© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 09. November 2002


Kommentar
9. November

Heute ist der Schicksalstag der Deutschen: der 9. November. An diesem Tag begann sich die Nation 1918 mit der überstürzten Abschaffung der Monarchie von sich selbst zu entfremden, bis zur Raserei 1938. An diesem Tag begab sie sich gleichsam auf den Weg zu sich selbst zurück - am 9. November 1989.

Im noch immer ungelenken Umgang der Deutschen mit dem schillernden Datum manifestiert sich indes, wie weit diese Nation noch von einer Selbstfindung entfernt ist. In wenigen Jahren werden die ersten jungen Deutschen die Schulen verlassen, die erst nach dem Mauerfall geboren wurden. Auch sie werden dann "gelernt" haben, daß jenes Deutschland bestenfalls ein Zufall, wenn nicht gar ein Unfall der Geschichte war, gleichermaßen Laune wie Vollstrecker fehlgeleiteter Ideologen und durchgedrehter Potentaten.

Wie innerlich stark, schön und in den Herzen seiner Menschen tief verwurzelt ihr Deutschland ist, davon werden sie wenig gehört haben. Diese Botschaft des 9. November 1989 verschweigen wir uns schamhaft. Als fürchteten wir Deutschen uns geradezu davor, in unserem Spiegelbild etwas anderes zu entdecken als graue Reue oder den Schatten eines Monstrums.

So gebärdet sich die größte Nation Europas noch immer wie ein Volk in wirrer Trance, das weit davon ab ist, zu sich zu kommen. Hans Heckel