© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 09. November 2002


Bilder von Ruinen
Neues Buch über den nördlichen Teil der ostpreußischen Lande

Alexander von Normann und Heinrich Lange, zwei promovierte Archäologen, bereisten seit 1991 mehrfach das nördliche Ostpreußen, sammelten historische Zeugnisse und fotografierten die meist trostlose Gegenwart. Nur die eingefangene Natur kann über diese Chronik der Zerstörung hinwegtrösten. "In Bildern", so Professor Karl Schlögel in seinem Vorwort, "läßt sich offenbar am besten aufbewahren, was sonst verloren ist." Das Gebiet um Königsberg hat mehr Bauten durch Verfall nach 1945 als durch den Krieg verloren. Die neuen Bewohner retteten - wenn auch zögernd und oft unbeholfen - wenigstens die Landschaften unserer Kindheit.

Das vom Verlag mit außerordentlicher Sorgfalt betreute und hergestellte Buch - ein Kunstwerk seinerseits - ist nach den 17 Kreisen des nördlichen Ostpreußen gegliedert. Memel gehört dazu. Die Einwohnerzahlen sind die des Jahres 1939. Bei den Ortsnamen wird zudem immer zuerst der deutsche Name aufgeführt.

In der "Chronologie einer Annäherung" nennt der dem Land durch familiäre Beziehungen verbundene Autor historische Literatur, die er zu Rate gezogen hat und aus der er - vorzüglich aus Reisebeschreibungen - gern zitiert. So kann er neben den historischen Fotos, die dem traurigen Heute gegenübergestellt werden, treffende Eindrücke vom einst und jetzt vermitteln. Architektonisches wird herangezogen. Da ist es naheliegend, daß immer wieder auf die Baumeister und die Schaffenskraft des Deutschen Ordens verwiesen wird. Das geht so weit, daß im Anhang alle Hochmeister bis 1525 aufgeführt sind.

Wenn schon sonst fast alles in Trümmern liegt, Felder brachliegen, die Einwohner arm sind, das nördliche Ostpreußen ist doch wenigstens ein Pferdeland geblieben. Der Autor weist bei Wehlau, dem einst größten Pferdemarkt Europas, bei Insterburg, das inzwischen wieder Austragungsort eines internationalen Reitturniers ist, Georgenburg und natürlich bei dem heute aber verwaisten Trakehnen darauf hin.

Der wertvolle, mit Mitteln des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft und der Stiftung Norddeutsches Kulturwerk geförderte Band schließt mit Literaturverzeichnis, Konkordanz der Ortsnamen, Karte, Verzeichnis der Herrscher aus dem Hause Hohenzollern sowie Orts- und Personenregister. N. Matern

Alexander von Normann, "Nördliches Ostpreußen - Gegenwart und Erinnerung einer Kulturlandschaft", C. H. Beck Verlag, München 2002, Großformat, 175 Seiten, Leinen, 39,90 Euro