© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. Juli 2002


Grußworte zum Deutschlandtreffen der Ostpreußen

"Lobenswerte Kontakte"
von Jörg Schönbohm, Innenminister des Landes Brandenburg

Die Landsmannschaft Ostpreußen veranstaltet in diesem Jahr ihr zweites Deutschlandtreffen in den neuen Bundesländern und unterstreicht mit dem gewählten Motto "Ostpreußen verpflichtet", daß sie es ernst meint mit der Umsetzung der selbst gesteckten Ziele, die unter anderem vorgeben, daß das Bewußtsein über die eigenen Wurzeln der nachwachsenden Generation erhalten werden solle.

Es ist zu wünschen, daß dieses Bewußtsein, so wie es die Landsmannschaft wünscht, als Fundament einer noch zu schaffenden Euro-Region Ostpreußen dienen kann. Denn diese Region, in der die heutigen Bewohner Ostpreußens - Polen, Russen, Litauer und Deutsche - eine gemeinsame Heimat gefunden haben, kann so sicherlich eine gedeihliche Zukunftsperspektive besitzen.

Wir erleben in Deutschland gerade, daß sich die Gesellschaft intensiver mit der Vergangenheit der Vertriebenen auseinandersetzt, die in Folge des Zweiten Weltkrieges oftmals all ihren Besitz verloren haben. Der Roman von Günter Grass, der das Schicksal der Wilhelm Gustloff thematisiert, und die daraufhin erfolgten Reaktionen sind ein deutlicher Beleg dafür, daß es nach wie vor wichtig ist, sich mit der jüngeren deutschen Geschichte zu befassen. Denn dies schafft die Voraussetzungen, um die Gegenwart besser verstehen und die Zukunft richtig gestalten zu können.

In der Geschichte wurden eine Reihe von Schlachten geschlagen und zahlreiche Kriege geführt. Und insbesondere auch in der mittelalterlichen Geschichte Ostpreußens lassen sich zahlreiche Beispiele für gewaltsame Auseinandersetzungen finden. Es war jedoch auch schon zu damaliger Zeit möglich, Einigungen friedlich und ohne den Einsatz kriegerischer Mittel zu erreichen.

So ist es in diesem Jahr genau 600 Jahre her, daß 1402 der Ritterorden von König Sigismund (der gleichzeitig Kurfürst von Brandenburg war) die Neumark und 1408 das Ländchen Driesen hinzu kaufte. Und vor nunmehr 345 Jahren, am 19. September 1657, wurde im Vertrag zu Wehlau dem großen Kurfürsten von Polen die Souveränität über Preußen (ohne das Ermland) zugesichert.

Es ist besonders erfreulich, daß gerade zu Polen die Kontakte und Verbindungen in den letzten Jahren auf, meines Erachtens, lobenswerte Art und Weise intensiviert worden sind. So fand beispielsweise im Jahre 2000 ein kommunalpolitischer Kongreß der ostdeutschen Heimatvertriebenen in Frankfurt an der Oder statt, an dem neben 25 Vertretern der ostdeutschen Heimatkreisgemeinschaften auch 24 polnische Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte, der Vizemarschall der Wojewodschaft Ryszard Galla, der Oberbürgermeister der Stadt Cottbus sowie der polnische Bürgermeister der Stadt Guben teilgenommen haben.

Es sind gerade diese Treffen und der damit verbundene intensive Meinungs- und Erfahrungsaustausch, die Mißtrauen abbauen helfen und die künftigen positiven Entwicklungen prägen werden. Wir Menschen diesseits und jenseits der Oder müssen mehr miteinander sprechen und unsere Zukunft gemeinsam gestalten. In diesem Sinne grüße ich die Teilnehmer des diesjährigen, in Leipzig stattfindenden Deutschlandtreffens der Landsmannschaft und wünsche Ihnen einen erfahrungsreichen und interessanten Verlauf dieser traditionsreichen Veranstaltung. N

