© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 09. November 2002


Ein Allensteiner in Ankara
Werke von Erich Mendelsohn in der Türkei ausgestellt

Bei der Durchsicht von Ausstellungsterminen war ein Hinweis nicht zu übersehen: "Erich Mendelsohn: Dynamik und Funktion, 4.. bis 22. 11." war da zu lesen. Aha, da gedachte man wieder einmal des Architekten Erich Mendelsohn aus Allenstein (1887-1953). Der Meister des neuen Bauens im Deutschland der zwanziger Jahre, der unter anderem auch den Einstein-Turm in Potsdam errichtete, wird in aller Welt geschätzt. Nun gibt die Ankara State Gallery einen Einblick in sein Werk. In der Türkei interessiert man sich seit langem für deutsche Architekten. So auch für die beiden ostpreußischen Landsleute und Berufskollegen des Allensteiners Martin Wagner und Bruno Taut aus Königsberg. Wagner (1885-1957), von 1926-1933 Stadtbaurat in Berlin, kam durch Vermittlung des Breslauers Hans Poelzig 1935 in die Türkei. 1936/37 war er in Istanbul und Ankara als Leiter des Städtebaus dort tätig. Eine Aufgabe, die allerdings nicht sehr befriedigend war, fehlten dort doch sowohl Mittel als auch Fachkräfte. Wagner ging schließlich in die USA. Taut (1880-1938) hingegen hatte mehr Glück, er wurde 1936 als Professor an die Kunstakademie in Istanbul berufen. Schulen und das Universitätsgebäude in Ankara entstanden nach seinen Entwürfen. Auch entwarf er den Katafalk für Kemal Atatürk, den großen Staatsmann des Landes. Der Königsberger wurde schließlich 1938 als einziger Westeuropäer in Edirne Kapi begraben. Beide, Wagner und Taut, bemühten sich, beim Bauen in der Türkei eine Synthese zwischen Moderne und Tradition zu verwirklichen, um diesem Land nicht den fremden, mitteleuropäischen Stil aufzupfropfen. SiS