© Preußische Allgemeine Zeitung / 13. März 2004

Schröders Schwanengesang
von Ronald Gläser

Der Kanzler hat überraschend Gesine Schwan für das Amt der Bundespräsidentin vorgeschlagen. Die Politik-Professorin ist eine Vorzeige-68erin. "Groß" geworden ist sie am Berliner Otto-Suhr-Institut (OSI) für Politologie. Das OSI war die Hochburg der Studentenbewegung. Hier kamen sie zusammen: Marxisten, Hausbesetzer, Bundeswehrflüchtige, Friedensbewegte und RAF-Sympathisanten. Das Aneignen von Wissen wurde dort nur praktiziert, damit es später zu staatsfeindlichen Zwecken eingesetzt werden konnte. 22 Jahre lang betrieb Gesine Schwan hier ihre Agitations- und Propagandatätigkeit als Professorin.

Nach der Vereinigung kamen Stasi-Verstrickungen auch vieler West-Akademiker ans Licht der Öffentlichkeit. 1992 wurde deshalb an der Freien Universität Berlin (FU) der - in linken Kreise verhaßte - Forschungsverbund SED-Staat ins Leben gerufen, um den unappetitlichen Kontakten auf die Spur zu kommen.

Den linkssozialistischen Seilschaften steht der Schaum vor dem Mund, wenn sie über die Kollegen reden, die die Unterwanderung der FU durch die Stasi aufzudecken versuchen. 1995 mußte selbst der Chef des OSI nach Stasi-Gerüchten gehen, und Gesine Schwan wurde seine Nachfolgerin. Sie widersetzte sich sofort dem SED-Forschungsverbund nach Kräften.

Die frühere Revoluzzerin mit SPD-Parteibuch ist mittlerweile Angehörige des einstmals verpönten Establishments und Chefin der "Europa-Universität" in Frankfurt/Oder. Am Tag der Deutschen Einheit 2003 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz von Präsident Rau, dem sie jetzt nachfolgen soll, verliehen. Wofür eigentlich?

Politisch steht Gesine Schwan irgendwo zwischen Wolfgang Thierse und Jan Philipp Reemtsma. Mit beiden tritt sie gelegentlich in der Öffentlichkeit auf. Zu ihren Lieblingsthemen gehört - man ahnt es schon - die unbewältigte NS-Vergangenheit der Deutschen. In der Tagesschau wurde sie dennoch irrtümlich als "konservative SPD-Politikerin" vorgestellt.

Gesine Schwan wird wegen der Mehrheitsverhältnisse wohl kaum Bundespräsidentin. Im Verlieren von Stichwahlen hat sie ja schon Erfahrung: 1999 scheiterte ihr Versuch, FU-Präsidentin zu werden. Welch ein Kelch, der da an uns vorübergeht!


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