Jörg Schönbohm, Brandenburgs Innenminister, während seines Grußworts auf dem Deutschlandtreffen in Leipzig Foto: Pawlick

 

"Erinnerung und Zukunft"
von Hartmut Perschau, Bremer Bürgermeister

Ostpreußen verpflichtet" lautet das Motto Ihres diesjährigen Deutschlandtreffens. Ostpreußen verpflichtet, das ist ein Bekenntnis zur angestammten Heimat. Es ist aber auch ein Bekenntnis für eine gemeinsame Zukunft in Europa. Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft haben sich die Verhältnisse in den zurückliegenden zehn Jahren grundlegend verändert. Natürlich heißt das nicht, daß damit all das Trennende der Vergangenheit überwunden ist. Es stellt aber die Voraussetzung dar, um aufeinander zuzugehen. Es ist den Heimatvertriebenen immer hoch angerechnet worden, daß sie schon frühzeitig ausdrücklich auf Rache verzichtet und Versöhnung angeboten haben. Sie haben damit dazu beigetragen, Vergebung und Versöhnung zwischen den leidgeprüften Völkern Europas auf den Weg zu bringen. Heimat, die sie verloren haben, ist jetzt Heimat für andere geworden. Erinnerung bewahren, Zukunft gestalten, das ist die vornehmste Aufgabe der Vertriebenen, eine Brücke zwischen den Völkern in einem zusammenwachsenden Europa zu bilden. Für diesen Dienst danke ich der Landsmannschaft Ostpreußen ausdrück-lich.

Ich wünsche Ihrem diesjährigen Treffen in Leipzig in jeder Hinsicht einen guten Verlauf und allen Teilnehmern ein bereicherndes Zusammensein.

Hartmut Perschau, Bürgermeister und Senator der Finanzen der Freien Hansestadt Bremen Foto: Archiv

 

"Ostpreußen ist Zukunft"
von Angelika Pfeiffer, CDU-Fraktion des Sächsischen Landtags

Die CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages heißt Sie herzlich in Leipzig willkommen. Wir freuen uns, daß Sie Ihr Deutschlandtreffen in dieser von großer Geschichte und neuer Aufbruchstimmung gekennzeichneten Messestadt abhalten. Seien Sie versichert, daß wir diese Geste verstehen und dankbar annehmen.

Ostpreußen ist nicht Geschichte, Ostpreußen ist Zukunft. Der Prozeß der politischen Einigung Europas in der Europäischen Union wird in absehbarer Zeit auch die Staaten Mitteleuropas, insbesondere Ungarn, die Tschechische Republik und Polen, umfassen. Die europäische Völkerfamilie kann jedoch nur zusammenwachsen, die kulturellen Bande zwischen West- und Osteuropa können sich gedeihlich nur entwickeln, wenn die Schatten der Vergangenheit - insbesondere die Vertreibungsverbrechen, aber auch die in der kommunistischen Zeit verfestigten Diskriminierungen der Vertriebenen und der deutschen Minderheiten - aufgehellt werden.

Die 1993 in Kopenhagen vom Europäischen Rat festgelegten Mindestkriterien für die Beitrittsländer sehen das Vorhandensein stabiler Institutionen zur Gewährleistung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und Minderheitenschutz vor. Damit ist die fortwährende Entrechtung, Enteignung und Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit, ihrer Sprache, ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihrer politischen Anschauungen nicht vereinbar. Dies gilt für Ostpreußen ebenso wie für Schlesien, Pommern, Ostbrandenburg, das Sudetenland sowie alle weiteren Vertreibungsgebiete.

Der Sächsische Landtag hat sich am 14. Juni 2002 im Zusammenhang mit den rechtswidrigen fortgeltenden Benesch-Dekreten zu diesen Grundsätzen bekannt. Er hat gefordert, daß alle EU-Beitrittsländer vor ihrem Beitritt Rechtsnormen, die gegen die Menschenrechte verstoßen, aus der Welt schaffen müssen. Er hat seiner festen Überzeugung Ausdruck gegeben, daß das Europäische Parlament, der Deutsche Bundestag sowie die Parlamente der anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auch weiterhin auf die uneingeschränkte Achtung der politischen Kopenhagen-Kriterien bestehen müssen.

