© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. Dezember 2003


Goldenes Ehrenzeichen

Am 30. Dezember 1924 erblickte Herbert Beister in Königsberg das Licht der Welt. Er besuchte in seiner Vaterstadt die Burgschule. Da er, wie viele seines Jahrgangs, bereits 1942 Soldat und Kriegsteilnehmer wurde, konnte er die Schule nicht bis zur Hochschulreife besuchen. Beister kam zur Luftwaffe und wurde zum Jagdflieger ausgebildet. Mit dem Fernjäger Focke-Wulf 190 kämpfte er im letzten Kriegsjahr auch an der Seite des legendären Oberst Ulrich Rudel, dem er bei der Panzerbekämpfung Jagdschutz gewährte. Die Kameradschaft zu Rudel, der nach dem Krieg in der Bundesrepublik Persona non grata wurde, hielt bis zu dessen Tod.

Nach Kriegsende kam Herbert Beister in amerikanische Gefangenschaft, aus der er glücklicherweise nach wenigen Monaten entlassen wurde. Nach Zwischenstationen in München und Oldenburg, dort fand er seine Familie wieder, erwarb er als Autodidakt die Hochschulreife. Er studierte in Darmstadt und Oldenburg und schloß das Studium zum Tiefbau-Diplomingenieur erfolgreich ab.

Beisters Berufsweg führte ihn zunächst zu Krupp nach Duisburg. Für seine Firma ging er nach Indien und baute dort ein Hüttenwerk. 1961 wechselte er zur Gutenhoffnungshütte, er konnte dort den steilen Aufstieg seines ostpreußischen Landsmannes Friedrich-Wilhelm von Menges zum Spitzenmanager der Bundesrepublik begleiten. Beister wurde innerhalb seines Konzerns zum Geschäftsführer bei EBE-Ferrostahl bestellt. Er betrieb weltweit die Akquisition für seine Firma. 1966 sehen wir ihn in Indonesien, wo er in recht kurzer Zeit eine Reifenfabrik und einen Stahlkomplex aufbaut. Hier kommt es zu einer persönlichen Bekanntschaft mit dem indonesischen Staatspräsidenten Suharto.

1973 kommt es aufgrund der Bemühungen Beisters zu einem ersten Joint-venture seiner Firma in der Sowjetunion. Seine Sondierungen, auch etwas für Königsberg zu tun, waren damals erfolglos, die Zeit war noch nicht reif. 1989 erfolgte dann sein erster Besuch in Königsberg, durch Sondergenehmigung des damaligen sowjetischen Außenministers ermöglicht. Königsberg öffnete sich bekanntlich erst zum 14. April 1991.

1990, nach dem zweiten Besuch in seiner Vaterstadt nach 1945, ging es dann Schlag auf Schlag. Königsberg rückte voll in Beisters Blickfeld.

Noch im gleichen Jahr gründete Herbert Beister zusammen mit Fried- rich-Wilhelm von Menges und Fried von der Groeben die Stiftung Königsberg. 1991 beschloß die Stiftung mit Unterstützung des BMI, das Deutsch-Russische Haus in Königsberg zu errichten.

Ebenfalls noch 1991 - und das zeigt, wie arbeitsintensiv Beisters Alltag war - baute seine Firma, durch ihn federführend begleitet, eine Aluminiumhütte in Nigeria. Dafür verlieh ihm die Staatliche Universität des Landes den Ehren- doktorhut. Parallel zum Bau des Deutsch-Russischen Hauses nahm Dr. Herbert Beister mit seiner Stiftung und unterstützt von anderen ostpreußischen Organisationen, den Wiederaufbau des Domes in Angriff.

