© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. September 2003


Von Mensch zu Mensch

Ein Leben im Dienste der Völkerverständigung und im Zeichen der Nächstenliebe - treffender kann man das Wirken von Hans-Ulrich Karalus wohl kaum beschreiben. Am 12. August vollendete er sein 80. Lebensjahr. Für viele ist das ein Alter zum Ausruhen und Rück-blick zu halten. Nicht für Hans-Ulrich Karalus. Er ist nach wie vor ein Mann der Tat, der nach vorne blickt, voller Pläne und Schaffenskraft ist. Ein reich bewegtes Leben liegt hinter ihm, wie auch für viele andere seines Jahrgangs 1923, dem sogenannten "Stalingrad-Jahrgang", der so viele Opfer bringen mußte. Auch Hans-Ulrich Karalus war dort in einem kurzen Einsatz und wurde verwundet ausgeflogen. Ein Schlüsselerlebnis, das sein späteres Leben mitbestimmte und ihn zu der Überzeugung brachte, daß sich so etwas nie wiederholen dürfe.

Hans-Ulrich Karalus ist ein echter Ostpreuße, als den ihn schon seine unverkennbare Aussprache sofort ausweist. Er wurde in Sillenfelde im Kreis Angerapp als Sohn eines Landwirts geboren. Nach dem Schulbesuch ging er auf dem elterlichen Betrieb in die Lehre und besuchte die Landwirtschaftsschule in Insterburg. Ab Januar 1942 war er als Soldat an der Front. Gegen Kriegsende war seine Einheit in schwere Kämpfe verwickelt. Das Kriegsende selbst erlebte er dann später in der Steiermark. Seine gesamte Reitereinheit wurde im Juni 1945 mit den Pferden nach Ludwigsburg in Württemberg transportiert und in Aalen von den ebenfalls pferdebegeisterten Engländern ins Zivilleben entlassen.

Im Südwesten Deutschlands lernte er seine spätere Frau Lore kennen, die ihm eine treue Wegbegleiterin wurde. Er vollendete seine Ausbildung als landwirtschaftlicher Meister und Agraringenieur. Sein Berufsweg führte ihn dann nach Hessen, wo er als Gutsinspektor des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen tätig wurde. Eine schwere Erkrankung zwang ihn zum Ausscheiden aus dem Berufsleben. Nach Besserung seines Gesundheitszustandes wandte er sich dem Dienst an der Allgemeinheit zu. Nachdem er schon seit 24 Jahren im Vorstand der evangelischen Christusgemeinde in Heppenheim tätig war, war es jetzt die Arbeit für die Heimat im Osten, für die er sich voll engagierte. Seine Frau Lore wurde ihm dabei eine unentbehrliche Hilfe. Als gebürtige Schwäbin entdeckte sie ihre Liebe zu der Region und den heimatvertriebenen Menschen und lernte auf gemeinsamen Reisen mit ihrem Mann seine Heimat kennen.

Hans-Ulrich Karalus ist aktiv im Bund der Vertriebenen tätig. 1985 gründete er die Landsmannschaft der Ostseedeutschen, Kreisgruppe Bergstraße, in Heppenheim, die mit ihren Veranstaltungen, bisher mehr als 30 Preußische Tafelrunden, weit über Heppenheim hinaus bekannt ist. Es war ein schwerer Schicksalsschlag für ihn, als seine Lore 1995 viel zu früh aus dem Leben schied. Doch das Leben geht weiter. Nachdem mit seiner Hilfe die Kirche in Langgut, bekannt durch das Wirken von Graf Lehndorf, renoviert wurde, gilt seine Hilfe jetzt dem nördlichen Teil Ostpreußens. Mehr als 40 Hilfstransporte für Krankenhäuser, Waisenhäuser und Kinderheime organisierte er bisher.

Auch ein Holzverarbeitungsbetrieb bei Labiau ist mit dem von ihm 1997 gegründeten Verein "Partnerschaft Ostpreußen e.V." eng verbunden. Es folgt nun der Aufbau eines 200 Hektar großen landwirtschaftlichen Betriebs sowie eine Siedlung mit vier Einfamilienhäusern und einem Sozialkulturellem Zentrum.

In Anerkennung seiner Verdienste erhielt Hans-Ulrich Karalus den Ehrenbrief des Landes Hessen, das Bundesverdienstkreuz am Band sowie Plakette und Urkunde für Verdienste um das Vereinsleben im Kreis Bergstraße. Dazu kommen noch weitere Ehrungen des BdV und der Landsmannschaft.

Zu seinem Ehrentag gratulieren Freunde und Helfer sowie seine drei Söhne mit ihren Frauen und den zwei Enkelkindern.