© Preußische Allgemeine Zeitung / 28. Februar 2004

Leserbriefe

 

"Viele haben wenig und wenige viel zu verantworten"
Betr.: "Bilder einer Ausstellung" (Folge 3)

In einer Besprechung des Buches von Christopher Browning "Die Entfesselung der ‚Endlösung'" wird wieder einmal behauptet, die Wehrmacht habe sich mannigfach an Verbrechen beteiligt. - Dazu stelle ich fest: Ich leide nicht an "virulentem Selbstmitleid", sondern bin es einfach leid, ständig wieder den gleichen Unsinn lesen zu müssen. Formuliert von Leuten, die meinen, Zeitzeugen darüber belehren zu sollen, was diese erlebt, gewußt und gedacht haben - alles aus zweiter Hand. Dabei gibt es inzwischen Hunderte von wirklichen Zeitzeugenberichten, die derart übereinstimmen, daß man sie zur Kenntnis nehmen müßte, wollte man denn objektives Wissen erwerben. Der Enkelgeneration gelingt dies übrigens leichter als den Kindern, da sie bereits recht unbefangen und weniger doktriniert an das Thema herangeht. Daß die Wehrmacht Verbrechen begangen hat, daß es die "anständige" Wehrmacht nicht gab: Ständige Wiederholungen allein machen diese Behauptung nicht glaubwürdiger! Gab es überhaupt die Wehrmacht, gab es die Beamtenschaft, die Lehrerschaft? In allen Berufsgruppen gibt es nur Personen unterschiedlichen Charakters und Intellekts, verschiedener Tätigkeiten und Verantwortungsbereiche. Im Völkerrecht heißt es zudem: "Niemand darf wegen einer Tat bestraft werden, für die er nicht persönlich verantwortlich ist" - genauso darf er nicht beschuldigt oder verdächtigt werden. Das gilt sogar für die SS/Waffen-SS, die wesentlich vielgestaltiger war, als man gemeinhin annimmt.

Die Millionen deutscher Landser haben keinen "rassischen Vernichtungskrieg" geführt, haben keine Rotarmisten verstümmelt - aber oft verstümmelte eigene Kameraden gefunden. Dazu sollte man schleunigst die befragen, die noch Frontsoldaten waren; es werden immer weniger.

Der Historiker Christian Hartmann erklärt im letzten Vierteljahresheft für Zeitgeschichte, daß viele wenig und wenige viel zu verantworten hätten. Das kommt dem Kern der Frage schon wesentlich näher.

Wilhelm Seelmann-Eggebert, Ahlhorn

 

Hochmut kommt vor dem Fall
Betr.: "Nur die Besten" (Folge 7)

Hans Heckel beschreibt in seinem Wochenrückblick die Euphorie des Franz Müntefering, nachdem dieser als Nachfolger im Vorsitz der SPD vorgesehen worden ist. Dessen Zitat, "es ist das schönste Amt neben dem Papst, Vorsitzender der SPD zu sein", mögen viele Bürger vielleicht als eine flapsige Bemerkung verstehen. Es kann aber auch als Gotteslästerung interpretiert werden. Franz Müntefering fast auf der gleichen Stufe neben einem Patriarchen! Meint dieser allen ernstes, mit seiner roten Stola die abtrünnige Gefolgschaft wieder auf den Weg der reuigen Sünder zurückführen zu können? Seine Vorstellungen zeugen jedenfalls von einer Arroganz, die in ihrer Impertinenz kaum noch zu steigern ist. Im übrigen sollte Franz Müntefering als wohl noch bekennender Christ nicht verborgen geblieben sein, daß auch viele Katholiken Schwierigkeiten haben, ihrem obersten Hirten folgen zu können. Ihm sei deshalb bei aller überschäumender Freude auf sein zukünftiges Amt etwas mehr Zurückhaltung anempfohlen. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

Walter Grubert, Hannover

Lustig, flapsig oder einfach nur unpassend? Es sei das schönste Amt neben dem des Papstes, sagte Franz Müntefering nach seiner Berufung zum designierten SPD-Parteichef. Fotos (2): Vatikan, SPD

 

Wowi und die Dschungel-Show
Betr.: "Klaus bist du besoffen?" (Folge 5)

Ich habe mich schon oft gefragt, ob denn die vielen befragten Berliner, die Wowereit - Wowi - immer wieder an die erste Stelle der Beliebt-heitsskala gesetzt haben, vor ihrer Befragung auch zu tief ins Glas geschaut haben. Andererseits haben wir ja gerade erfahren müssen, daß die RTL-Dschungel-Abfall-Show Millionen deutscher Bürger vor die Fernseher gezogen hat. Gerade heute bietet der Sender RTL die Sendung "Schulmädchen" an. Hierzu heißt es in der Hörzu: "In der ersten Folge von vorerst sechs läßt sich Stella eine Doppel-D-Oberweite verpassen, und Clara verguckt sich in die Riesenmännlichkeit eines Knaben". Paßt da der Berliner Regierende Bürgermeister nicht irgendwie dazu?

