© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. September 2003


Gegen das Erinnern
Auf den Spuren seines Herrn und Kanzlers: Joschka Fischer und die Vertriebenen

Führende Repräsentanten der Landsmannschaften haben noch in guter (beziehungsweise schlechter) Erinnerung, wie rüpelhaft sie während ihrer bislang einzigen "Audienz" beim grünen Vizekanzler und Außenminister abgefertigt wurden. Daß seine damalige Flegelei kein einmaliger Ausrutscher war, sondern gewollter Ausdruck seiner Geisteshaltung, bestätigte Joschka Fischer in diesen Tagen aufs neue.

Unmittelbar vor dem Tag der Heimat - immerhin mit dem sozialdemokratischen Bundespräsidenten als Festredner - hielt Fischer es für angemessen, in einem Gespräch mit der Zeit Sätze wie diesen von sich zu geben: "Der BdV taugt nicht als Museumsdirektor." Will heißen: Der Bund der Vertriebenen und die in ihm zusammengeschlossenen Landsmannschaften haben kein Recht, an das Leid von 15 Millionen aus dem Osten verjagten Deutschen zu erinnern und insbesondere auch die drei Millionen, die bei Flucht und Vertreibung ihr Leben ließen, zu betrauern. Fischers abenteuerliche Begründung: die Initiatoren des "Zentrums gegen Vertreibungen" wollten die "historische Schuld der Deutschen" relativieren.

Mit solchen Dümmlichkeiten hat sich Fischer flugs ins Fahrwasser seines Kanzlers begeben. Oder auch umgekehrt. Die Grünen haben jedenfalls bislang auch nicht ansatzweise zu erkennen gegeben, daß sie zu einer weniger ideologiebefrachteten Sichtweise dieses Kapitels der jüngeren deutschen Geschichte bereit wären. Bei ihrem roten Koalitionspartner hingegen gibt es in dieser Frage höchst unterschiedliche Ansichten.

So steht der frühere SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz gemeinsam mit BdV-Präsidentin Erika Steinbach an der Spitze der "Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen". Der frühere Präsident des Europaparlaments, Klaus Hänsch (SPD), plädiert für das Projekt und fordert "Mut zur nationalen Erinnerung", denn "Europa ist niemals Ersatz für nationale Aufarbeitung der Geschichte". Und auch Bundesinnenminister Otto Schily, der 1990 von den Grünen zur SPD konvertierte, steht in dieser Sache an der Seite der Vertriebenen, wenn auch mit einer gewissen Distanziertheit.

Regierungs- und Parteichef Schröder hingegen trat vor wenigen Wochen den "geordneten Rückmarsch" an. Offenbar war ihm das Verständnis, das viele seiner Genossen neuerdings für die Opfer von Verbrechen an (und nicht nur von) Deutschen zeigten, zu weit gegangen. Die schroffe Abkehr von den deutschen Vertriebenen wurde dem Kanzler zusätzlich erleichtert durch Günter Grass: Willy Brandts Blechtrommler war offenbar zu der Erkenntnis gekommen, daß er mit seiner Novelle "Krebsgang" genug verdient hat - der Mohr (in Form der fast 10.000 Toten von der "Wilhelm Gustloff") hat seine Schuldigkeit getan, er kann nun wieder in der Versenkung verschwinden.

Wen wundert es da noch, daß sich nun auch Joschka Fischer dieses Themas, das ihn sonst überhaupt nicht interessiert, bemächtigte: So leicht lassen die Grünen sich von niemandem übertreffen in ihrem blindwütigen Haß auf jeden Deutschen, der Opfer und nicht nur Täter sein will.

PS: Woche für Woche wird uns im Fernseh-Politbarometer verkündet, der Herr Bundesaußenminister sei der populärste Politiker Deutschlands. Fragt sich nur, wer da eigentlich immer gefragt wird ... H. J. M.