© Preußische Allgemeine Zeitung / 25. Juni 2005

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied und Familienfreunde,

was ich schon lange feststellen kann und sich beim Deutschland-Treffen in Berlin sichtbar bestätigt hat: Immer mehr junge Menschen interessieren sich für Ostpreußen. Das hat viele Gründe, aber ein Hauptmotiv ist die Suche nach den Wurzeln, vor allem dann, wenn die Eltern wenig erzählen konnten oder wollten, und bei den Großeltern und anderen älteren Verwandten das Erinnerungsvermögen starke Lücken aufweist. Manchmal stellen die Jungen bei ihren familienkundlichen Nachforschungen auch überraschend fest, daß sie ostpreußische Vorfahren haben - so wie Rayko Juth, 18 Jahre jung und an allem interessiert, was die Stadt Wormditt betrifft. Denn da lebten seine väterlichen Vorfahren, und nun will der junge Schreiber unsere Ostpreußische Familie bemühen, um mehr über sie und ihren Umkreis zu erfahren. Der Beruf des Ururgroßvaters Andreas Juth, * 18. Februar 1855 in Wormditt, wird in alten Urkunden zuerst mit Schuhmacher, dann mit Maurer angegeben. Dessen Vater Andreas - verheiratet mit Martha geborene Budau - schrieb sich noch Jud. Der Sohn heiratete die ebenfalls in Wormditt geborene Rosa Hoppe, deren Eltern Ferdinand Hoppe und Elisabeth geborene Wolf waren. Die Ehe von Andreas und Rosa Juth wurde mit zwölf Kindern gesegnet! Einige von ihnen zogen nach Norddeutschland, auch nach Berlin. Raykos Hoffnung ist, daß alte Wormditter die Familie Juth kannten und nähere Angaben machen können, vielleicht gibt es auch noch entfernte Verwandte, was bei der großen Kinderzahl des Ehepaares durchaus möglich ist. Darüber hinaus interessiert sich Rayko Juth für Wormditt und wäre dankbar, wenn er etwas mehr über die Stadt seiner Vorfahren erfahren könnte, vor allem anhand von alten Ansichten, Stadtplänen, Auszügen aus Kirchenbüchern und anderen Dokumenten. Enttäuschen wir den jungen Schreiber nicht! (Rayko Juth, Adresse ist der Redaktion bekannt)

Auch im nächsten Fall geht es um Familiengeschichte, allerdings handelt es sich um einen erheblich älteren Schreiber, denn er wurde noch in unserer Heimat geboren: Knut Walter Perkuhn kam auf dem Gut Lisettenfeld im Kreis Bartenstein zur Welt. Sein Urgroßvater Eduard Perkuhn hatte es als Vorwerk 1852/53 zusammen mit dem Hauptgut Puschkeiten und dem zweiten Vorwerk Meisterfelde erworben. Und um Meisterfelde dreht sich auch die Frage von Herrn Perkuhn, denn obgleich er gutes Material über die anderen Familiengüter besitzt und ihre Geschichte in Chroniken erfaßt hat, herrscht in Bezug auf das Gut Meisterfelde eine gähnende Leere. Nun, vielleicht können wir sie füllen, denn es handelt sich hauptsächlich um Informationen über die letzte Besitzerin, Ursula Wolff. Eduard Perkuhn hatte Meisterfelde seinem ältesten Sohn William vermacht, der es zusammen mit seiner Frau Grete bewirtschaftete, bis er einen Unfall hatte und den Besitz an Max Ehrenforth verkaufen mußte. Dieser wird im Güter-Adreßbuch Ostpreußen von 1932 noch als Besitzer aufgeführt. Ursula Wolff muß Meisterfelde also später erworben haben. Herr Perkuhn hofft nun, über unseren Leserkreis etwas über Ursula Wolff zu erfahren. Vielleicht besitzt die Familie noch Aufnahmen von dem Gut oder andere Bilddokumente und Belege wie den Kaufvertrag, Prämienscheine oder ähnliches. Um Irrtümern vorzubeugen, da es mehrere Güter dieses Namens in unserer Heimat gab: Es handelt sich um das Gut Meisterfelde im Kirchspiel Stockheim, Kreis Bartenstein. (Knut Walter Perkuhn, Bergstraße 25 in 29565 Wriedel / Brockhöfe, Telefon 0 58 29 / 16 68.)

