© Preußische Allgemeine Zeitung / 10. September 2005

U-Bootbau in der Kaiserlichen Werft Danzig

Von den drei Kaiserlichen Werften des Deutschen Reiches, Kiel, Danzig und Wilhelmshaven, hat die Werft in Danzig die tragischste Geschichte. 1844 als preußisches Marinedepot gegründet, lief dort fünf Jahre später "das erste auf vaterländischer Werft erbaute Kriegsschiff", die Dampfkorvette "Danzig" vom Stapel. Im selben Jahre übernahm Prinz Adalbert von Preußen den Oberbefehl über alle preußischen Kriegsschiffe, ebenso oblag ihm die Inspektion der Werften. Es war stets ein Grundsatz der deutschen Marine, erst dann neue Schiffstypen einzuführen, wenn diese in ihrer technischen Entwicklung einen gewissen Abschluß erreicht hatten. Deswegen begann erst 1906 der U-Bootbau in Danzig.

Wilhelm Bauer (1822-1875) hieß der Mann, der das erste deutsche Unterwasserfahrzeug gebaut hatte. In Dillingen an der Donau geboren, nahm Bauer als Artillerie-Unteroffizier des bayerischen Hilfskorps am Deutsch-Dänischen Krieg teil. Die Berührung mit dem Meer brachte ihn auf den Gedanken, mittels eines Tauchbootes Sprengladungen unter Wasser an feindlichen Schiffen anzubringen. Bauer, ein technisch begabter Mann mit viel Unternehmungsgeist, trat in den Dienst der schleswig-holsteinischen Marinekommission, mit deren Hilfe er sein Unterwasserfahrzeug bei einer Rendsburger Eisenfabrik in Auftrag gab. Der "BRANDTAUCHER" unternahm 1851 im Kieler Hafen die erste Probefahrt. Die Eisenkonstruktion von acht Metern Länge wurde von zwei Männern durch Muskelkraft bewegt. Wegen mangelnder Unterstützung ging Bauer nach Rußland, erhielt dort den Rang eines "Submarine-Ingenieurs" und baute den zweiten "Brandtaucher", ein Tauchboot von zwölf Metern Länge und mehrköpfiger Besatzung, das zahlreiche Tauchversuche erfolgreich absolvierte.

Als erstes Unterseeboot der Kaiserlichen Marine lief "U 1" bei der Germaniawerft in Kiel vom Stapel. Dieses Boot hatte alle Zeitenstürme überdauert und ist heute im Deutschen Museum in München ausgestellt. Bei der Kaiserlichen Werft in Danzig entwarf der Marinebaumeister Berlin Pläne für ein Zweihüllen-U-Boot, das als "U 2" zwar fertiggestellt, jedoch wegen verschiedener Mängel nicht zum Einsatz kam. Erst mit den Booten "U 3" und "U 4" entstanden in Danzig betriebssichere Tauchboote, "U 3" stellte man 1909 in Dienst. Bei Kriegsbeginn übernahm Kapitänleutnant Valentiner das Boot, mit dem er im Finnischen Meerbusen gegen russische Schiffe Erfolge errang.

Zum Antrieb über Wasser verwendeten die deutschen Unterseeboote eine Körting-Schwerölverbrennungsmaschine mit 600 PS Leistung, die dem 421-Tonnen-Boot eine Geschwindigkeit von 11,8 Knoten ermöglichte. Mit "U 9" bis "U 12" entstanden in Danzig kriegstüchtige Unterseeboote, von denen "U 9" unter Kapitänleutnant Otto Weddigen gleich zu Beginn des Krieges einen legendären Erfolg erzielte; es versenkte an einem Tag drei britische Panzerkreuzer.

Als Rudolf Diesel in den Jahren 1893/97 in Augsburg den ersten Dieselmotor der Welt herstellte, hatte man auch die ideale Wärmekraftmaschine für das U-Boot gefunden. Alle Marinen der Welt ersetzten alsbald den Benzinmotor durch den Dieselmotor. Zwischen dem Augsburger Werkt (MAN) und der Danziger Marinewerft bahnte sich ein ausgedehnter Erfahrungsaustausch über die Arbeitsweise der zu liefernden Viertakt-

Dieselmotoren an. Die Reihe "U 19" bis U 22" war dann die erste Serie von deutschen U-Booten mit Dieselantrieb, die in Danzig gebaut worden ist. Kommandant von "U 21" wurde Kapitänleutnant Otto Hersing, der das Boot 1913 in Dienst stellte. Am 5. September 1914 stand "U 21" vor dem Firth of Forth und versenkte mit dem ersten scharfen Torpedoschuß des Krieges den englischen Kreuzer "Pathfinder". "U 21" gehörte zu den erfolgreichsten U-Booten des Ersten Weltkrieges, im Mittelmeer versenkte es drei feindliche Linienschiffe und 36 Handelsschiffe mit zusammen 78.000 Bruttoregistertonnen. Kapitänleutnant Hersing wurde als erster deutscher Marineoffizier mit dem Pour le Merite ausgezeichnet. Nach dem Kriege sollte "U 21" an England ausgeliefert werden, es versank aber während der Überführung "aus ungeklärten Gründen" zwischen Cuxhaven und Hull. Neben den auf der Werft gebauten Minen-U-Booten verdienen die U-Kreuzer "U 135" bis "U 138" besondere Beachtung. Sie besaßen je zwei Hauptdieselmotoren mit 1.500 PS und zwei Hilfsdieselmotoren mit je 450 PS, die den Tauchbooten eine Geschwindigkeit von 18 Knoten über Wasser verliehen. Insgesamt wurden bis Kriegsende 55 U-Boote von der Kaiserlichen Werft abgeliefert.

Das Friedensdiktat von Versailles bereitete der reichseigenen Werft ein trauriges Ende. Die reichen Schätze, die in den Werkstätten und Magazinen aufgestapelt waren und Millionenwerte darstellten, wurden entweder verschleudert oder geraubt. Die noch in den Helligen befindlichen Neubauten mußten zerschlagen und verschrottet werden. Der U-Bootbau blieb für Deutschland verboten. Artikel 107 des diktierten Vertrages bestimmte, "daß alles Gut des Deutschen Reiches, das im Gebiet der Freien Stadt Danzig liegt, auf die alliierten Hauptmächte übergeht, um von diesen nach gerechtem Ermessen an die Freie Stadt oder den polnischen Staat weiter abgetreten zu werden." Rüdiger Ruhnau

 

U 55: Im Dock der Kaiserlichen Werft in Danzig 1917 Foto: Archiv


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