© Preußische Allgemeine Zeitung / 13. März 2004

An der Seite Deutschlands gegen Stalin
Wie die Kosaken sich am Kampf der Wehrmacht gegen den Bolschewismus beteiligten und dann von den Briten verraten wurden

Daß während des Zweiten Weltkrieges 900.000 Sowjetbürger auf seiten der Deutschen gegen den Bolschewismus kämpften, ist eine nicht mehr zu leugnende Tatsache, die jene in Bedrängnis bringt, die behaupten, das Deutsche Reich habe einen "Vernichtungskrieg" gegen die Völker der UdSSR geführt.

Zu den Menschen aus dem Herrschaftsbereich Stalins, die den Krieg nutzen wollten, um ihrem Land die Freiheit wiederzugeben, gehörten die Kosaken, ostslawische kriegerische Gemeinschaften freier Reiterverbände am Rande der osteuropäischen Steppenzone. Sie spielten, auch nachdem die Zaren sie unterworfen und ihrem Reich angeschlossen hatten, immer eine Sonderrolle im Vielvölkerstaat Rußland und bemühten sich, ihre Rechte zu erhalten. Die nationalen Eigenarten wurden ihnen von den Sowjets genommen. Die Kosaken wurden ebenso brutal unterdrückt wie alle anderen Völker, die ihre nationale Identität behalten wollten.

Daher begrüßten sie die deutsche Wehrmacht als Befreier, als sie im Verlaufe des Feldzuges die Kosakengebiete erreichte. Ohne daß die deutsche Seite dazu die Initiative ergriffen hätte, drängten die Kosaken, Einheiten zu bilden, um im Rahmen der Wehrmacht gegen den Bolschewismus zu kämpfen. Bekanntlich hat die Reichsregierung zunächst solche Unterstützungsangebote abgelehnt, doch ließ sich nicht verhindern, daß Wehrmachteinheiten regional dem Drängen der Kosaken nachgaben und eigene Kosakenverbände in ihren Reihen duldeten. Im Herbst 1943 wurde endlich genehmigt, daraus Einheiten zu bilden. Sie wurden auf dem Truppenübungsplatz Mielau im südlichen Ostpreußen zusammengezogen und ausgebildet. Bald entstanden die ersten Freiwilligen-Regimenter, aus denen das XV. Kosaken-Kavallerie-Korps entstand, mit dessen Führung der Wehrmacht-Generalleutnant Helmuth von Pannwitz betraut wurde.

Die wissenschaftlichen Fakten um die auf deutscher Seite kämpfenden Einheiten aus dem Gebiet der Sowjetunion sind längst bekannt, so vor allen Dingen durch die Bücher des Militärhistorikers Joachim Hoffmann. Nun hat der Journalist Werner H. Krause nicht nur mit Hilfe der vorliegenden historischen Literatur, sondern auch mit Unterstützung ehemaliger Angehöriger der Kosaken-Verbände, an der Spitze der frühere Chef der Schimmelreiter-Schwadron im Terek-Kosaken-Reiterregiment 6, Ernst Walter von Mossner, sowie Sieghard von Pannwitz, dem Sohn des legendären deutschen Kosakengenerals, ein in flüssigem Stil geschriebenes Buch mit dem Titel "Kosaken und Wehrmacht - Der Freiheitskampf eines Volkes" vorgelegt, dessen Lektüre einen allein von politischer Korrektheit geprägten jungen Deutschen von einem Erstaunen ins andere werfen dürfte.

Der Zustrom an freiwilligen Kosaken hielt bis zum Kriegsende an. Im Frühjahr 1943 war die Aufstellung der ersten drei Regimenter abgeschlossen, im August waren die ersten 10.000 Mann einsatzbereit. Das Rahmenpersonal bestand zunächst aus deutschen Offizieren, doch zogen verstärkt nach und nach Kosakenoffiziere an deren Stelle. Die Einheiten verfügten über eine eigene Offiziersausbildung mit einem Lehr- und Ersatzregiment. Es gab ein berittenes Trompeterkorps von Kosaken auf Schimmeln, eine eigene Kosaken-Feldgendarmerie, einen kosakischen Kultur- und Betreuungszug, der die Frontzeitung Kosaken-Post herausgab. Die Einheiten wurden einheitlich, zum Teil mit sowjetischen Beutewaffen, ausgestattet und behielten bis zum Schluß den zur Kosakentradition gehörenden Säbel, obwohl er, weil im modernen Krieg unzweckmäßig, untersagt worden war. In der Kosaken-Sanitätsabteilung dienten deutsche und russische Ärzte gemeinsam, ebenso wie deutsche und kosakische Krankenschwestern. Bemerkenswert: Während der Kämpfe lief geschlossen ein sowjetisches Kosaken-Regiment mitsamt seinen Offizieren zu den Kosaken auf deutscher Seite über.

Kosakeneinheiten kämpften auf dem Balkan gegen bolschewistische Partisanen, wurden aber zum Teil in den Westen verlegt, um sie vor einem bekannt gewordenen schrecklichen Schicksal zu bewahren, das ihnen drohte, wenn sie in sowjetische Hände fielen. Bemühungen des Reiches, ihnen bei den Westmächten den Status normaler Angehöriger der deutschen Wehrmacht und damit den Schutz der Genfer Konvention zu verschaffen, scheiterten.

Als der Krieg für Deutschland und seine Verbündeten verlorenging, ergaben sich 50.000 Kosaken in Österreich britischen Truppen, nachdem britische Generäle ihnen zugesichert hatten, sie würden nicht an die Sowjets ausgeliefert. Die Briten brachen sofort ihr Wort und trieben die gefangenen Kosaken und ihre Familien unter Gewaltanwendung den Truppen des sowjetischen Geheimdienstes zu. Generalleutnant von Pannwitz, den die Vertreter aller Kosaken-Einheiten wenige Monate zuvor zum Feldatamanen aller Kosakenheere gewählt hatten, wurde zusammen mit zahlreichen hohen Kosakenoffizieren ebenfalls an die Sowjets ausgeliefert. Die Sowjets brachten sie nach einem Scheinprozeß, dessen Akten bis heute geheim geblieben sind, im Januar 1946 in der Lubljanka um, mit der Beschuldigung, sie hätten "Spionage" betrieben.

Das gut lesbare Buch bietet eine Fülle hoch interessanter Details, so beispielsweise eine Aufstellung aller aus sowjetischen Bürgern gebildeten Freiwilligen-Verbände in der Wehrmacht und eine große Anzahl bisher noch nicht veröffentlichter Fotos von den Kosaken-Verbänden.

Hans-Jürgen v. Leesen

Werner H. Krause, "Kosaken und Wehrmacht - Der Freiheitskampf eines Volkes", Leopold Stocker Verlag, Graz/Stuttgart, 2003, 329 Seiten, geb., 46 S-W-Fotos, 29,90 Euro

Kosaken in der Wehrmacht: Ihr Ziel war die Befreiung ihres Heimatlandes. Foto: Archiv


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