© Preußische Allgemeine Zeitung / 23. April 2005

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied und Familienfreunde,

gerade hatte Manfred Schalk sein Schreiben abgeschlossen, in dem er sich für die Zusendung des Gedichts "Der Wächter von Szillen" bedankt und mitteilt, daß er nützliches Material über den Ort Angsten im Kirchspiel Schillen bekommen hätte, gleichzeitig aber auch bedauert, daß kein Echo auf seine Frage nach dem "Jägerkrug" in Bieberstein zu verzeichnen sei - da mußte er doch noch ein PS anhängen, denn er erhielt gerade zwei wertvolle Erinnerungen an den "Jägerkrug" von Landsleuten aus Mintwiese und Sillginnen. "Es hat sich also doch gelohnt dank Ihrer geschätzten Mithilfe in der PAZ, danke, danke", beendet er nun seinen Brief, der aber auch einen neuen Wunsch enthält, den er diesmal für einen Kollegen stellt, der ebenso wie Herr Schalk viele Jahre an einem Würzburger Gymnasium unterrichtet hat. Herr Studiendirektor Backe sucht Informationen über den Königsberger Chirurgen Prof. Oskar Ehrhardt. Der 1873 in Strausberg bei Berlin geborene Mediziner hatte an der Albertina studiert und übernahm nach dem Ersten Weltkrieg die chirurgische Abteilung des Elisabeth-Krankenhauses. Auch nach der Besetzung durch die Sowjets operierte er weiter, bis er am 31. Oktober 1947 Königsberg verlassen mußte. Er verstarb nur drei Jahre später in Göttingen nach einem Verkehrsunfall. Herr Backe möchte nun gerne Verbindung mit den Nachkommen von Prof. Ehrhardt aufnehmen - er glaubt, ein Sohn hieße Rudolf. Vor allem möchte er wissen, ob es stimmt, daß Prof. Ehrhardt nach Kriegsende unter dem Füllmaterial eines Straßenloches eine wertvolle Ausgabe von Luthers Galater-Kommentar gefunden hat. Und dann hat Herr Backe noch eine weitere Frage. Seine Großmutter Konschewski(y) war Jüdin und lebte vermutlich in Allenstein. Deren Schwester, genannt "Tante Hannchen", galt als beliebteste jüdische Schauspielerin. Wer weiß etwas über diese Künstlerin? Alle Zuschriften bitte an Herrn Manfred Schalk, Albert-Schweitzer-Straße 27 in 97204 Höchberg.

Sehr gefreut habe ich mich über die anerkennenden Worte eines jüngeren Lesers über unsere Ostpreußische Familie. Die hätte er schon als Jugendlicher seiner Großmutter immer vorlesen müssen und dadurch viel über Land und Leute erfahren. Egbert Heinze, der Enkel von Margarete Hartmann geborene Riemann, * 1906 in Wehlau, hält nun selber die PAZ und ist sehr beeindruckt davon, wieviel Licht wir bereits in viele dunkle Schicksale bringen konnten. Und hofft nun selber auf einen Lichtblick, der das Schicksal seines Großvaters erhellt, das bisher trotz aller Bemühungen im Dunkel liegt. Herbert Richard Hartmann, * 20. September 1902 in Bad Warmbrunn, kam 1932 als junger Ingenieur nach Wehlau, wo er 1934 Margarete Riemann heiratete. Als er 1939 die Leitung einer Papierfabrik in Lapin bei Danzig übernahm, zog er mit seiner Familie - inzwischen waren Tochter Susanne und die Söhne Rolf, Egbert und Ulrich geboren - dorthin und blieb mit ihr zusammen bis März 1945. Mit einem der letzten Flugzeuge ließ Herr Hartmann Frau und Kinder nach Thüringen bringen, er selber blieb zurück, schrieb noch einmal an seine Frau, dann hörte man nichts mehr von ihm. Alle Nachforschungen über das DRK und das Suchreferat Moskau erbrachten nichts. Es gibt allein die vage Angabe eines Landsmannes, der Herbert Richard Hartmann in einem polnischen Gefangenenlager gesehen haben will. Nun ruht die letzte Hoffnung von Herrn Heinze bei unserer Ostpreußischen Familie, die - wie er meint - so groß und rührig sei. Vielleicht ist jemand von unseren älteren Lesern mit dem Gesuchten in einem Lager zusammen gewesen oder weiß, was bei der Einnahme von Danzig durch die Sowjets in Lapin geschah? Über jede Mitteilung wäre der Enkel dankbar. (Egbert Heinze, Seestraße 103 in 133563 Berlin, Telefon 030 / 46 81 46 66.)

