© Preußische Allgemeine Zeitung / 17. Dezember 2005

"Das Leben bleibt anstrengend..."
Der Schauspieler, Autor und Maler Armin Mueller-Stahl wird 75 Jahre alt

Er spielt die Geige virtuos, hat auf den Brettern großer deutscher Bühnen gestanden, verkörpert in Filmen und im Fernsehen immer wieder meisterhaft besondere Charaktere, schreibt Bücher und malt. Geboren am 17. Dezember 1930 im ostpreußischen Tilsit, wuchs Armin Mueller-Stahl in der Geborgenheit einer großen Familie auf. Die Ferien bei den Großeltern im masurischen Jucha werden ihm bis ins hohe Alter unvergeßlich bleiben. „Die Wurzeln der vielseitigen Begabung und Produktivität dieses Künstlers“, so liest man in der Biographie von Gabriele Michel (List, 2000), „liegen offenkundig hier. In einer Familie, in der jeder irgendwie Theater spielte, sang, ein Instrument spielte, zeichnete oder schrieb.“ Die Karriere als Schauspieler begann für Mueller-Stahl 1952 am Theater am Schiffbauerdamm in Ost-Berlin. Zuvor hatte er die Musikhochschule besucht und Geige und Gitarre studiert. Seine Liebe zur Musik, zu Chansons sollte ihn nie verlassen. 1953 wurde er in das Ensemble der Ost-Berliner Volksbühne aufgenommen. Und bald meldeten sich auch das noch junge Fernsehen und der Film, wo er mit den besten Regisseuren der ehemaligen DDR zusammenarbeitete („Nackt unter Wölfen“, „Jakob der Lügner“). Als er 1976 die Petition gegen die Ausbürgerung des Sängers Wolf Biermann unterschrieb, wurde er „von oben“ zur Untätigkeit verbannt. Über diese Zeit schrieb er schließlich sein erstes Buch. Nach seiner Übersiedlung in den Westen 1980 fand er sofort Anschluß. Der große Erfolg aber trat ein, als Rainer Werner Fassbinder ihn für die Hauptrolle in „Lola“ engagierte. Für diese Rolle wurde Mueller-Stahl mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

„Die Sehnsucht der Veronika Voss“, „Bittere Ernte“, „Utz“, „Music Box – Die ganze Wahrheit“, „Night on Earth“, „Das Geisterhaus“, „Der Kinoerzähler“, „Der Unhold“ sind Titel, in denen Mueller-Stahl in Deutschland und in den USA Erfolge feierte. Für seine Darstellung des Peter Helfgott in „Shine“ wurde er in Australien in der besten Nebenrolle ausgezeichnet und 1997 für den Oscar nominiert. Sein Lebenswerk fand Anerkennung mit der Verleihung der Berlinale-Kamera. Unvergessen ist auch die Darstellung Thomas Manns für eine ARD-Verfilmung.

Trotz intensiver Arbeit in den Studios war immer Zeit, zu malen oder grafisch zu arbeiten und auch Bücher wie „Unterwegs nach Hause“, „In Gedanken an Marie Louise“, „Hannah“ zu schreiben. Und natürlich die Musik ...

„Man muß an die eigenen Produktionen immer wieder zweifelnd herangehen, um nicht stehen zu bleiben ... im Grunde mag ich nicht mehr bewundert werden oder bewundern müssen, beides war nie mein Lebensziel. Wofür auch? Wenn ich eine gute Arbeit mache, bekomme ich sowieso mehr Lob, als es in anderen Berufen üblich ist“, hat er einmal gesagt. An diesem Sonnabend wird Armin Mueller-Stahl 75 Jahre alt. Und wer ihn kennt, der weiß, daß er sich noch lange nicht zum alten Eisen zählt. „Leben bleibt anstrengend, bis zum Schluß. Es ist wie Rad fahren: Wenn man aufhört zu treten, fällt man um.“ o-n

Armin Mueller-Stahl (Foto)


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