© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 09. November 2002


"Versöhnung über den Gräbern"
Für seine Friedensarbeit wurde Hans Linke im Ostheim geehrt

Als 1943 die Granaten und Bomben über seinen Kopf flogen, er schwer verwundet am Boden lag und fast die Hoffnung auf sein Überleben aufgegeben hatte, sagte ihm eine innere Stimme: "Du wirst nach Hause kommen!" Und wahrhaftig, dieser junge Offizier überlebte die Schrecken der Ostfront. Und wenn er auch seine ostpreußische Heimat verlassen mußte, so hatte sich die Gewißheit in ihm festgemacht, daß er sich von nun an mit all seinen Kräften gegen das Leiden des Krieges einbringen mußte. Der Einsatz für Frieden, Versöhnung sowie die Völkerver- ständigung, im Bewußtsein sei-ner ostpreußischen Herkunft, war ihm zur Lebensaufgabe geworden.

Fast 60 Jahre später wurde nun dieser Mann für sein einzigartiges Lebenswerk im Rahmen einer festlichen Feierstunde im Ostheim zu Pyrmont geehrt. 50 Jahre unermüdliche Arbeit der "Jugend Ostpreußens für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge - Arbeit für den Frieden", außerdem zehn Jahre "Grenzüberschreitende Seminare für Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland, Litauen, Polen und dem Königsberger Gebiet", dafür steht ein Name: Hans Linke.

Nahezu 100 Gäste waren im "Preußensaal" des Ostheims am Freitag, dem18. Oktober, zugegen, um Hans Linke die Ehre für seine Lebensleistung zuteil werden zu lassen. Aus der Menge der zahlreichen Ehrengäste hielten würdigende und festliche Ansprachen: Dr. Rudolf Wandsleben, Landrat des Kreises Paderborn, der in Vertretung des Präsidenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge dessen Dankbarkeit für die Verdienste von Hans Linke übermittelte. Er stellte die Pionierleistung des Ostpreußen dar und betonte dessen gelebte Vorbildfunktion im Sinne des für den Volksbund maßgeblichen Leitsatzes: "Versöhnung über den Gräbern - Arbeit für den Frieden". Aus Zeichen der Anerkennung des Volksbundes überreichte er eine speziell für den Jubilar geschaffene silberne Plakette. Sie verweist auf 50 Jahre Friedensarbeit, symbolisch dargestellt anhand von zwei jungen Menschen, die vor einem Kreuz eines Soldatenfriedhofs arbeiten.

Klaus-Henning Demuth, Bürgermeister der Stadt Bad Pyrmont, hob die Leitbildfunktion der Arbeit von Hans Linke für die Nachkriegsgeneration hervor. Er bedankte sich auch für die Treue zu Bad Pyrmont und besonders dafür, daß durch die Seminare von Hans Linke gerade junge Gäste in die niedersächsische Kurstadt kommen würden.

Hans Soltau, über 36 Jahre lang sein engster Wegbegleiter in der Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes in Kassel, würdigte in einer sehr persönlich gehaltenen Rede die friedenstiftende Arbeit von Hans Linke. Auch wenn Diplomatie nicht immer sein Ding gewesen sei, so habe er durch seine nicht marktschreierische Arbeit viel zur Versöhnung beigetragen. In Anerkennung dieser Friedensarbeit überreichte er ihm die höchste Auszeichnung des Volksbundes, die erstmalig verliehene Immanuel-Kant-Medallie.

Wilhelm v. Gottberg, Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, beleuchtete einige Abschnitte des schaffensreichen Lebens des 1923 im masurischen Johannisburg geborenen Ostpreußen. Nach Krieg und Vertreibung widmete sich Hans Linke der aktiven Jugendarbeit. Die 1953 von ihm in Kamen gegründete ostpreußische Jugendgruppe "Kant" pflegte vor allem Kriegsgräber und Friedhöfe, zuerst in Dänemark, ab 1991 dann auch in seiner Heimat Ostpreußen. 1977, mit Unterstützung der Landsmannschaft Ostpreußen, schuf er das Deutsch-Dänische Jugendwerk. Von 1991 an organisierte er insgesamt 24 in Ostpreußen abgehaltene Jugendlager, die deutsche, polnische, litauische und russische Jugendliche zusammenbrachten. Aber auch die Schülerwettbewerbe in Nord-rhein-Westfalen, Vorbild für gleiche Wettbewerbe in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern, durch die mehr als 2,4 Millionen Schüler mit der Geschichte und Kultur Ostdeutschlands in Berührung gebracht werden konnten, sind untrennbar mit dem Namen Hans Linke verbunden. In den Worten des Sprechers: eine wahrlich "segensreiche Arbeit".

Hans Linke selbst bedankte sich für die Würdigungen und die Ehrungen, wollte aber die Auszeichnungen nicht für sich persönlich aufgefaßt wissen, sondern für seine im Krieg gefallenen Kameraden und die fast 4.000 Jugendlichen, die er in seinen 156 Jugendlagern habe zusammenbringen können. So war es auch mehr als passend, daß die anwesenden Jugendlichen des diesjährigen grenzüberschreitenden Seminars diese Feierstunde sowohl mit deutschen als auch litauischen und russischen Liedern begleiten konnten.

Mit dem Kanon "dona nobis pacem", gesungen im großen Kreis aller anwesenden Gäste, endete ein von Werner Richter mustergültig ausgerichteter Festakt für einen Ostpreußen, dessen Arbeit bleibende Spuren hinterlassen hat. Eine im Hupkonzert am Ostheim vorbeifahrende Hochzeitsgesellschaft bekräftigte, fast symbolhaft, diesen besonders eh- renvollen Tag. H. Benzler

Er stellte sein Leben und sein Wirken in den Dienst der Sache: Hans Soltau überreicht Hans Linke die Urkunde der Immanuel-Kant-Medaille, der höchsten Auszeichnung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.