Wieder einmal eine E-Mail aus Australien, sie kommt von Susan Scarcella aus Liverpool in NSW Australien. Und wie immer geht es um Familienforschung, die diesmal eine schlesische Familie betrifft, die mütterliche Linie ihres Mannes. Seine Mutter wurde als Gudrun Kauschke am 24. August 1933 in Breslau geboren. Ihre Eltern waren Wilhelm J. R. Kauschke, * 23. Dezember 1888 in Rothlach, Richter, und Marta Selma Anna geborene Grun, * 03. Dezember 1890 in Bunzlau. Das Familienstammbuch enthält auch noch Namen der Urgroßeltern Julius August Kauschke und Emma Anna geborene John sowie Josepha P. Grun, Toepfer, und Ernestine geborene Warmuth. Näheres ist nicht bekannt, weil Grudrun Kauschke als Zwölfjährige 1945 mit ihrer Mutter und den älteren Brüdern ausfliegen mußte und sie wenig Gepäck mitnehmen durften. Nun möchte die australische Familie mit noch lebenden Verwandten in Deutschland Kontakt aufnehmen und fragt: Können Sie uns helfen? Wir wissen es nicht, da wir aber auch viele Leserinnen und Leser aus Schlesien haben und unsere Ostpreußische Familie inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat, ist es durchaus möglich, daß es Hinweise auf vermutliche Verwandte der Familien Kauschke, Grun, John und Warmuth geben könnte. (Anschrift: Susan Scarcella, P.O. Box 747 Liverpool BC 1871 NSW, Australien, Telefon 612 / 97 30 0990, E-Mail: susan@webpastor.com .)

Als ich kürzlich wieder einmal im Ostheim in Bad Pyrmont war - anläßlich des sehr informativen LO-Seminars "Verkehr und Technik in Ostpreußen" -, übergab mir der Leiter des Ostheims Herr Winkler einen Brief mit der Bemerkung: "Die Frage kann nur die Ostpreußische Familie lösen", womit er absolut recht hat. Aber es ist immerhin erstaunlich, welche Irrwege solche Wünsche manchmal gehen. Das besagen schon die ersten Zeilen: "Sehr geehrte Damen und Herren, entschuldigen Sie, daß ich Sie so spät anschreibe. Habe von einem Bekannten erfahren, daß die Ostpreußen ein Erholungsheim in Bad Pyrmont haben. Nun hätte ich mal gern erfahren, ob Sie mir eine Adresse für Ostpreußen nennen können. Es kann auch sein, daß Sie mir die Auskunft geben können!" Also, dann hätte in der Gästeliste des Ostheims der Name der ehemaligen Nachrichtenhelferin Hildegard Sambel, vermutlich irgendwo aus Ostpreußen stammend, stehen müssen. Steht er verständlicherweise nicht, und deshalb fragen wir jetzt unseren großen Familienkreis: Wer kennt oder kannte eine Hildegard Sambel. Nähere Erläuterungen lasse ich den Schreiber des Briefes, Werner Gebhardt aus Saarbrücken, selber geben: "Ich war bei der Kriegsmarine und zum Schluß beim Stab Gruppenkommando West Paris. Ich lernte dort im Jahre 1943 eine Nachrichtenhelferin kennen, die als Telefonistin bei uns im Stab war, und zwar im Marine-Ministerium der französischen Marine. Ihr Name war Hildegard Sambel, wo sie aus Ostpreußen war, konnte ich nicht mehr behalten. Am 25. August 1944 kam ich in Gefangenschaft durch die US-Armee. Später kam ich in die USA ... Die Nachrichtenhelferinnen kamen Ende Juli nach Deutschland, wir mußten Paris verteidigen, so gut es ging. Hatten auch viele Verluste, ich kam zum Glück aus Paris in Gefangenschaft. Meine Bekannte wird jetzt vielleicht 80 Jahre alt sein, ich bin 82 Jahre und verheiratet." Das wird Hildegard Sambel auch sein, aber vielleicht liest sie diese Zeilen oder ehemalige Nachrichtenhelferinnen erinnern sich an sie und können weiterhelfen. Möglich ist alles, wenn wir auch nicht den schlichten Kinderglauben des Schreibers haben. (Werner Gebhardt, Kreisberg 37 in 66132 Saarbrücken.)

