© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 18. Januar 2003


Ehrlichkeit und eine eigene Handschrift
Zum Tod der Graphikerin und Trägerin des Ostpreußischen Kulturpreises Lieselotte Plangger-Popp

Das Wort Heimat wird für mich auch immer das Wort Heimweh beinhalten", hat die Graphikerin Lieselotte Plangger-Popp einmal gesagt. Und das Heimweh nach ihrer Heimat Ostpreußen spürt man in so vielen ihrer Blätter, die sie meisterhaft und mit sicherer Hand aufs Papier zauberte, sei es als Federzeichnung, sei es als Holzschnitt. Noch in der Weihnachtsausgabe des Ostpreußenblattes haben wir eine Zeichnung von ihr veröffentlicht (Fischerweihnacht) - die Künstlerin aber hat sich an ihr nicht mehr erfreuen können. Sie starb am 19. Dezember in Meran, in ihrem lieben Südtirol, an das sie nicht nur durch die Heirat mit dem Bildhauer Hans Plangger eng gebunden war.

Geboren wurde Lieselotte Popp am 31. Mai 1913 auf Gut Karlsfelde, Kreis Treuburg. Ihre Jugend verlebte sie in Königsberg, wohin die Familie 1922 gezogen war. Nach dem Abitur am Hufenlyzeum besuchte sie von 1933 bis 1936 die Fachklasse für Gebrauchsgraphik an der Meisterschule des Deutschen Handwerks und arbeitete anschließend zwei Jahre lang im Atelier des renommierten Verlags Gräfe und Unzer. 1938 ging sie nach Hannover, um dort in einem graphischen Betrieb zu arbeiten. Gleichzeitig besuchte sie die Abendschule und ließ sich bei Prof. Karl Dröge in der Technik des Holzstichs ausbilden. In diese Zeit fielen auch die Begegnungen mit Ernst Barlach und mit Agnes Miegel, die sich nachhaltig auf ihr Schaffen auswirken sollten.

Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete die Ostpreußin als Werkstattleiterin in einem Innsbrucker Buch- und Zeitungsverlag. Immer aber zog es sie, wenn irgend möglich, in die Heimat, die sie auf zahlreichen Reisen durchwanderte und aus der sie eindrucksvolle Motive mitbrachte. Die Kunst war es auch, die ihr über die schwere Zeit hinweghalf. "Mit einem Dennoch lernte man das Leben und mit ihm die Kunst wieder lieben", hat sie sich später an diese Zeit erinnert.

In Haimhausen nahe München war es, wo die Ostpreußin wieder Fuß faßte. Dorthin war die Münchner Akademie gezogen, deren Räume im Krieg schwer zerstört worden waren. Bei den Professoren Adolf Schinnerer und Willy Geiger nahm sie Unterricht. Jahrzehnte später sollte man die Künstlerin zur Ehrenbürgerin der Stadt ernennen. Und so wird sie nun auch in einem Ehrengrab in Haimhausen ihre letzte Ruhestätte finden.

1954 heiratete Lieselotte Popp in Bozen den Bildhauer Hans Plangger (1899-1971). Gemeinsam lebten und arbeiteten die beiden Künstler in Südtirol, einer Landschaft, die der Ostpreußin bald ans Herz gewachsen war und die sie immer wieder in ihrer künstlerischen Arbeit festgehalten hat. Ihre Blätter mit Motiven aus Ostpreußen und aus Südtirol, ihre Zeichnungen von Reisen nach Italien oder Griechenland beeindrucken noch heute. Ergreifend aber sind ihre Arbeiten zum Thema Flucht und Vertreibung. Unbedingte Ehrlichkeit und eine eigene Handschrift hat Lieselotte Plangger-Popp einmal von einem jeden Künstler gefordert. Und Ehrlichkeit spricht aus allen ihren Blättern, die auf Dekoratives verzichten, die vielmehr von tiefem Ernst durchflutet sind. Ihre Holzschnitte und -stiche, ihre Federzeichnungen und Radierungen sprechen eine unverwechselbare künstlerische Sprache. Viele finden sich auch in Büchern wieder, so etwa als Illu- strationen zu Werken von Agnes Miegel, mit der Lieselotte Plangger-Popp eine herzliche Freundschaft verband. Auf diese Weise bleibt die Künstlerin unvergessen; ihr Werk wird weiterleben, ist sie auch von uns gegangen. Silke Osman

Lieselotte Plangger-Popp: Selbstbildnis (farbiger Holzschnitt, 1950)

Große Künstlerin: Lieselotte Plangger-Popp wurde 1982 von der Landsmannschaft Ostpreußen mit der Verleihung des Ostpreußischen Kulturpreises für bildende Kunst geehrt Foto: Beck-Kelch