Liebe Ostpreußen, ein umfassender Volksgruppenschutz, insbesondere für die deutsche Volksgruppe in Ostpreußen, die Unterstützung deutschen Lebens in Ostpreußen, der Erhalt der wenigen verbliebenen deutschen Kultursubstanz in Ostpreußen sowie die Unterstützung einer zukunftsgerichteten Euroregion Ostpreußen finden unsere Unterstützung. Wir wissen um den moralischen, politischen und gesellschaftlichen Wert Ostpreußens und seiner Vertriebenen in der heutigen Zeit. Lassen Sie uns Ihrem Anliegen und Ihrer Heimat gemeinsam eine Zukunft geben.

Angelika Pfeiffer, Vorsitzende der Vertriebenen im Sächsischen Landtag Foto: Pfeiffer

 

"Brückenschlag in die Heimat"
von Horst Rasch, Innenminister Sachsens

Zu dem Deutschlandtreffen der Landsmannschaft Ostpreußen vom 22. bis 23. Juni 2002 hier in Leipzig heiße ich Sie herzlich willkommen.

Daß Sie sich dieses Jahr erneut in Leipzig treffen, ist für die Messestadt und den Freistaat Sachsen eine wichtige Bestätigung. Es zeigt uns, daß Sie von der Professionalität bei der Ausrichtung Ihres Treffens überzeugt sind und die Wärme sowie Gastfreundschaft der Leipziger Bürgerinnen und Bürger zu schätzen wissen.

An diesem Wochenende werden wieder unzählige Vertreter der Landesgruppen und Heimatkreisgemeinschaften sowie andere interessierte Besucher erwartet. Bietet doch das Deutschlandtreffen die beste Gelegenheit, in regen Gedankenaustausch zu treten sowie über Erlebnisse und Erfahrungen zu berichten.

Immanuel Kant (1724-1804) schrieb einmal: "Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte." Im Sinne dieses Zitates möchte ich an dieser Stelle den vielen ehrenamtlich tätigen Männern und Frauen der Landsmannschaft Ostpreußen für ihr Engagement danken.

Ihre humanitäre und kulturelle Arbeit hier in Deutschland und in den ehemaligen Heimatgebieten der Vertriebenen ist ein wesentlicher Bestandteil für ein menschliches und solidarisches Miteinander. Sie nehmen sich der wirtschaftlichen und sozialen Probleme der einzelnen an und sind vielen damit eine wichtige Stütze.

Auch der Freistaat Sachsen ist auf das bürgerschaftliche Engagement derer, die ihn letztlich tragen, angewiesen.

Gleichzeitig setzt sich der Freistaat Sachsen im Rahmen seiner Fördermittelpolitik für die kulturelle Breitenarbeit der Vertriebenen ein. Durch das Staatsmi- nisterium des Innern werden gern Maßnahmen unterstützt, die geeignet sind, die kulturellen Traditionen der Vertriebenen aufrechtzuerhalten, die an die historischen Leistungen der Deutschen erinnern und das Brauchtum pflegen.

Durch die Förderung der Kulturarbeit werden die regionalen Besonderheiten der Vertriebenen im Bewußtsein der Menschen verankert und für die Zukunft erhalten. Gleichzeitig sind sie ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung - ein Brückenschlag in die Länder, zu denen die ehemals deutschen Gebiete heute gehören.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich wünsche der Veranstaltung ein gutes Gelingen, den Gästen interessante Gespräche und hoffe, Sie behalten Leipzig und den Freistaat Sachsen in guter Erinnerung.

Horst Rasch, Staatsminister des Innern des Freistaates Sachsen