© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 23. März 2002


Ein "Unruhiges Gewissen"
Herbert Hupkas Buch ist jetzt auch auf polnisch veröffentlicht worden

Fata habent libelli" und "et altera pars audiatur" (auf deutsch: "Bücher haben ihre Schicksale" und "auch die andere Seite sollte gehört werden"), diese beiden lateinischen Sätze wurden in Warschau zitiert, als die polnische Übersetzung des Erinnerungsbandes von Dr. Herbert Hupka "Unruhiges Gewissen", 1994/95 im Verlag Langen Müller in München erschienen, am 25. Januar 2002, vorgestellt wurde.

Die Anregung, Hupkas Buch auch ins Polnische zu übersetzen, war aus Warschau gekommen. Aber dann hat es dreieinhalb Jahre gedauert, bis die Übersetzung durch Professor Dr. Eugenius Cezary Król jetzt als Buch erscheinen konnte. Der Warschauer Verlag RYTM ist aus dem Widerstand der Gewerkschaft "Solidarnosc" hervorgegangen und bringt in diesen Tagen die Festschrift zum 80. Geburtstag des auch in Deutschland sehr bekannten früheren polnischen Außenministers Professor Dr. Wladyslaw Bartoszewski heraus.

Als das Buch im Haus des "Klubs der Buchhändler" im Zentrum der Warschauer Altstadt vorgestellt wurde, waren dort rund 100 neugierig gespannte Zuhörer. Auch der langjährige Stadtpräsident (Oberbürgermeister von 1994 bis 2001) von Ratibor, und jetzt Abgeordneter des Sejem (das polnisches Parlament / An. d. Red.) als Mitglied der oppositionellen Bürgerplattform, Andrjez Markowiak war zur Buchpremiere gekommen. Hupka begrüßte ihn unter Beifall der Anwesenden als den "langjährigen und verdienten Oberbürgermeister meiner Heimatstadt Ratibor".

Die Vorstellung und Würdigung von Autor und Buch hatte der Warschauer Historiker Professor Dr. Tomasz Szarota übernommen, soeben erst mit dem Historikerpreis ausgezeichnet. In der Eröffnungsansprache fallen kritische Worte, so über den Begriff der Vertreibung und wer als Erster vertrieben hat, über die Bezeichnung "Ostgebiete Deutschlands" und das Recht auf die Heimat.

Auch eine rund eine Stunde währende Diskussion schloß sich an, und diese wurde fair geführt, Ausfälle im Stil des tschechischen Ministerpräsidenten Milos Zeman gehörten nicht zum Inhalt und zur Form des Miteinanderumgehens.

Aufmerksam und zustimmend wurde registriert, daß Hupka gerade auch nach Erscheinen seines Erinnerungsbandes die Kontakte mit den polnischen Politikern und Männern und Frauen des öffentlichen Lebens aufgenommen und gepflegt hat.

In einem Bericht des Warschauer Korrespondenten der "Süddeutschen Zeitung", Thomas Urban, war über die Warschauer Buchvorstellung zu lesen: "Zwei Dutzend meist junge Menschen stehen, nach Vorstellung des Buches, vor Hupkas Tisch Schlange, und der einstige Kinderschreck gibt sichtlich aufgekratzt Autogramme".

Das Buch "Unruhiges Gewissen", von Herbert Hupka, soll in seiner polnischen Edition in den kommenden Monaten auch noch in Gleiwitz, Ratibor und Oppeln auf Initiative des Gleiwitzer Hauses für deutsch-polnische Zusammenarbeit vorgestellt werden. Neugierig darf man darauf sein, wie die polnische Publizistik und auch die Politik reagieren wird. LS