© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 14. Dezember 2002


Vom Zauber der Heimat
Gedenken an den Maler und Bildhauer Paul Koralus aus Widminnen

Schon als Kind war er gehörlos - ein Schicksal, das seinen Lebensweg bestimmen sollte. Geboren am 16. Dezember 1892 als zwölftes von vierzehn Kindern eines Widminner Fabrikbesitzers besuchte Paul Koralus die Gehörlosen-Schulen in Angerburg und in Tilsit. Und wer weiß? Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, hätte nicht der Direktor der Tilsiter Schule einige Schülerarbeiten 1910 zur Weltausstellung nach Brüssel geschickt. Mit dabei plastische Arbeiten des damals 17jährigen Paul Koralus, der prompt mit dem Goldenen Ehrendiplom ausgezeichnet wurde. Wenn das kein Ansporn war! Darüber hinaus wurde der junge begabte Ostpreuße auf einer Allenstein-Posener-Ausstellung mit der Großen Silbermedaille ausgezeichnet. Stanislaus Cauer, Bildhauer und Professor an der Königsberger Kunstakademie wurde auf ihn aufmerksam und riet ihm, zunächst die Kunst- und Gewerkschule zu besuchen. Dann aber, 1911, zog es Koralus an die Akademie, wo er bis 1914 bei Cauer, Wolff und Dettmann studierte. Durch ein Stipendium konnte er sein Studium an der Dresdner Akademie bei Werner und Wrba, dessen Meisterschüler er wurde, fortsetzen.

Nach dem Ersten Weltkrieg vervollständigte er seine Studien und ließ sich noch in graphischen Techniken wie Lithographie, Kupferstich und Gravur ausbilden. Über Hannover und Braunschweig kehrte Koralus 1931 in seine Heimat zurück und richtete sich in Widminnen, Kreis Lötzen, ein Atelier ein. Bald fanden sich in Kirchen und Schulen eine Reihe seiner Arbeiten, so in Widminnen, Milken, Angerapp, Lyck, Sensburg, Gumbinnen und Schloßberg. In vielen Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen hielt er den Zauber der Heimat fest. Als Themen wählte er sich religiöse und historische Darstellungen, aber auch Motive aus dem Alltag.

Viele dieser Arbeiten, vor allem aber sein plastisches Werk, wurden Opfer des Krieges. Einige Plastiken und Entwürfe hat er vor seinem Tod noch in das Kulturzentrum Ostpreußen nach Ellingen gebracht, um sie der Nachwelt zu erhalten. Denn auch im Westen war Paul Koralus noch unermüdlich tätig. Aus dem Nichts heraus gelang es ihm in Häverstedt bei Minden eine neue Existenz aufzubauen und ein Atelier einzurichten. Dort entstanden bis zu seinem Tod am 10. Januar 1991 wieder zauberhafte Bilder, ansprechende Porträts und eindrucksvolle Plastiken. Paul Koralus und sein Werk scheinen uns zu Unrecht verges- sen. Man

Paul Koralus: Flötenspieler auf Esel (Ton) und Löwentinsee (Öl) Fotos: Archiv

 

Die Düne Zeit
von Kuno Felchner

Hochragend lagert sich

und breit

in fahlem Glanz die Düne Zeit.

Feinschuppig lauscht

und lebt und rinnt

ein flinkes Echslein Silbersand,

von Sonne warm

durchs Sieb der Hand.

Das Kind,

das eben sorglos

spielend stand,

umschlottert bald

schon Mannsgewand;

zu weit, zu alt

ist das gelieh'ne Kleid.

Wer webt den Gürtel,

der es bindet?

Wer reicht dem Dürstenden

die Labe,

den Kelch ihm spendend

mit dem Trunk?

Wie sich der Baum

mit Bast berindet,

stärkt ihn der Liebe

letzte Gabe:

Erinnerung.