© Preußische Allgemeine Zeitung / 17. Dezember 2005

2005 brachte den Durchbruch
Beschlossen: Das Potsdamer Stadtschloß kehrt bis 2011 zurück – Streit um Zahlungsmodalitäten hält jedoch an

Das Jahr 2005 markierte für das Projekt, das Potsdamer Stadtschloß wiederaufzubauen, den Durchbruch. Nach den ehrgeizigen Plänen des Landes Brandenburg und der Stadt Potsdam soll bis 2011 die Mitte der Landeshauptstadt wieder dominiert sein von dem alten Residenzschloß, dessen Anfänge in die Zeit des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zurückgehen, der 1666 den Bau des Schlosses in dem damaligen Fischerdorf veranlaßt hatte. Seine letzte Form erhielt der Bau, als ab 1744 der berühmte Architekt Georg Wenzelslaus von Knobelsdorff das Schloß zu einem Juwel des Rokokos machte – in typisch preußischem, für die Zeit also betont dezentem Stil.

Das Fortunaportal steht schon wieder, indes verliert es sich noch recht einsam in einer Sandwüste. In fünf Jahren aber soll hier laut Beschluß von Land und Stadt wieder ein Gebäude mit den Außenfassaden des erst 1960 von den Kommunisten abgerissenen Schlosses entstehen. Den Krieg hatte es zu rund 80 Prozent überstanden, der späteren Barbarei erst fiel es zum Opfer.

Doch nicht alles ging verloren. Ab heute ist im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) Am Neuen Markt in Potsdam eine Dauerausstellung mit Fragmenten des Schlosses zu sehen, die den Sturm der mutwilligen Zerstörung überstanden haben. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit des HBPG mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und der „Projektmanagement- und Baubetreuungsgesellschaft mbH“.

Offenbar konnten doch eine Menge Details vor der Zerstörung gerettet oder später in der Umgebung geborgen werden. In der Dauerausstellung, die bis zur Fertigstellung des wieder zu errichtenden Schloßbaus zu sehen sein wird, finden sich steinerne Sitzfiguren, verschiedene Säulen samt Basis, Trommeln und Kapitellen ein Giebelrelief und anderes mehr.

2011 soll schließlich der Landtag des dann vereinten Landes Berlin-Brandenburg einziehen. Hierzu wird der Innenhof ganz oder zumindest teilweise überdacht werden, um dem Plenarsaal Platz zu bieten. Eng wird es in dem neuen Parlamentsgebäude auf jeden Fall, das konnte die politisch Verantwortlichen jedoch ebenso wenig von dem Vorhaben abbringen wie den Verein Potsdamer Stadtschloß, der private Spenden für das Projekt sammelt. Die Ausstellung soll auch die private Spendenfreude weiter anfachen. Mit den Spenden soll indes allein die historische Fassade finanziert werden. Rohbau und Innenleben trägt das Land.

Wie erwartet, wirft die Finanzierung des voraussichtlich 83,5 Millionen Euro teuren Gebäudes Probleme auf. Die Stadt wird acht Millionen vom Land Brandenburg für das Grundstück erhalten. Mit dem Geld will Potsdam die Straßen und die Straßenbahnlinien, die heute noch über das Schloßgelände verlaufen, umlegen und das Terrain vertragsgemäß bis Mitte 2008 baufertig an die Landesregierung übergeben.

Über diese Summe hat man sich bereits verständigt, nicht jedoch darüber, wann das Land zu zahlen hat – sofort oder erst bei Übergabe des baufertigen Grundstücks. In Zeiten äußerst knapper Haushalte ist das eine entscheidende Frage, schließlich hangeln sich auch die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg derzeit von Haushaltsjahr zu Haushaltsjahr, wobei jeder Etat „auf Kante genäht“ ist. So wurde im Potsdamer Rathaus mit Schrecken vernommen, daß sich Brandenburgs Finanzminister Rainer Speer (SPD) offenbar nach dem Motto „Erst die Ware, dann das Geld“ Zeit lassen will mit der Überweisung der acht Millionen Euro, welche Stadtkämmerin Elke von Kruick-Frenz (SPD) für die Umbauarbeiten eingeplant hatte und deshalb schon bald benötigt.

Die Unstimmigkeiten könnten den Zeitplan noch ins Trudeln bringen, wohl kaum aber das Vorhaben selbst. Auf den Seiten des Vereins Potsdamer Stadtschloß wird ausdrücklich auf das Beispiel der Dresdner Frauenkirche verwiesen und jener spektakulären Wiedererrichtung die bauhistorische Bedeutung des Potsdamer Stadtschlosses gegenübergestellt.

Offenbar hat das sächsische Vorbild manchen Zauderer beflügelt und einen produktiven Neid auf der preußisch-brandenburgischen Seite provoziert. H. H.


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