© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 01. November 2003


"Altweibersommer" in Heidemühle
Heimatverbliebene aus Allenstein und Neidenburg feierten mit der Kreisgemeinschaft Neidenburg

Im kleinen Dorf Heidemühle bei Neidenburg, wo zwei Drittel der Bewohner deutscher Abstammung sind und der Vorsitzende der Neidenburger Gesellschaft Deutscher Minderheit, Albert Wylengowski, zu Hause ist, feierten die Allensteiner und die Neidenburger Gesellschaft Deutscher Minderheit "Altweibersommer".

Um die Teiche spazierend, die Natur sowie die deutschen Heimat- und Volkslieder genießend, nahm man Abschied vom Sommer und begrüßte den Herbst. Von jeder der beiden Gesellschaften nahmen rund hundert Mitglieder teil. Dazu gesellten sich als Gäste die Vertreter der Kreisgemeinschaft Neidenburg, Marion Haedge, Ehepaar Celler und Herr Engelhardt.

Die Idee, ein solches Fest zu organisieren, entstand vor ein paar Monaten. Das Motiv der beiden sehr gut zusammenarbeitenden Gesellschaftsvorstände war der Wunsch, daß sich die Mitglieder der deutschen Volksgruppe in Allenstein und Neidenburg besser kennenlernen. Seit bereits drei Jahren verbringen die kleinen Neidenburger und Allensteiner zusammen die Sommerferien. 2001 waren sie gemeinsam in Passenheim, 2002 in Bansen und Steegnen sowie dieses Jahr in Bansen. Immer mehr Jugendliche aus dem Kreis Neidenburg fuhren zu den Veranstaltungen der Jugendgruppe der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit, "Ermis", und nahmen aktiv an der Tätigkeit dieser Gruppe teil. Auf der anderen Seite verbrachte "Ermis" dieses Jahr schon drei Wochenenden in Heidemühle. Man kann da schon von Tradition sprechen. Das alles wurde jedoch als noch nicht ausreichend empfunden, denn wichtig ist auch, daß sich die Senioren und die mittlere Generation beider Gesellschaften kennenlernen, und so kam es zu dieser gemeinsamen festlichen Verabschie-

dung des Sommers und Begrüßung des Herbstes.

Nach der Begrüßung der Festgemeinde durch Albert Wylengowski und Marion Haedge konnten die Festteilnehmer bei Kaffee und Kuchen erste Bekanntschaften machen. Dann sang der Chor der Allensteiner Gesellschaft Deutsche Minderheit "Das Vaterhaus" unter Leitung von Herrn Kwas. Ihm folgte der Chor der Neidenburger Gesellschaft unter der Leitung des Abiturienten Dawid Banach. Das Lied "Im schönsten Wiesengrunde" sangen die Chöre dann gemeinsam. Neben ihrem Chor hatten die Allensteiner auch ihre Musik- und Tanzgruppe "Trampel" mitgebracht. Die Kinder und Jugendlichen gaben mit ihren Trachten vor grünem Hintergrund ein schönes Bild ab, und ihre Lieder und Tänze lockten die Sonne hervor, sowohl die Sonne am Himmel als auch die Sonne im Herzen.

Nach dem Kulturprogramm konnte man sich mit Würstchen, schmackhaftem Salat und Getränken wieder stärken. In manchen Ecken hörte man die Senioren alte Heimatlieder singen, doch nicht nur ältere, sondern auch ein paar jüngere Gesichter waren auf der Feier zu sehen. Die Gastgeber hatten auch an eine Tanzfläche gedacht, und als deutsche Schlager gespielt wurden, begaben sich ein paar Festteilnehmer zum Tanzen. Die Dunkelheit und die Herbstkälte haben die Tanzenden dabei gar nicht bemerkt. Sie zeigten, daß sich auch zu Schlagern aus den 60er und 70er Jahren gut schwofen läßt. Bemerkenswert ist noch, daß die Allensteiner von den Neidenburgern schwer zu unterscheiden waren - sie sprachen, sangen und tanzten miteinander.

Nach dieser angemessenen Verabschiedung des Sommers und Begrüßung des Herbstes bleibt nur noch die Frage zu beantworten: "Wann und wo sehen wir uns wieder und sind wieder froh?"

Sabina Wylengowska

Pflege deutschen Musikgutes: Bei Gesang, Tanz und Gespräch bot sich für die Angehörigen der deutschen Volksgruppe aus Allenstein und Neidenburg die Möglichkeit zum Kennenlernen. Foto: Wylengowska