© Preußische Allgemeine Zeitung / 13. März 2004

Die Preußenwelt im Film
von Reinhard Seufert

In dem deutschen Spielfilm "Fridericus" von 1937 tut Friedrich der Große einen Ausspruch, der genauso gut vom amerikanischen Präsidenten George Bush sen. stammen könnte und in dieser oder ähnlicher Form von jenem wohl auch geäußert worden ist: "Unterhandlungen ohne Waffen sind wie Noten ohne Instrumente." Kein Wunder, daß der musikalische und flötespielende Fried-rich gerade die musikbezogene Metapher wählte, um darzulegen, daß man bei Verhandlungen aus einer Position der Stärke kommen sollte, um Erfolge zu haben. Der Dichter und Drehbuchautor Walter von Molo schreibt in seiner Inhaltsangabe über den Film "Fridericus": "Eingekreist unter den erbeingesessenen Großmächten Europas ringt das aufstrebende Preußen um sein Lebensrecht. Zum Erstaunen der ganzen Welt hat sich der Preußenkönig - oft verlacht, dann gefürchtet - jahrelang gegen eine vielfache Übermacht behauptet."

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg bis 1942 sind fast ein Dutzend Filme über die volkstümliche Gestalt Friedrichs des Großen entstanden. Dieser Film "Fridericus" hat aber ein paar Besonderheiten, die erwähnenswert sind und die ihn von allen anderen unterscheiden. Im Stummfilm 1927/28 gab es das Thema schon einmal, sogar aufgeteilt in zwei abendfüllende Teile. Im Tonfilm 1930 und 1932 gab es die Episodenfilme "Das Flötenkonzert" und "Die Tänzerin von Sanssouci". Dann 1933 den "Choral von Leuthen", der speziell auf eine Schlacht abgestellt war. Dann schließlich, das Thema voll umfassend, entstand 1936 der Fridericus-Film.

Regie führte der ganz hervorragende Johannes Meyer, der gerade ein Jahr zuvor einen der brillantesten Hans-Albers-Filme gedreht hatte: "Henker, Frauen und Soldaten". Dieser Fridericus-Film wurde bewußt 1936 geplant und durchgeführt, denn das 150. Todesjahr des großen Friedrich sollte damit würdig begangen werden. Durch mancherlei Turbulenzen verzögerte sich der Start ein wenig, so daß die Zulassung des Films im Dezember 1936 erfolgte, die Uraufführung jedoch erst im Januar 1937 stattfand.

Es war also der letzte Film seiner Art vor dem Zweiten Weltkrieg, noch in tiefen Friedenszeiten inmitten eindrucksvoller Erfolge des Deutschen Reiches auf vielen Gebieten. Fünf Jahre später kam der letzte Film über die Gestalt des Preußenkönigs, "Der große König", heraus. Der Film von 1937 ist schon dadurch abwechslungsreich gestaltet, daß das harte Kriegsgeschehen immer wieder unterbrochen wird durch die fremden, feindlichen Mächte und deren Hofhaltung, die in brillanten Bildern gezeigt werden. Eine Gelegenheit für die Kamera, in üppigen Bildern und Ausstattung zu schwelgen: im Versailles Ludwig des XV. mit der reizvollen Lil Dagover als Madame Pompadour, im Hof von Wien und Schönbrunn mit Käthe Haack als Maria Theresia und in der russischen Hofhaltung unter der Zarin Elisabeth, der Tochter Peters des Großen. Im Film von 1942 war solche Abwechslung ursprünglich auch vorgesehen. Es existieren schöne Abbildungen der Szenen vom Hof von Versailles, wobei diesmal Lola Müthel die Pompadour spielte. Nach Beendigung der Dreharbeiten entschied Propagandaminister Goebbels, der wesentlichen Einfluß nahm, jedoch anders. Inzwischen waren die Ost-Offensive und der Blitzkrieg auf Moskau gescheitert, und es war den Einsichtigen klar geworden, daß dieser Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte. Goebbels - obwohl er nach außen fanatisch auf Sieg trommelte - hatte den Ernst der Lage wohl klar erkannt und wollte angesichts dieser Situation dem Film eine schärfere Gangart geben. Er ließ deshalb zur großen Enttäuschung der Mitwirkenden die zum optischen Ausgleich gedachten französischen Szenen herausschneiden, was den Film aus seiner Balance brachte und ihn im Gegensatz zu "Fridericus" zu einem einseitigen "Durchhaltefilm" gemacht hat.

Das Programmheft des "Fridericus" ist für Sammler nicht allzu schwierig zu beschaffen, während die goldlaminierte Sonderausgabe - exklusiv für den Kinobesitzer gedacht - zu den absoluten Raritäten zählt, wie sie nur in ganz hochkarätigen Sammlungen zu finden sind. Aber was wäre das alles ohne den Hauptdarsteller Otto Gebühr, der die historische Gestalt Friedrichs über 22 Jahre hinweg verkörpert hat und der am 13. März vor 50 Jahren starb? Über diesen Otto Gebühr heißt es in jener höchst sammelwürdigen Extraausgabe: "Fridericus ist Otto Gebühr, der seine filmische Schauspielerlaufbahn mit der Rolle des Preußenkönigs begann, der, immer mehr in diese historische Gestalt hineingewachsen, sie innerlich immer mehr vertiefte. Er, der auch äußerlich die größte Ähnlichkeit mit den überlieferten Bildern Friedrichs zeigt, hat aus dieser Rolle, die er immer wieder im Film und auf der Bühne spielen mußte, eine Lebensaufgabe zu machen verstanden. Hier hat er den Gipfel der Reife erreicht."

"Fridericus", wie übrigens auch "Der große König", war lange Jahre von der alliierten Militärregierung für die Bundesrepublik Deutschland - nicht so in der DDR - verboten, durfte also trotz seiner unbezweifelten künstlerischen Qualitäten nicht aufgeführt werden. Hier hat nun allerdings die Entwicklung der jüngsten Zeit manche Änderung gebracht.

Friedrich der Große: Der Bild des Preußenkönigs zierte das Titelblatt des Programmheftes zum Film "Fridericus Rex", in dem Otto Gebühr die Hauptrolle meisterhaft verkörperte. Foto: Archiv Seufert


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