Ich freute mich, in Berlin meinen aus vielen Seminaren vertrauten Landsmann Christian Unterberger und seine Frau Ursula wiederzusehen und erfülle nun gerne seinen Wunsch. Er hat mir die Kopie eines Hochzeitsfotos übergeben, das auf dem Familienbesitz Kl. Rödersdorf, Kreis Heiligenbeil aufgenommen wurde. Es zeigt das Brautpaar Brigitte geborene Unterberger und Theodor Teichgräber inmitten der Gäste, zu denen der reformierte Pfarrer Herancourt aus Königsberg und seine Kinder Hanfried und Gertrud gehören, Verwandte aus der großmütterlichen Liteiner Linie. Bis 1950 hatten die Unterbergers noch Verbindung zu dem Pfarrer, der in Südwestafrika tätig war. Von Sohn Hanfried (Johann Friedrich), * 1930, auf dem Foto ein etwa zehn- bis zwölfjähriger Bub, fehlt jede Spur, ebenso von Tochter Gertrud, * 1922. Alle Bemühungen, über diese Nachkommen einer alten Hugenottenfamilie etwas zu erfahren, schlugen fehl, auch die Reformierte Kirche konnte keine Auskunft geben. Gertrud Herancourt dürfte durch Heirat einen anderen Namen tragen. Vielleicht melden sich nun Leserinnen und Leser, die etwas über die Gesuchten sagen können. Ich würde mich mit dem Ehepaar Unterberger freuen. (Ursula und Christian Unterberger, Schulstraße 22 in 26603 Aurich.)

Leider konnte Christel Keuler geborene Czossek aus Altenburg nicht nach Berlin kommen, wie sie geplant hatte, um ihre Schulfreundin Liska Weiß zu treffen, aber ob es wirklich ein Wiedersehen gegeben hätte, ist mehr als fraglich. Denn Frau Keuler weiß nicht, wo ihre Freundin jetzt lebt. Liska ging nach dem Krieg mit ihrer Familie aus ihrer oberländischen Heimat in den Westen, Christel blieb in Bergfriede, Kreis Osterode, hat erst 1970 in Altenburg / Thüringen geheiratet. Sie hat damals sehr geweint, als Liska fort ging, denn sie haben immer zusammen auf dem elterlichen Hof von Max und Martha Czossek gespielt. Es wäre später einmal fast zu einem Zusammentreffen in Bergfriede gekommen, denn als vor etwa 15 Jahren Christel Keuler dort ihre Verwandten besuchte, sagte ihr die Nichte, daß einen Tag zuvor Liska Weiß dagewesen sei. Die Nichte hätte ihr Christels Anschrift gegeben, aber leider hat sie sich dann nie gemeldet. Nun hofft sie, über uns Liska Weiß zu finden. Und wir hoffen, daß sich ihr innigster Wunsch erfüllt. (Christel Keuler, Eisenbahnstraße 17 in 04600 Altenburg. Telefon 0 34 47 / 83 64 76.)

Fragen gibt es, die gibt es nicht - müßte man meinen. Aber die Ostpreußische Familie belehrt uns da eines Besseren. Wenn wir wieder einmal "die letzte Hoffnung" sind, dann liegt schon etwas Außergewöhnliches vor. Aber im Fall, den unser treuer Leser Walter Maus uns vorträgt, ist das noch reichlich untertrieben. "Erstaunt von den außerordentlichen Erfolgen, die nach Ihrer Einschaltung erzielt werden" - so steigt Herr Maus mit seiner Frage bei uns ein, die eigentlich die zuständigen Behörden beantworten müßten, aber da erhielt er nur negative Bescheide, wie beigelegte Kopien beweisen. Lassen wir ihn selber seinen Wunsch vortragen:

"Ich suche Antwort auf die Frage, wie nach Kriegsende die ,Umschreibung' (ohne nochmalige Prüfung der Befähigung) von Wehrmachtsführerscheinen auf Zivilführerscheine in der Praxis gehandhabt worden ist. Die - theoretische - Rechtslage ist mir bekannt: Nach ihr wäre seinerzeit ein Umschreibungsantrag nur in den seltensten Fällen begründet gewesen. Mich interessiert also der praktische Vollzug damals. Großzügig oder kleinlich, Umschreibung auch noch in den 50er Jahren, etwa bei Spätheimkehrern, und auch ohne Vorlage der ,Bescheinigung' der Wehrmachtsführerscheins? Ich hoffe, es gibt noch Leser mit eigenen Erfahrungen. Oder jedenfalls Leser, die aus Erzählungen noch Einzelheiten kennen oder die noch Aufzeichnungen oder ähnliches besitzen. Schließlich muß die Umschreibung seinerzeit gewaltige Ausmaße erreicht haben, wenn ich es richtig sehe. Ich gehe jedenfalls von einer Million Umschreibungen aus."

Also so gesehen, dürfte Herr Maus durchaus auf Antwort hoffen können. (Walter Maus, Auf dem Emmerberge 6 in 30169 Hannover, Fax 05 11 / 80 87 44.)

Eure Ruth Geede


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