© Preußische Allgemeine Zeitung / 28. Februar 2004

Mit Berliner Effizienz
von Ronald Gläser

Bildungspolitik steht seit Jahresbeginn ganz weit oben auf der politischen Prioritätenliste der Bundesregierung. Die Sprechblasenpolitik von Gerhard Schröder wurde um einen neuen Begriff ergänzt: Elite-Universität.

In Wirklichkeit hat Schröder nur Nebelkerzen angezündet. Mit dem zu erwartenden Gezeter seiner Genossen über das Reizwort überdeckt er die Kritik am neuerlichen Versuch, Teile des Volksvermögens zu verfrühstücken.

Irgend jemand in Berlin oder Frankfurt ist nämlich auf die grandiose Idee gekommen, 400 bis 600 Tonnen Bundesbankgold zu verkaufen. Das sind annähernd 20 Prozent der Goldreserven. Der Zinsertrag aus dem Erlös soll der Bildungspolitik dienen.

Kapital bringt Zinsen, während Gold vor sich hinschimmelt, haben sich die rot-grünen Politstrategen wohl gedacht. Daß das Gold als Reserve für Krisenzeiten gedacht ist, stört niemanden. Und überhaupt: Wer würde bestreiten, daß wir eine Krise durchleben? Selbst die FDP ist dafür, nur die Union mauert noch.

Es darf jedoch stark bezweifelt werden, daß Schröders Genossen nun eine neue nationale Elite ausbilden. In den Ländern praktiziert die SPD das Gegenteil. In Berlin wird bei den 240 Privatschulen gerade kräftig gestrichen.

Insbesondere konfessionelle Gymnasien sind der PDS ein Dorn im Auge. So zum Beispiel das katholische Canisius-Kolleg oder das evangelische Graue Kloster. Beide Gymnasien gehören zu den besten der Stadt. Sie arbeiten zudem effizienter. Für jeden Euro, den das Land für ein Kind an einer staatlichen Schule zuschießt, bekommen die Privatschulen nur gut 50 Cent.

Auf der rot-roten Prioritätenliste steht neuerdings ein ganz anderer Komplex. Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) möchte frühere DDR-Wissenschaftler rehabilitieren. Nach der Wende habe es einen "fahrlässigen Umgang mit der Ressource Geist" gegeben, ließ Flierl bekanntgeben.

Jetzt plant der Senator, frühere Spitzenakademiker offiziell zu verabschieden - Jahre nachdem sie aus dem Uni-Betrieb ausgeschieden sind. Statt ein elitäres Bildungssystem zu fördern, setzen die Genossen in der Hauptstadt auf die Bewältigung der Vergangenheit und die Befriedigung ihrer längst pensionierten SED-Klientel. Das Kanzlerwort von den Elite-Universitäten verhallt indes in den renovierungsbedürftigen Fluren der heruntergewirtschafteten Schulen und Hochschulen.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren