© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. August 2003


Theater und ein Kloster
Der Architekt Thomas August Feddersen und seine Bauten

Ostpreußen ist, wie viele Freunde und Kenner der modernen Architektur wissen, auch ein Land, das eine Reihe bedeutender Architekten hervorgebracht hat. Die Brüder Max und Bruno Taut aus Königsberg sind da zu nennen, Erich Mendelsohn aus Allenstein oder Paul Baumgarten aus Tilsit. Viele Architekten begannen ihre Laufbahn in Ostpreußen - Hanns Hopp, Hugo Häring, Hans Scharoun. Reinhard Donder ist für uns auf Spurensuche nach Thomas August Feddersen gegangen.

Thomas August Feddersen wurde am 25. Juli 1881 in Schottburg, Landkreis Hadersleben, dem damaligen Nordschleswig, heute Dänemark, geboren. Sein Vater war kleiner Hofbesitzer und Landvermesser. Ihm wurden drei Söhne geboren, von denen August Feddersen der dritte war. 1912 zog der Vater nach Husum, kaufte die dortige Graupenmühle, eine echte Windmühle, die dann vom zweiten Sohn Johannes als Müller übernommen wurde.

August Feddersen lernte Maurer, und da er eine besondere Begabung zum Zeichnen besaß und sein Gesellenabschluß besonders gut war, erhielt er die Zulassung zur Ingenieurschule Eckernförde, die für niedrigere Semester eine Außenstelle in Neustadt in Holstein hatte. Er konnte aber nur im Wintersemester studieren, weil er im Sommer als Maurer seine Studiengebühren verdienen mußte.

Das Studium dauerte sechs Semester, und er schloß die Bauschule mit dem Titel Bauingenieur ab. Aus den Jahren um 1890 sind noch viele Zeichnungen von seiner Hand erhalten. Später ging er in den Preußischen Staatshochbaudienst und wurde Hilfsbauleiter an der Marineschule Mürwik bei Glücksburg. Wegen eines Dis-puts mit Vorgesetzten wurde er nach Pillau strafversetzt - nach Ostpreußen. Damals wurde eine solche Versetzung wie eine Auslandsstrafe angesehen. Diplom-Ingenieur ist August Feddersen nie gewesen.

Kurz vor Vollendung seines 30. Lebensjahres war er in Pillau mit der Erhaltung der Hafenanlagen im Auftrag des preußischen Staatshochbauamtes betraut, eine Aufgabe, die ihm jedoch nicht sehr gefiel.

Zwei Jahre später machte er sich dann als freier Architekt selbständig in Osterode, quittierte den Dienst und ging nach Südostpreußen. Der Grund hierfür war, so wird in der Familie erzählt, die Bekanntschaft mit Gertrud Kühne aus Deutsch Eylau, Tochter des Färbereibesitzers Friedrich Kühne, die er am 11. November 1914 in Allenstein heiratete. Eine Liebesheirat, die bis zum Ende des Lebens glücklich war.

August Feddersen wurde 1914 als Soldat eingezogen und ist nach 1915 als Unteroffizier nach der Schlacht gegen die Russen an den masurischen Seen als Zivilist ausgemustert worden, um mitzuhelfen, die durch den russischen Überfall zerstörten Städte und Dörfer wieder aufzubauen. August Feddersen wurde in Neidenburg, Ortelsburg und Sensburg verantwortlich für den Wiederaufbau mehrerer durch den Krieg zerstörter Straßenzüge. Wenn er später mit seinen Kindern im Adler Triumph durch die Gegend fuhr, hieß es immer: "Diese Straße habe ich gebaut."

Das schnell aufblühende Büro in Allenstein befand sich am Moltkeplatz 3, erstes OG, links in drei Zimmern. Der Rest der Räume war Wohnung. Hier wurden zwei Söhne, Klaus und Jochen, geboren. 1922/23 baute August Feddersen dann ein großes Einfamilienhaus direkt daneben, Molt- kestraße 4, mit einem Büro in Souterrain und großen Gesellschaftsräumen im Hochparterre. Trotzdem ging es sparsam zu. Der Vater schnitt noch allen Kindern aus Sparsamkeit eigenhändig die Haare. Für dieses Haus wurde dann im Februar 1945 die letzte Darlehensrate fällig, so daß das Haus nach 22 Jahren schuldenfrei den Polen übertragen wurde.

Der Aufstieg zum führenden Architekten in Südostpreußen begann mit dem Tannenberger Hof in Merane. Hieraus entwickelten sich dann immer weitere Hotels im Rahmen eines sich verstärkenden Fremdenverkehrs, beispielsweise in Krutinnen und Neidenburg.

Ein namentlich zu erwähnender wichtiger Bauherr war Paul Rogitzky, Schriftsteller und Redakteur, für den er nach und nach etwa 50 Einfamilienhäuser plante und baute. Durch Rogitzky wie-derum entstanden Kontakte zum ostpreußischen Adel wie von Finckenstein und von Kumerow, die August Feddersen Aufträge zum Umbau ihrer Herrenhäuser und landwirtschaftlichen Anwesen erteilten. Aus dem Auftrag für ein Theater in Osterode (ca. 1920) entwickelten sich dann etwa fünf weitere Theater und Lichtspielhäuser.

Seine zwei größten Werke aber sind ohne Zweifel der "Treudank" in Allenstein und das Franziska-nerkloster. Der "Treudank", der Theaterbau Allensteins, war ein Geschenk des Deutschen Reiches nach der Abstimmung 1921. Es ist heute noch gut erhalten, seine Planung und Fertigstellung sind in einem 1929 erschienenen Buch dokumentiert, Titel: "Werke des August Feddersen".

Ähnlich verhält es sich mit dem Franziskanerkloster, für das der evangelische Architekt eine vom Papst unterzeichnete Freischreibung brauchte, um für die Katholische Kirche tätig werden zu dürfen. August Feddersen unternahm hierfür eine kulturelle Pilgerfahrt nach Rom, die er tagebuchartig festhielt und in der seine Begeisterung über die Kulturschätze des alten Rom deutlich wird.

Neben dem üblichen starken gesellschaftlichen Engagement, das besonders von seiner Frau Gertrud vorangetrieben und gepflegt wurde, brachte August Feddersen einen guten Teil seiner freien Zeit in ein freimaurerisches Engagement ein. Zur Teilnahme an Logen fuhr er mehrmals im Jahr nach Königsberg und zweimal im Jahr nach Berlin, wodurch sicher auch seine Kenntnisse der jeweils neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Architektur gefördert wurden. Er war durch dieses Engagement trotz einer eher nationalkonservativen Einstellung allen sozialen Fragen gegenüber offen und eher liberal.

Als einem Freimaurer von hohen Graden wurden ihm nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und dem anschließenden Verbot der Logen nahezu alle öffentlichen Aufträge entzogen. Sein Glück lag in der breiten Streuung seiner Bauaufgaben und ausreichend Ersatz durch private Bauherren, die ihn weiter hoch schätzten, aber er sah sich auch gezwungen einen Partner aufzunehmen, der politisch mehr akzeptiert wurde. Bis zum Kriegsende hieß das Büro dann Feddersen und Petersen. Der 1903 gegründete Eliteverband der freiberuflich tätigen Architekten BDA nahm August Feddersen bereits am 5. Juli 1919 auf. Diese Mitgliedschaft erlosch erst mit seinem Tod.

Dieses Leben eines Architekten und seiner Familie endete im Januar 1945 wie für so viele andere Menschen mit der Flucht. Übrig blieb bis heute nicht mehr als ein Heft mit Angaben des zurückgelassenen Inventars und einer Vermögensschätzung. Die Familie kam bis Stolp in Vorpommern und gelangte dort mit Unterstützung des dortigen Landrates auf einen Minensucher, der alle wohlbehalten bis Flensburg brachte. In Mürwik schloß sich dann ein Lebenskreis, der dann in Husum endete. August Feddersen verlor auch in diesen Zeiten nie den Mut, aber er fand als Architekt auch nicht wieder auf die Beine. Eine Krebserkrankung machte seinem Leben am 15. November 1947 in Husum ein Ende. Der gemeinsame Grabstein von August und Gertrud Feddersen befindet sich heute am Familiengrab Feddersen-Sörensen auf dem Ostfriedhof in Husum.

Sein Sohn Hans-Jochen Feddersen wurde freier Architekt wie sein Vater und begann 1949 ebenso ganz von vorne, wie August Feddersen 1912 in Allenstein/Ostpreußen. Inzwischen ist die Enkelgeneration ebenfalls als Architekt aktiv in Berlin, fast in der geographischen Mitte zwischen der Herkunft und dem größten Wirken dieser großen Architeken- Familie.

Thomas August Feddersen: Von Nordschleswig nach Ostpreußen

Allenstein, Moltkestraße: Wohn- und Schaffensort des Architekten Thomas August Feddersen Fotos (2): privat

Theater Treudank in Allenstein: Ein Geschenk des Deutschen Reichs an Ostpreußen nach der Abstimmung 1921 Foto: Archiv Donder