Alfred Klarner, Berlin

 

Dank Kohl wird unsere Ausbeutung weiter steigen
Betr.: "EU - der unbekannte Gesetzgeber" (Folge 1)

Ihr Beitrag ist interessant und beschreibt sicherlich trefflich den Zustand unseres "umerzogenen" Volkes. Die da oben werden es schon machen. Der Gefangenenkäfig, der da in Brüssel für die Europäer, aber insbesondere für uns Deutsche gezimmert wird, ist ungeheuerlich und wird sich erst in den folgenden Jahren richtig bemerkbar machen. Aber in dem sogar vom Papst propagierten Programm zur "Neuen Weltordnung" ist auch dies vorgesehen! Was mir aber wichtig erscheint, was unbedingt noch unter den letzten aufrechten Bürgern unseres Landes zur Kenntnis gebracht werden muß, ist der Umstand, daß unser EU-Beitrag nicht in der gegenwärtigen Höhe erhalten bleiben wird. Von dem Schröder sehr vollmundig sagte: Er müsse abgebaut werden, dann aber kleinlaut darüber kein Wort mehr verlor!

Der Umstand: Das Abkommen von Edinburgh! Hier hatte sich Kohl verpflichtet, praktisch auf ewig, 40 Prozent aller EU-Kosten/Subventionen zu übernehmen! Diese Tributpflicht wird keiner der alten, noch der neu hinzukommenden Staaten von uns nehmen. Zu diesem Thema sagt man in den sogenannten "eingeweihten Kreisen": Kohl habe gesagt, er wisse auch nicht genau was er da unterschrieben habe, leider sei es aber nicht mehr korrigierbar! Also wird unsere Ausbeutung weiter steigen.

Horst Schmidt, Minden

 

Wer bitte ist Ernsta Wiecherta?
Betr.: Ostpreußenreise

Ein lieber Freund schrieb nach seiner letzten Ostpreußenreise folgende Zeilen: "Die nach wie vor herrliche Landschaft konnte nur den Schmerz vermehren, daß das Land heute von Menschen fremder Zunge besiedelt wird. Der deutsche Besucher, sofern nicht politisch vollkommen unbedarft oder verbildet, kann sich über Mangel an Schocktherapie nicht beklagen. Hier nur zwei eklatante Beispiele: - Die Geburtstätte Ernst Wiecherts, des durch seine zahlreichen in der ostpreußischen Landschaft wurzelnden Romane berühmten deutschen Dichters, ist zwar gepflegt, trägt jedoch seinen ihm neu verliehenen Namen Ernsta Wiecherta, eingebettet in polnischen Text. - Ein anderes, besonders drastisches Beispiel polnischer Geschichtsklitterung bietet sich dem aufmerksamen Besucher der Kruttinna. Die am dortigen Naturpark angebrachte Tafel ist zweisprachig mit einem längeren Kommentar versehen: Polnisch - und man wird blaß vor Erstaunen - Englisch. Kein Deutsch!"

Es sollte zu den ureigensten Anliegen und Bemühungen der Landsmannschaft Ostpreußen und des BdV gehören, bei den polnischen Behörden gegen eine derartige Verhöhnung der Deutschen, die dort ihr Geld ausgeben, Einspruch zu erheben.

Brigitte Gomolka, Brilon

 

"buchgalter" und "rjuksak"
Betr.: "Exportschlager Deutsch - Buterbrod und fisfutr" (Folge 1)

Ihren Artikel über "Sprachtransfer in den slawischen Osten" habe ich mit Interesse gelesen und darf aus meiner Kenntnis der russischen Sprache noch etwas ergänzen: So oft ich in meiner einstigen Heimatstadt Königsberg/Kaliningrad bin, muß ich lachen, wenn ich über einem Friseurladen die Aufschrift "parikmacherskaja" lese, obwohl doch längst keine Perücken mehr gefertigt werden. Der deutsche Buchhalter findet sich in der Bezeichnung "buchgalter" und der Rucksack in "rjuksak" wieder, wobei zu bemerken ist, daß das Kyrillische, wie das Altgriechische, aus dem es stammt, kein "h" kennt und daher durch "ch" oder "g" ersetzt wird. So heiße ich bei meinen russischen Freunden "Xans" oder "Gans".

