© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. September 2003


Tod war stets gegenwärtig
Überlebenskampf eines Soldaten im Zweiten Weltkrieg

Auf die ersten Leichen stieß ich beim Marsch in Richtung Erikaschneise, als ich einige Meter in einen Wald ging. Auf einer freien Fläche von wenigen Quadratmetern lagen nebeneinander aufgereiht zehn schwarze verweste Leichen, wahrscheinlich Verwundete vom letzten Winter, die mich restlos erschütterten." "Ich mußte mit meinem Klappspaten ein zähes Hindernis beseitigen. Es handelte sich um den Arm und einen Teil der Schulter eines toten Russen ...." "Durch den direkten Beschuß hatten wir so viele Ausfälle, daß ich als Gruppenführer auf der anderen Seite ein eingebautes MG besetzen mußte." "Da auch die Essensträger immer wieder hohe Ausfälle hatten, bestand unsere Verpflegung fast ausschließlich aus Graupensuppe." Ausfälle, Verluste, Leichen; wie man sieht, drehte sich das Leben des Schützenleutnant Günter Gregorg um den Tod und das Überleben, dem gemäß heißt sein Erlebnisbericht auch "Parole: Überleben!"

"Parole: Überleben!" hat aber nicht nur das Sterben und den Überlebenskampf zum Thema. Der Autor berichtet auch von seiner Leichtathletik-Karriere als "Olga" in Königsberg, von seiner Ausbildung beim Finanzamt-Süd und dem Versuch, trotz Krieg, Tod und Zerstörung, das Leben, so gut es ging, zu genießen. Das ist Günter Gregorg zeitweise auch gelungen. Während eines Genesungsaufenthalts in der Pregelmetropole feierte er mit anderen Front- urlaubern und manchem süßen Mädchen so, als wenn es das letzte Mal wäre. Sie alle blendeten den Krieg und die Fronterlebnisse aus, verdrängten den Tod guter Freunde und Kameraden. Trotz allem zog es den 20jährigen von alleine wieder an die Front, nicht daß er an den Endsieg oder Hitlers Ziele glaubte, er wollte seine Kameraden nur nicht alleine lassen.

Als er in Kriegsgefangenschaft kommt und erkennen muß, daß eine Flucht aussichtslos ist, verändert sich seine Gefühlslage. "Es war ganz eigenartig, denn nach den ersten Versuchen, uns umzubringen, hatte ich keine Todesangst mehr, war aber auch nicht apathisch, sondern eher gelassen."

Günter Gregorg hat überlebt. Grauenhaftes hat er für ein Leben mehr als genug gesehen, doch er hat immer wieder aus sich selbst Tatkraft geschöpft. Dies erstaunte auch seine Freunde, und sie ermunterten ihn, dieses Buch zu schreiben.

"Parole: Überleben!" dokumentiert die Erlebnisse des Autors ziemlich nüchtern, manchmal ist der Autor in seiner Beschreibung des Grauens sogar erschreckend sachlich; aber mußte er sich nicht auch dem Erlebten emotional verschließen um sein Ziel, das Überleben, zu erreichen? R. B.

Günter Gregorg: "Parole: Überleben! Als Schützenleutnant an der Ostfront", Bublies Verlag, Schnellbach 2002, broschiert, zahlr. Abb., 172 Seiten, 14,95 Euro