© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. Juli 2002


Das Inferno des Krieges überlebt
Die Sammlung Scheu in Heydekrug: Zeugnisse bäuerlicher Kultur des Memellandes

Die Litauer haben nach dem Zweiten Weltkrieg in dem von ihnen verwalteten Teil Ostpreußens die an die Zeit der deutschen Herrschaft erinnernden Kulturgegenstände erhalten und gepflegt. Seit dem Ende der Sowjetunion und der Wiederherstellung der litauischen Selbständigkeit hat das baltische Volk diese Bemühungen sogar noch verstärkt. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist das Museum in Heydekrug. Seinen Grundstock bildet die Sammlung Scheu beziehungsweise jener Teil, der das Inferno des letzten Weltkrieges unbeschadet überstand.

Die Sammlung Scheu, die bis 1945 eine reine Privatsammlung war und nicht öffentlich zugänglich, stellt einen repräsentativen Querschnitt durch die diversen Formen und Stilrichtungen der Möbel, Kleingeräte und Textilien dar. Die Möbelstücke im Barockstil sind aus weichem Holz gefertigt und wurden häufig erst später zum Zwecke der Erhaltung mit kunstvollen Ornamenten bemalt, manchmal sogar mehrmals. Sie stammen aus dem späten 19. Jahrhundert, obwohl ihnen nicht selten Jahreszahlen aus dem 18. Jahrhundert aufgemalt wurden.

Vor gut 100 Jahren entstand die Sammlung memelländischer Volkskunde des Gutsbesitzers Hugo Scheu aus Adlig Heydekrug, der sich große Verdienste um die ostpreußische Landwirtschaft erwarb. Hugo Scheu wurde am 1. April 1845 als Sohn des Reeders und Kaufmanns Arnold Carl Scheu und seiner Frau Rosette, geborene Ziegler, in Memel geboren. Dort besuchte er die Bürgerschule bis zum Abitur. Anschließend studierte er in Berlin Landwirtschaft und lernte dann auf mehreren Gütern Ostpreußens die Landwirtschaft praktisch kennen. Er begann 1873 mit einem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Memel und erwarb 1889 das Gut Adlig Heydekrug. Hugo Scheu initiierte die Kolonisation im Moorgebiet um Heydekrug.

Neben wirtschaftlichen Aspekten interessierten ihn stets die Sprache und die Kultur der einfachen Landbevölkerung. Er lernte deshalb ihre Sprache und begann, Märchen, Fabeln und Lieder der Litauer sowie Beispiele memelländischer Sachvolkskunde und Objekte der Naturkunde und Vorgeschichte zu sammeln. Von 1921 bis 1925 war Hugo Scheu Generallandschaftsdirektor; in Memel und Heydekrug war er jahrzehntelang politisch tätig. In seinen letzten Lebensjahren war Hugo Scheu krankheitsbedingt erblindet, jedoch geistig und körperlich rüstig.

Von Hugo Scheus beachtlichem Lebenswerk ist heute noch vieles lebendig. Wie der erhalten gebliebene Teil seiner Sammlung in Heydekrug wird sein Andenken in seinem bedeutendsten Wir-

kungskreis gepflegt. Sein Grab erhielt eine neue Anlage, sein Gutshaus wird restauriert und soll mit dem Museum nun auch wieder seine Sammlung aufnehmen. Vor dem Haus wurde ein Denkmal für Hugo Scheu errichtet.

Nähere Angaben zur Sammlung und dem Sammler sind in der Broschüre "Volkskunde des Memellandes. Die Sammlung Hugo Scheu in Heydekrug/Silute", erschienen im Husum Verlag, (48 Seiten, broschiert, 5 A, ISBN 3-89876-047-2) nachzulesen. MRK

 

Bauernschrank: Dieses aus der Gegend von Insterburg stammende Möbelstück mit den für die Region typischen farbigen Blütenornamenten auf grünblauem Grund gehört zur Sammlung Scheu und steht heute im Museum in Heydekrug (Abbildung aus der nebenstehend genannten Broschüre, S. 14).