© Preußische Allgemeine Zeitung / 28. Februar 2004

Merkwürdige Ehrung in Pommern
Gedenktafel für polnisch-kaschubischen "Befreier"

In der pommerschen Hansestadt Greifswald wurde jetzt eine ehrende Gedenktafel für den polnischen Historiker und Politiker Aleksander Majkowski angebracht. Aleksander Majkowski (1876-1938) hat von 1900 bis 1901 in Greifswald Medizin studiert. Er hat wesentliche Werke der nationalpolnischen Sicht der Geschichte der Kaschuben geschrieben, die seiner Deutung nach einst von der Weichsel bis zur Peenequelle siedelten. Da er sich für die Wiedererstehung eines kaschubisch-pommersch-polnischen Staates im Gebiet zwischen Danzig und Rostock einsetzte, kam er nach Greifswald, um an der Peene Anhänger für die "Befreiung" von preußisch-deutscher Herrschaft zu finden. Doch anders als heute wurde damals antideutsche Propaganda - zumal auf Staatskosten - nicht geduldet. Aleksander Majkowski flog 1901 zusammen mit Julian Domanski aus der Universität Greifswald, weil sie "agitatorisch" die Gründung eines polnischen Arbeitervereins betrieben hatten.

So aber ändern sich die Zeiten. Bei der Enthüllung der Gedenktafel würdigten der Rektor der Greifswalder Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Prof. Dr. Rainer Westermann, und Greifswalds Oberbürgermeister Dr. Arthur König den Kaschuben-Politiker. Der Rektor der Danziger Universität, Prof. Dr. Andrzej Ceynowa, und Prof. Dr. Józef Borzyszkowski von der Kaschubisch-Pommerschen Vereinigung enthüllten die Gedenktafel an dem Haus, in dem Aleksander Majkowski in Greifswald gewohnt hatte.

Für Józef Borzyszkowski sind die Kaschuben, die heute ungefähr 50.000 Personen stark sind, "keine homogene Gruppe ausschließlich dörflicher Bevölkerung, obwohl unter ihnen, auch in städtischen Gebieten, ein folkloristischer Kulturtypus dominiert". Borzyszkowski, Professor an der Universität Danzig und Direktor des Kaschubischen Instituts Danzig, bemängelte, daß die Bedeutung der kaschubischen Kultur auch heute noch nicht richtig gewürdigt werde. Er hat viel über Majkowski geschrieben, 2002 erschien seine Biographie über Majkowski. Auszüge aus seiner Biographie stellte er abends in seinem Vortrag "Der Arzt, Schriftsteller und Politiker Aleksander Majkowski (1876-1938) - Begründer der Bewegung der Jungkaschuben" im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald vor.

Doch die Ehrung war in Greifswald nicht unumstritten. Schließlich fühlen sich nicht wenige Einwohner im heutigen Vorpommern durch die Gebietsansprüche des nur vermeintlich harmlosen Folklore-Forschers bedroht. Denn in seinem Vorwort zu seiner "Geschichte der Kaschuben", die 1931 in Danzig erschien, sagte Aleksander Majkowski von sich, daß er ein "Pommer" sei, der die "Wiedergeburt der Kaschuben anstrebt und davon träumt, aus den Überbleibseln der Germanisierung ein neues großes Reich zu errichten".

In diesem Sinne wollte der Student Majkowski die Einwohner Greifswalds an ihre kaschubischen Wurzeln erinnern und gründete daher 1901 einen "Verein polnischer Arbeiter" in Greifswald. Der Oberpedell der Universität, Kölke, meldete dies der Polizei, die die Universitätsleitung informierte. Die Hochschule bestrafte Majkowski und Domanski mit dem Rauswurf. In der Begründung heißt es dazu:

"In einer deutschen Stadt, an einer deutschen Universität, kann nicht ein Finger breit Raum Bestrebungen zugestanden werden, die auf das mehr oder weniger beabsichtigte Ziel hinsteuern, die sprachlichen und volkstümlichen Unterschiede zwischen den Unterthanen der Krone Preußens zur unüberbrückbaren Kluft erweitern."

Doch Majkowski konnte von der schon damals gelebten Kulturhoheit der Länder profitieren und sein Studium in Bayern an der Münchner Universität fortsetzen und beenden.

Auf diese Zusammenhänge hat der in Greifswald bekannte Journalist und Universitätshistoriker Dr. Eckhard Oberdörfer in einem Beitrag "Aleksander Majkowski als Student in Greifswald" für die Kulturzeitschrift Pommern (Anmerkung: Nicht zu verwechseln mit der Pommerschen Zeitung) hingewiesen. Der damalige Hohenzollernstaat habe sich bei dem von Majkowski geplanten Angriff auf seine territoriale Integrität nicht anders verhalten "als die modernen Staaten heute", schreibt Eckhard Oberdörfer.

Nach dem Ersten Weltkrieg zeigte Majkowski, wie seine Vision in der Realität aussehen sollte. Er stellte sich und seine "Jungkaschubische Gesellschaft", deren Geschäftsführer er war, in den Dienst des polnischen Staates. Warschau beauftragte ihn unter anderem damit, in der Kaschubei den Verlauf der deutsch-polnischen Grenze festzulegen. F. Nolopp


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