© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. September 2003


Goldene Früchte
Geschichten rund um den Kürbis

In die Literatur und Musikgeschichte eingegangen ist er bereits vor mehr als drei Jahrhunderten, der Kürbis, der jetzt allerorten auf Wochenmärkten und in Hofläden angeboten wird. In einem Gärtchen am Pregel vor dem Honigtor trafen sich an sonnigen Sonntagnachmittagen Männer, die sich der Poeterei verschrieben hatten: Robert Roberthin, Simon Dach und Heinrich Albert, dem das Gärtchen gehörte, waren darunter. Sie bildeten den "Königsberger Dichterkreis", der nie mehr als zwölf Mitglieder zählte. In dem Gärtchen stand eine Laube, die von Kürbissen umwachsen war, die sogenannte "Kürbishütte". Dort saßen die Freunde zusammen, ritzten ihre Namen und kurze Reime in die kräftige Schale der Früchte. Der Memeler Simon Dach schwärmte begeistert: "... Hie schöpfft ich Lufft und Ruh/ Und sahe durch daß Laub den schnellen Wolcken zu,/ Die mit dem sanfften Ost wie umb die Wette flogen .../ Wie manches Lied hab ich zu der Zeit auffgesetzt,/ Mit dem sich Königsberg noch diese Stund ergetzt ..." Dort entstanden die schönsten Verse, die Heinrich Albert schließlich vertonte und 1641 unter dem Titel "Musikalische Kürbshütte" herausbrachte.

Ob die Freunde jemals versucht haben, von den Früchten zu kosten, ist unbekannt, für sie stand der Kürbis in seiner Vergänglichkeit auch für die Vergänglichkeit des Lebens schlechthin. Heinrich Albert: "Mit der Zeit ich kommen bin/ Fall auch mit der Zeit dahin.../ Wenn der rauhe Herbst nun kömpt/ Fall ich ab/ und muß verderben./ Wenn dein Ziel dir ist bestimmt/ Armer Mensch/ so mustu sterben."

Lange vor der Einführung des Speisekürbis in Europa - man kannte bis dahin nur den aus Afrika stammenden Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria) und den Wachskürbis (Benincasa hispida) - hatte man schon eigene Bezeichnungen für diese Frucht. Im Althochdeutschen sprach man vom "churpiz", offensichtlich angelehnt an das lateinische "curcubita". In den verschiedenen Mundarten wurde daraus aus "Kerwes", "Kürwes" oder "Kürbs".

Die Heimat der Speisekürbisse, die es heute in über 800 namentlich bekannten Sorten und in vielen Farben und Formen gibt, liegt in Mittel- und Südamerika. Dort bauten bereits vor 8000 Jahren die Ureinwohner von Peru und Mexiko Kürbisse als Nahrungsmittel an. Auch nordamerikanische Indianer schätzten ihn als Nahrung neben Mais und Bohnen. Der uns heute bekannte Kürbis soll von dem texanischen Kürbis (Curcurbita texana) abstammen, der im Laufe der Zeit von Bitterstoffen befreit wurde, allerdings meist nur in gekochtem oder gebratenem Zustand mundet.

Die einheimischen Sorten werden zwischen August und Ok- tober geerntet, die überseeischen zwischen Dezember und März. Sie sind reich an Ballaststoffen, Kalium, Vitamin A und Folsäure. Außerdem enthalten sie Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Calcium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Vitamine B1 und B2, Niacin und C. Ganze Kürbisse halten sich bei Raumtemperatur zwei Wochen, Stücke in Folie eingeschlagen drei Tage im Gemüsefach. Da Kürbisse keinen Eigengeschmack haben, sollte man sie immer gut würzen.

SiS