© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. August 2003


Prag: Orden für den Deutschenfeind
Trotz der Versöhungsversuche seitens der deutschen Volksgruppe hält die Regierung in Tschechien an ihren Repressionen fest

Der Gegensatz könnte nicht schroffer sein: das Prager Parlament will dem notorischen Deutschenfeind und vielfachen Schreibtischmörder Edvard Benesch den höchsten Orden der tschechischen Republik verleihen, während im Herbst 2002 in der kleinen Gemeinde Wekelsdorf bei Braunau im Ostsudetenland ein Versöhnungskreuz für die Opfer des tschechisch-deutschen Nationalitätenkonflikts eingeweiht wurde. 1945/46 wurden 22.000 Sudetendeutsche aus dem Braunauer Ländchen brutal vertrieben. Dabei wurden 97 Menschen umgebracht, weitere 112 kamen beim "Altentransport" um.

In Wekelsdorf (Teplice nad Metuyi) trieben die Tschechen unter Leitung von Hauptmann Svoboda eine Gruppe von Sudetendeutschen nach Schlesien, wo sie jedoch von der polnischen Miliz zurückgewiesen wurden. Daraufhin sperrte man sie ein, erschoß und erschlug sie am 1. Juli 1945 im Wald von Buchenberg. Unter den Opfern waren elf Frauen, sechs Männer und vier Kinder, darunter ein Baby, dessen Kopf man mit dem Gewehrkolben zerschmettert hatte. Ein kleiner Junge war kurz vorher von seinem Großvater gerettet worden. Das Massaker oberhalb des Ortes wurde schon 1947 untersucht, weil irrtümlich dabei eine gebürtige Tschechin, Marie Wichterei, ermordet worden war. Ihr Vater setzte ein Verfahren durch, daß zur Exhumierung der Toten führte (vgl. Stanek, S. 149). Die Täter waren, außer Hauptmann Svoboda, der Vorsitzende des "Narodni Vybor" (Nationalausschuß) Miroslav Reydl, Jan Horak und weitere acht Soldaten. Eine Verurteilung erfolgte nicht. Diese Tragödie war der Anlaß für zwei tschechische Vereine und die Bürgermeisterin von Wekelsdorf, Vera Vitova, ein Versöhnungskreuz an der Stelle der Mordtaten zu errichten, was unter anderem auch vom Heimatkreis der deutschen Braunauer gefördert wurde. Das Denkmal besteht aus einer vier Meter hohen Statue zweier Obelisken, die einen Spalt in Form eines menschlichen Körpers umschließen. Eine Art Kreuzweg aus 23 grob behauenen 80 Zentimeter hohen Steinen führt in den Wald hinauf zu einem Steinkreuz, das die Form einer Blume zeigt. Schöpfer des Denkmals ist der tschechische Bildhauer Petr Honzatko aus Trautenau. Nicht weit von der Mordstelle blickt man über die Grenze hinunter ins schlesische Land, das ebenfalls von Mord und Vertreibung heimgesucht wurde. Man kann die Initiative von Wekelsdorf nicht genug loben. Allerdings will der neue Bürgermeister lieber Gras über die Sache wachsen lassen, was sich als unmöglich erweisen wird. Schon dreimal wurde das Denkmal von Unbekannten beschmiert, die Schrift ausgemeißelt und sogar ein Sprengstoffanschlag vorbereitet. Als eine Gruppe Deutscher rote Rosen zum Gedenken an die unschuldigen Opfer grausamer tschechischer Mörder niederlegte, kam ein Streifenwagen aus dem Wald gefahren. Was ist das für ein Staat, in dem man nur mit Schwierigkeiten und Gefahren des Unrechts und der Verbrechen von 1945 bis 1948 gedenken kann? Wo bleibt die moralische Wende in der tschechischen Politik und im tschechischen Volk? Die europäische Union hat, trotz vieler Vorbehalte, wegen der verbrecherischen Benesch-Dekrete dem Beitritt der CR zugestimmt, obwohl diese nach wie vor die Sudetendeutschen diskriminiert und ihnen die einfachsten Menschen- und Grundrechte verweigert.

Wekelsdorf hat ein Beispiel gegeben für die tschechische Gesellschaft, sich mit den Deutschen des Sudetenlandes zu vertragen. Vera Vitova, Petr Kulisek und Jan Pinos haben den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis zu recht erhalten. RG

In Wekelsdorf steht heute ein Denkmal für die ermordeten Sudeten

Edvard Benesch: Er ist der Initiator des andauernden Deutschenhasses in Tschechien, nicht zuletzt durch seine unseligen Dekrete Foto: Ullstein