Dr. med. Hans Wiehler, Hannover

 

Militaristischer Geist nicht gleich kriegerischer Geist
Betr.: "Was von Preußen bleibt" (Folge 7)

Man könnte den Artikel auch überschreiben: "Preußen! Die Sozialisten kommen." Es klingt pharisäerhaft, wenn der Präsident der "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" diesen Namen als traumatisierend bezeichnet. Gehört der Präsident zu denen, die deutsches und damit preußisches Bewußtsein bis in die Wurzel ausrotten möchten, denn der Begriff um die "Nation" steht doch schon lange zur Disposition. Die Folge, man könnte danach viel leichter - nach einer gewissen Schamfrist - den gesamten Kulturbesitz zerschlagen, ohne daß die seit Jahrzehnten umerzogene Generation Einspruch erhebt.

Hat man mal die Vita des Präsidenten und seines Stabes durchleuchtet? Schon die Einweihung des Obelisk am 6. Juli 2002 in Rheinsberg ließ einen kritischen Besucher Böses ahnen, wurde doch für die musikalische Umrahmung die "Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot Berlin" engagiert. Wenn man dann erfährt, daß die Grabpyramide und der Obelisk mit 263.000 Euro von der Reemtsma-Stiftung gefördert wurden, so ist die heutige Entwicklung durchaus erklärlich.

Sicherlich entgeht auch die "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" nicht den Kürzungen für staatliche Fördermaßnahmen, doch ist die Argumentation, daß zum Beispiel Bayern gegen eine staatliche Förderung ist, wohl kaum vertretbar, wenn der bayerische Minister Goppel in Die Welt vom 13. Februar 2004 sich gegen eine Umbenennung wendet und zitiert wird: "Wenn es sein muß, sind wir Bayern die letzten Preußen". Weder Preußen als Staat noch sein Gedankengut waren ein Hort für Unfrieden durch seinen Militarismus. Seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert entwickelte sich Neid und Mißgunst gegenüber Deutschland und seinen Erfolgen. Hierzu mußte, wie schon so oft, die üble Nachrede, der Rufmord,

herhalten. Nahum Goldmann (1895-1982), ein volksbewußter Jude, erkannte in seiner Schrift "Der Geist des Militarismus" (1915) die Hintergründe und differenzierte, daß militaristischer Geist nicht kriegerischen Geist verkörpert. Der Militarismus erforderte Gehorsam und dieser wiederum Ordnung, Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung von Staat und Volk. Leider wurden diese Maßstäbe schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts und gänzlich nach 1968 abgelegt.

E. Rode, Bad Bevensen

Preußischer Militarismus: Die Langen Kerls galten als Spielzeug des Soldatenkönigs, der allerdings nicht wegen seines kriegerischen Geistes, sondern wegen seiner Reformen und Sparsamkeit gerühmt wurde. Gemälde: Lisiewski

 

Gesucht wird ...
Betr.: "Letzte Ruhe im Wald" (Folge 46)

Die Witwe des erwähnten Autors Clemens Laar lebt heute in Caracas/Venezuela. Sie und wir, ihre Söhne (aus vorheriger Ehe) haben uns sehr gefreut, daß es auch heute noch einem Autoren wert ist, das Andenken von Clemens Laar mit der Zitierung der von ihm geschaffenen Grabinschrift zu ehren.

Leider ist die leibliche Tochter von Clemens Laar, Christine Koebsel, zuletzt Braunschweig, für uns nicht mehr auffindbar. Kann jemand helfen? Ihr verheirateter Nachname ist uns unbekannt.

Jürgen und Andreas Herrmann-Tross, ehemals Laar, Caracas, Venezuela

 

Antisemitismus-Monster
Betr.: "Zurück zu den ,rechten' Werten" (Folge 50)

Was Frau Merkel und die CDU (leider auch Herr Stoiber) uns mit der Hohmann-Affäre geboten haben, macht sie für mich unwählbar. Sie sind vor dem Antisemitismus-Monster in die Knie gegangen, das sich immer wieder seine Opfer sucht, und sie mit Hilfe schwacher Politiker und wohlfeiler Medien zu vernichten sucht.

Wir ganz normalen Bürger meinen, daß der Antisemitismus nur die Politiker "Über" uns beschäftigt, die kaum noch wissen, was die Bürger bewegt. So haben sie im Bundestag wieder eine Pflichtübung in Antisemitismus hinter sich gebracht, wie zu lesen war. Dabei habe ich mich gefragt, ob sie denn ernsthaft glauben, daß die Bürger eine zutreffende Vorstellung von antisemitischen Denken, Reden und Handeln haben oder mit den Inhalten der Staatsräson (Thierse), was immer das ist, etwas anfangen können? Den Vorwurf des offenen oder versteckten Antisemitismus fehlt die nachweisbare Berechtigung und kann so das Gegenteil des Gewünschten bewirken.

Wenn Deutschlands Bürger es leid sind, sich in unaufhörlicher Folge die Verbrechen der Nazis vorhalten zu lassen, hat das nichts mit Antisemitismus zu tun.

Heiko Prinz, Dortmund


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