© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. September 2003


Präsidentschaftskandidat gesucht
Bei den Demokraten beginnt die Vorentscheidung für die US-Wahl 
von K. P. Gerigk

Der Vorwahlkampf in den USA hat begonnen, und die Herausforderer von George W. Bush bringen sich in Stellung. Zwar sind die Vorausscheidungen noch nicht abgeschlossen, doch gibt es zwei aussichtsreiche Bewerber für die Funktion des Präsidentschaftskandidaten bei den Demokraten. Da ist erst einmal Joseph Lieberman, der schon im Wahlkampf 2000 die Kandidatur von Clintons Intimus Al Gore wenn auch mehr halbherzig als überzeugend unterstützte.

Joseph Lieberman selbst ist deutschstämmiger Jude. Die Familie der Liebermans kommt ursprünglich aus Österreich und ist in mehreren Schüben nach Deutschland, in die USA und nach Australien ausgewandert. Lieberman wahrt die Interessen der amerikanischen Juden im "Democratic leadership Council". Dies ist eine Organisation innerhalb der Demokratischen Partei der USA, deren Ziele eine weitere Markt-Liberalisierung, Ausweitung des Militärbudgets und eine Neu- und Umstrukturierung der Regierungsmacht in den USA sind. Es ist anzunehmen, daß Lieberman eher weiter eine zweite Geige in der Demokratischen Partei spielen will, als selbst gegen Bush zu kandidieren, da seine persönlichen Chancen in dem doch mehrheitlich von Christen bewohnten USA weniger erfolgreich sein dürften als die seines Mitbewerbers Howard Dean, des smarten und telegenen Gouverneurs von Vermont. Vermutlich wird Lieberman wie seinerzeit schon bei Al Gore für Dean den Wahlkampfstrategen und Geldbeschaffer spielen.

Howard Dean wurde 1991 mit dem Tod des damaligen Gouverneurs Richard Snelling dessen demokratischer Nachfolger. Er studierte Physik bis zum Baccalaureus an der renommierten Yale-Universität und erhielt seine medizinische Qualifikation (Medical Doctor) vom Albert-Einstein-Institut in New York. Er wurde 1982 in das Parlament von Vermont gewählt und avancierte zum stellvertretenden Gouverneur. Wie Al Gore und Lieberman muß man Dean zur "Clinton-Fraktion" zählen, die schon Carter massiv finanziell und logistisch unterstützte. Dies sind vor allem die kapitalkräftigen Firmen der Ostküste der USA gewesen, jene, die auch Hillary Clinton bei ihrer Wahl in New York unterstützten - also jene reichen US-Amerikaner, die im Winter nach Florida und Los Angeles (L. A.) reisen, um dem kalten New Yorker Winter zu entfliehen und sich dort an "Rollerball" (einer rustikalen Form des Eisschnellaufs auf Rollschuhen) und "American Football" zu erfreuen.

Die Verhältnisse in der Demokratischen Partei haben sich nach den Kennedys und seit Martin-Luther King entscheidend geändert. Seit Carter, der wie Clinton auch eine wichtige Rolle im Friedensprozeß des Nahen Ostens gespielt hat, sind gerade die Wählerschaften der Demokraten andere geworden. Baptistische Priester peitschen vor allem ihre schwarzen Anhänger auf die Seite der Demokraten. Freiheit und Gleichheit in christlichem Sinne werden gepredigt und scheinen nur durch die Demokraten Wirklichkeit werden zu können. Auch Howard Dean hat den Charme eines liberalen Predigers, wenn man ihn auf CNN über soziale Gleichheit reden hört.

Die Abhängigkeit der Demokratischen Partei von ihren Geldgebern mag nicht größer sein als die der Republikaner. Seit den 70er Jahren wird jedoch durch die Demokraten eine sehr "weiche" Politik betrieben. Genau das war der Kritikpunkt an Carter, und die ökonomischen Erfolge Clintons fußen eher auf dem "Return on Investment" (dem Gewinnrückfluß der Investitionen) der Reagan-Zeit, als daß sie geniale demokratische Politik gewesen wären. Auch die propagierten Erfolge Deans in Vermont sind die Ergebnisse einer antizyklischen Wirtschaftspolitik seines Vorgängers Richard Snelling. Nichtsdestotrotz hätte George W. Bush in Howard Dean, sollte er wirklich Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden, einen nicht zu unterschätzenden Herausforderer.

Wen schicken die Demokraten ins Rennen? Howard Dean (l.) und Joseph Lieberman würden beide gerne gegen George W. Bush antreten.

Fotos: Vermont, Conneticut