© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. September 2003


Auf Spurensuche
Preußen heute: Stadtführer und Ausstellung

In Hollywood gehört es zur Pflichtübung der Touristen, dorthin zu fahren, wo die Stars und Sternchen wohnen. Einmal über den Zaun blicken und sehen, wie der X, die Y leben. Meist gelingt es natürlich nicht, auch nur eine Ahnung zu erlangen, zu sehr haben sich die Großen der Leinwand abgeschottet. Berlin ist nun nicht Hollywood, aber auch dort kann man auf Spurensuche nach den Großen von Bühne und Leinwand, der Literatur, Musik oder auch Politik gehen. Wo haben sie gelebt? Wo entstanden ihre Ideen, ihre Werke? Fragen, die ein kleiner und kurzweiliger Reiseführer aus dem Prestel Verlag beantwortet: Wer lebte wo in Berlin von Christiane Kruse (72 Seiten, zahlr. Abb., vorwiegend in Farbe, Klappbroschur, 7,95 Euro). In alphabetischer Reihenfolge stellt das Buch 58 Persönlichkeiten vor und führt zu den Plätzen, an denen sie gelebt haben. Übersichtskarten in beiden Klappen helfen bei der Orientierung.

Von Albert Begas bis Heinrich Zille reicht die bunte Reihe. Dem Bildhauer Arno Breker begegnet man ebenso wie dem Schriftsteller Alfred Döblin aus Stettin, der nun keineswegs am Berliner Alexanderplatz lebte, wie sein erfolgreichster Roman vermuten läßt, sondern am Kaiserdamm in Charlottenburg. Man trifft auf Käthe Kruse, die Puppenmacherin aus Breslau, den ebenfalls aus Breslau stammenden Adolph Menzel, auf den Architekten Hans Scharoun und seinen Kollegen Erich Mendelsohn. Der Allensteiner baute sich ein Haus am Rupenhorn in Charlottenburg, das als Beispiel sei- nes avantgardistischen Schaffens gilt.

Die Palette der Prominenten ist bunt in diesem Buch. Leider jedoch finden sich keine Hinweise auf die Ostpreußen Lovis Corinth, der seine Wohnung und sein Atelier in der Klopstockstraße 52/48 hatte (dort arbeiteten vor ihm Karl Stauffer-Bern, ein Lehrer der Käthe Kollwitz, und Walter Leistikow aus Bromberg), oder Hermann Sudermann, der im Grunewald eine Villa bewohnte. Das Wohnhaus von Käthe Kollwitz in der Weißenburger Straße 25 wurde im November 1943 ein Opfer der Bomben.

Wer für eine Besichtigungstour durch Berlin und auch Potsdam nur wenig Zeit hat, dem seien zwei unterhaltsame Reiseführer aus dem Hamburger L & H Verlag empfohlen: Berlin in 24 Stunden von Reiner Elwers und Potsdam in 24 Stunden von Birgit Freitag (jeweils 158 Seiten, zahlr. sw und farbige Abb., diverse Übersichts- und Detailkarten, brosch., je 8,90 Euro). 24 Stunden für zwei Städte, die vor lauter Sehenswürdigkeiten geradezu bersten? Nun, diese Zeit reicht durchaus, glaubt man den Autoren, für die wichtigsten Höhepunkte. Ein erster kurzer Blick macht ganz gewiß Lust auf mehr. Und auch dafür sind beide Reiseführer geeignet, bieten sie doch eine Fülle von Informationen und Fakten. Der Witz an diesen Führern ist jedoch, daß man ein Auto nicht benötigt für die angegebenen Touren - alles erreicht man mit öffentlichen Verkehrsmitteln und durch einen kurzen Fußweg.

Wer sich nun noch eingehender mit der Geschichte Potsdams befassen möchte, der kann dies auf einer Sonderausstellung tun, die gerade eröffnet wurde und noch bis zum 28. März 2004 im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Kutschstall am Neuen Markt, unter dem Titel "Königliche Visionen. Potsdam - eine Stadt in der Mitte Europas" zu sehen ist (dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr, am Wochen-ende 10 bis 18 Uhr). Ausgestellt werden Bestände aus der um-fangreichen Sammlung des Museums, die zeigen, welche äußeren Einflüsse wirkten, um Pots- dam zu dem zu machen, was es heute ist: eine europäische Stadt voller Charme. Os