Als Neuleser unserer Zeitung hat Jürgen Lenzky gleich zu Anfang dieses Jahres eine Anzeige aufgegeben, die leider bisher keinen Erfolg gehabt hat. Nun wollen wir gerne einmal nachfassen und etwas gezielter nach ehemaligen Nachbarn, Freunden und Bekannten der Familie Lensky aus Königsberg suchen. Diese wohnte in dem Vorort Liep, Sudetenlandweg 51, wo Jürgen Lenzky 1941 als Sohn von Kurt und Elsa Lensky geboren wurde. Zu den Nachbarn gehörten die Familien Böhm, Reimann und Zielenski. Seine Großeltern hießen Fritz und Emma Kirstein, die aus der väterlichen Linie Fritz und Elsabeth Lensky, sie wohnten in der Kniprodestraße. So, vielleicht bekommt jetzt Herr Lezky einige Zuschriften, wir würden uns freuen. (Jürgen Lenzky, Gerhart Hauptmannstraße 23 A in 51515 Kürten, Telefon 0 22 07 / 75 95, Fax 0 22 07 / 50 55.)

Bei Joachim H. Rudek spielte der Zufall mit: Er stieß unerwartet beim Surfen im Internet auf unsere Seite. Da hatte er endlich einen Ankerplatz für seine bisher vergebliche Suche nach seinen Vorfahren gefunden. Die Familie Rudek lebte in Spirgsten, früher Spiergsten, Kreis Lötzen. Herr Rudek besitzt noch eine sehr alte Aufnahme von dem einstöckigen Haus mit den eigenartigen Verzierungen am Dacherker, aber mehr auch nicht. Wer kannte die Familie, die vielleicht im Baugeschäft tätig war, denn auf dem Foto sind zwei Balken tragende Männer zu sehen? (Joachim H. Rudek, Helsinkier Straße 79 in 18107 Rostock, E-Mail: j.rudek@infocyti.de .)

Und nun muß mir meine Familie bei der Gedichtsuche helfen, denn ich schaffe es nicht alleine. Ich hatte zwar gemeint, die Gedichte, die Gertrud Bartolain sucht, könnte ich leicht finden, aber mein privates Gedichtarchiv ist leider nicht elektronisch gespeichert, sondern besteht aus Büchern, Kladden und losen Blättern, und da gerät leicht was durcheinander. Nach einigen Stunden Suche gab ich entnervt auf, da wollten auch die sowieso überbeanspruchten Augen nicht mehr - manche Briefe sind wahres Augenpulver! Frau Bartolain sucht zwei alte Gedichte aus ihrer Schulzeit: 1) Das Gedicht von der Kartoffelernte (Gen Süden ziehen Storch und Star ...), soviel ich weiß, von Adolf Holst, und 2) ein Gedicht vom Wind (Hui, wie der Wind im Schornstein geigt ...) Ich nehme an, daß unsere Landsmännin aus Gerswalde, Kreis Mohrungen, bald viel Post bekommt, wie ich meine Familie kenne. (Gertraud Bartolain, Barnimstr. 6 in 16321 Rüdnitz, Telefon 0 33 38 / 75 51 73.)

Eure Ruth Geede


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