© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 07. Dezember 2002


Echte Werte
Erika Maria Wiegand schuf neue Plastik

Man mag es kaum glauben: aber mit ihren mittlerweile 81 Jahren ist Erika Maria Wiegand voller Schaffensdrang. So wurde vor wenigen Wochen in Kassel-Niederzwehren an der dortigen Dorothea-Viehmann-Schule ihr Bronzerelief der Namensgeberin enthüllt. "Ich mußte Ostpreußen 1945 als Flüchtling verlassen", erzählte die aus Fischhausen stammende und in Allenstein aufgewachsene Künstlerin aus Anlaß der feierlichen Enthüllung des Reliefs. "Ich steckte meine Wurzeln in den neuen Grund und befaßte mich mit dem neuen Land, mit Hessen, mit Kassel und seiner Geschichte." Dabei stieß sie auf die Brüder Grimm, die Märchensammler, und auf den Namen Dorothea Viehmann, die Märchenfrau, die von 1755 bis 1815 in Niederzwehren lebte und den Grimms so manches Märchen erzählte. Das Relief der Dorothea Viehmann ist 1 Meter 60 hoch. Erika Maria Wiegand schuf zunächst das Tonmodell, das dann in Bronze gegossen und patiniert wurde. Keine einfache Angelegenheit bei der Größe des Hochreliefs.

1984 entstand das erste "märchenhafte" Werk der Erika Maria Wiegand, das Brüder-Grimm-Denkmal für Kassel, es folgten eine Büste der Dorothea Viehmann, ein "Gestiefelter Kater" und ein "Rumpelstilzchen". Im vergangenen Sommer nun schuf die Ostpreußin einen "Hans im Glück", der in einem Hotel an der Märchenstraße in Hofgeismar bei Kassel eine Heimat finden wird. Ein "Sternthaler" als Brunnenfigur ist übrigens in Planung.

Die Ostpreußin hat sich aber vor allem auch durch ihre religiösen Arbeiten, durch ein Copernicus-Relief für das Haus der deutschen Minderheit in Allenstein und die Büste des Bischofs Maximilian Kaller - Bronze-Abgüsse sind in Frauenburg, in Allenstein und in Bergen auf Rügen zu sehen, die Terrakotta-Büste im Ermlandhaus in Münster - einen Namen gemacht. Immer wieder gelingt es ihr, das Wesentliche prägnant und treffend darzustellen. So auch bei einem Grabmal, das sie jetzt für einen befreundeten Konzert-Organisten und dessen Ehefrau, eine Oratoriensängerin, schuf. Es zeigt sieben Orgelpfeifen, die zum Teil den Stein überragen und ein altes Notenblatt mit den Noten, die er gespielt und sie gesungen hat. - Durch den Druck der Hand dem noch weichen Ton die Empfindungen einzuprägen, die man mit dem Werk ausdrücken will, darin sieht Erika Maria Wiegand die Kunst wahre Kunst zu schaffen, immer getreu ihrem Motto "Tandem bona causa triumphat - Ein echter Wert setzt sich durch". Silke Osman

Erika Maria Wiegand: Die ostpreußische Bildhauerin, die heute in Kassel lebt und arbeitet, vor dem Tonmodell einer ihrer neuen Plastiken, dem "Hans im Glück" Foto: privat