© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 09. November 2002


Der Sammler als Mäzen
Werke aus der Sammlung Piepenbrock in Osnabrück

Immer wieder waren es private Sammler, die durch ihre Initiative Museen gründeten und so die von ihnen erworbenen Kunstwerke nicht "im stillen Kämmerlein" versteckten, sondern sie der Öffentlichkeit zugänglich machten: der Kanonikus Ferdinand Wallraff in Köln zum Beispiel, Bernhard Sprengel in Hannover, Henri Nannen in Emden, Georg und Otto Schäfer in Schweinfurt, das Ehepaar Ludwig, Lothar Günther Buchheim oder Hans Heinrich Baron von Thyssen-Bornemisza in Madrid, Paul Getty und Salomon Guggenheim in den Verei-nigten Staaten von Amerika. Auch der Gründer des Germanischen Nationalmuseums, Hans Philipp Werner Freiherr von und zu Aufseß (1801-1872), war ein begeisterter Sammler. Vor 150 Jahren rief er "sein" Museum ins Leben, als "einen sichtbaren Tempel deutscher Ehre und geistiger Einheit, das ein Gesamteigentum der ganzen Nation ist".

Begeisterte Kunstsammler gibt es gottlob auch noch in unseren Tagen, da die öffentliche Hand sparen muß. Auch sie sind meist nicht darauf aus, ihre Schätze in den eigenen vier Wänden zu horten, sondern lassen andere Kunstfreunde daran teilhaben. So das Ehepaar Piepenbrock, das immer wieder Stücke aus seiner rund 450 Werke umfassenden Sammlung im privaten und im halböffentlichen Raum ihres Unternehmens in Berlin und Osnabrück präsentiert, anstatt sie im Depot verstauben zu lassen. Aber auch in Museen haben die Werke auf Sonderausstellungen Eingang gefunden, so im Sommer im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloß Gottorf oder bereits 1989 im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück. Dort werden nun auch bis zum 5. Januar kommenden Jahres Bilder aus der Sammlung Piepenbrock unter dem Titel "Abstrakte Positionen" gezeigt. Der aus Anlaß der Gottorfer Ausstellung erschienene Katalog mit einem vollständigen Sammlungsverzeichnis (Hrsg. Herwig Guratzsch, mit Beiträgen von Dieter Brusberg, Klaus Bußmann, Anke Hervol, Margret Schütte und Peter-Klaus Schuster, 184 Seiten, 75 Abb., geb., 35 a) zeigt die bunte Vielfalt der seit Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gewachsenen Sammlung, deren Schwerpunkt auf der unterschiedlichen Entwicklung der Kunst in der Bundesrepublik Deutschland und in der ehemaligen DDR liegt. Zu finden sind Werke der Brücke-Künstler, aber auch Beispiele aus dem Schaffen von Ernst Wilhelm Nay, Bernard Schultze oder Fred Thieler, von Emil Schumacher, Horst Antes oder Walter Stöhrer, aber auch und vor allem von Bernard Heisig und Harald Metzkes. Eine private Sammlung zeitgenössischer Kunst, beispielhaft und vielseitig. o-n