings jetzt nicht aufs hohe Roß setzen. Die FDP kann von Graf Lambsdorff und seinen Erfahrungen bei der Parteispendenaffäre der 70er und 80er Jahre berichten, die Genossen der PDS vom Wandlitzer Luxus, als sie sich noch SED nannte. Und bei den Grünen läßt die Rhein-Main-"Cousinenwirtschaft" beim Umgang mit der "Staatsknete" grüßen ...