Aufgrund Beisters Fürsprache wurde durch seine Firma in Königsberg ein Joint-venture-Unternehmen gegründet. Allerdings, das war Beister von Anfang an klar, Großgeschäfte konnte man zur damaligen Zeit in Königsberg nicht machen. Im März 1993 wurde durch den damaligen parlamentarischen Staatssekretär im BMI, Horst Waffenschmidt, das Deutsch-Russische Haus eingeweiht. Dieses Haus ist Eigentum der Stiftung Königsberg. Zunächst wurde das Haus durch die Stiftung gemanagt, später übernahm die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) die Geschäftsführung zu 90 Prozent. Das Haus ist heute ein bedeutsamer kultureller und wirtschaftlicher Faktor in Königsberg.

Nach dem Tod von Friedrich-Wilhelm von Menges übernahm Herbert Beister dessen Anteil an der Stiftung.

Beister baute in Königsberg das Deutsche Haus, in dem ein Büro für die Stiftung eingerichtet wurde. In diesem Haus sind auch Geschäftsstellen der Zeit-Stiftung, der Bosch-Stiftung und der Möllgard-Stiftung untergebracht. Frühzeitig nahm Dr. Beister Verbindung zur Staatlichen Königsberger Universität auf. Er initiierte durch uneigennützige Hilfeleistung für die Hochschule deren Modernisierungsprozeß durch Bereitstellung von modernen Computern und die Förderung von Gastprofessuren aus dem Westen.

Mit der 450-Jahr-Feier der Albertina-Universität 1994 gelang nach dem Deutsch-Russischen Haus ein zweites großes Gemeinschaftsprojekt, bei dem Herbert Beister führend beteiligt war. Damit, und mit weiteren Hilfen für die Region, wurde Dr. Beister zu einem Motor für den deutsch-russischen Normalisierungsprozeß im Königsberger Gebiet.

Am 30. November 1999 zeichnete ihn die Staatliche Universität in seiner Vaterstadt mit einem weiteren Ehrendoktorhut aus. Auch der noch nicht abgeschlossene Prozeß der Wiederherstellung des Königsberger Domes wäre ohne Mitwirkung des Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Königsberg bei weitem nicht so vorangekommen, wie dies tatsächlich der Fall ist.

Er war es, der die Arbeitsgemeinschaft "Wiederaufbau Königsberger Dom" ins Leben rief, und dieser Arbeitsgemeinschaft gehören neben seiner Stiftung die LO, die Stadtgemeinschaft Königsberg und die Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen an. Heizung, Orgel, Gestühl, das Epitaph Herzog Albrechts und anderes für das Innere des Domes sind die Zukunftsaufgaben der Arbeitsgemeinschaft.

Um seiner Vaterstadt ein wenig deutsche Identität zurückzugeben, hat Herbert Beister bereits das nächste Projekt ins Auge gefaßt. Es ist die Wiedererrichtung des Herzog-Albrecht-Denkmals in der Stadt, ein Vorhaben mit einem Finanzbedarf von etwa 80.000 Euro. Er wird auch dieses Projekt realisieren, wenn ihm die Königsberger und die Ostpreußen helfen.

Beister sorgte auch dafür, daß die Firma Schnieder-Reisen, an der er selbst ein wenig beteiligt ist, schon frühzeitig ein Büro in Königsberg einrichtete. Tausenden Landsleuten wurde Schnieder-Reisen durch Visum-Beschaffung oder Reiseorganisation zu einer Hilfe beim Besuch der Heimat.

Beister ist seit acht Jahren Mitglied der Ostpreußischen Landesvertretung und stellvertretender Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Königsberg. Auch die Stadtgemeinschaft Königsberg genießt mit einem Verbindungsbüro Gastrecht im Haus der Stiftung Königsberg in der Pregel-Metropole. Die Verbindungen, die Dr. Beister persönlich zur Gebietsadministration und zu Gouverneur Jegerow geknüpft hat, sind für die Stadtgemeinschaft und die LO von Bedeutung.

Die Landsmannschaft Ostpreußen verleiht Herrn Dr. h. c. Herbert Beister für seine hervorragenden Verdienste um Ostpreußen und Deutschland sowie für den deutsch-russischen Normalisierungsprozeß das

Goldene Ehrenzeichen